Wann baute Noah seine Arche?
Der seit drei Wochen andauernde Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran hat bisher nicht nur Tod und Leid über viele Menschen gebracht und zu fürchterlichen Zerstörungen geführt, sondern hat auch gravierende Auswirkungen weit über den Nahen Osten hinaus. Die werden umso desaströser sein, je länger der Krieg dauert, den der USA-Präsident als kurzen »Enthauptungsschlag« angekündigt hatte, in dem inzwischen aber nicht nur immer mehr Menschen getötet werden, sondern auch zunehmend Öl- und Gasfelder bombardiert und Förderanlagen sowie Lagerstätten zerstört oder beschädigt werden.
Die Krise, die mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ausgelöst wurde, verschärfte sich vor allem drastisch durch die Schließung der Straße von Hormus. Vor dem Angriff auf den Iran passierten täglich rund 130 Schiffe die Meerenge. Sie transportierten knapp 40 Prozent des weltweit verschifften Rohöls, 25 Prozent des Flüssiggases und 15 Prozent aller Düngemittel, aber auch Konsumgüter und Lebensmittel. Selbst wenn der Krieg über Nacht beendet und die Straße von Hormus für sämtliche Schiffe wieder gefahrlos zu befahren wäre, würde die Beseitigung der Kriegsfolgen und die Wiederinbetriebnahme der Öl- und Gasproduktion noch lange dauern.
Die Folgen sind inzwischen in weiten Teilen der Welt deutlich zu spüren, auch in Luxemburg.
Die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise stiegen innerhalb von zwei Wochen drastisch an, die Betriebe, die nicht durch langfristige Verträge abgesichert sind, sondern das benötigte Gas kurzfristig auf dem Spotmarkt kaufen, müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen, und die Landwirte müssen mit ansehen, wie die steigenden Preise für Düngemittel ein tiefes Loch in ihre Kasse reißen.
Zieht sich der Angriffskrieg in die Länge, ist zu befürchten, dass neben Engpässen bei bestimmten Rohstoffen und Konsumwaren, auch Lebensmittel und andere Konsum- und Industriewaren wegen höherer Produktionskosten und gestiegener Transportkosten teurer werden, und die Inflation deutlich ansteigen wird, abgesehen davon, dass die Erdölkonzerne – und nicht sie allein – versuchen, die Krise zu nutzen, um durch überhöhte Preise Extraprofite zu kassieren.
Das alles ist Gift für das Portemonnaie aller Schaffenden und Rentner, deren Kaufkraft riskiert, Schwindsucht zu erleiden.
Was aber tut die CSV/DP-Regierung, die nicht bereit ist, den Angriffskrieg der USA und Israels zu verurteilen und sein sofortiges Ende zu fordern, unter diesen dramatischen Umständen?
Selbst nach den rezenten massiven Erhöhungen der Preise für Benzin, Diesel und Heizöl und der bevorstehenden Flut von Preiserhöhungen sieht es Regierungschef Luc Frieden noch immer als verfrüht an, über Maßnahmen zu reden, um gegenzusteuern. Man wolle die Situation »weiter beobachten« und gegebenenfalls »sozial gezielte Hilfen« ergreifen, sagt ein »christlich-sozialer« Premierminister, der bis dato nicht einmal bereit ist, Tausenden von Beziehern des Mindestlohns aus der Armutsfalle herauszuhelfen.
Sollte er nicht wissen, beziehungsweise vergessen haben, dass Noah seine Arche nicht nach, sondern vor der Sintflut baute?

