Kultur15. Januar 2022

Am 18., 19. und 20. Januar im Kasemattentheater

»Madame Köpenick«

Wilhelm Voigt, wie der »Hauptmann von Köpenick« mit richtigem Namen hieß, starb vor 100 Jahren, am 3. Januar 1922, in Luxemburg. Sein Husarenstück, als er am 16. Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten in das Rathaus von Köpenick, einem Berliner Stadtteil, eindrang und die Stadtkasse raubte, ist als Köpenickiade sprichwörtlich in die deutsche Sprache eingegangen.

Auch die damalige Medienlandschaft interessierte sich gleich für die Geschichte und zum Prozess reiste die gesamte Weltpresse an. Carl Zuckmayer machte daraus 1931 ein Theaterstück, das zum Dauerbrenner wurde. Diese Berliner Geschichte wurde so zum Volksmythos, aber wie ging es weiter mit der Person Voigt? Ganz modern versuchte dieser, nach seiner Entlassung, Geld mit seinem plötzlichen Ruhm zu verdienen, produzierte eine Grammofonaufnahme, veröffentlichte Postkarten und ein Erinnerungsbuch, ging auf große Tournee und verkaufte Autogramme.

Als Voigt im Jahr 1909 nach Luxemburg kam, war er bereits 60 Jahre alt und hatte insgesamt 30 Jahre in einer Erziehungsanstalt verbracht. Doch was passierte in Luxemburg? Eigentlich war er ja nur auf der Durchreise, aber hier machte er, nach seinem Auftritt, Bekanntschaft mit einer Witwe: Frau Emilie Blum-Bernier. Erstaunlich rasch wohnte er dann auch zur Miete bei Frau Blum in einem Haus in Luxemburg-Stadt. Als neutrales Land gewährte Luxemburg ihm Sicherheit vor den deutschen Behörden.

Doch dass er seine letzten 13 Lebensjahre dann auch in seiner neuen Heimat geblieben ist, dabei spielte diese Frau sicher eine wichtige Rolle. Ohne sie hätte der gelernte Schumacher wohl nie in Luxemburg Fuß fassen können. Sie war Dreh- und Angelpunkt, er selbst in alten Strukturen verfestigt. Während es über Emilie Blum so gut wie keine persönlichen Aufzeichnungen gibt – ein kurzes Interview mit der so genannten »Madame Köpenick« fand im Jahre 1935 statt – weiß man von Voigt, dass er gerne weiterhin in seiner erfundenen Uniform durch die Straßen lief.

Hatte er die Bedeutung seiner Geschichte und den Grund seines Ruhmes wirklich verstanden? Offensichtlich hatte er das Herz eines Darstellers, dem die Rolle wichtiger war, als die Wirklichkeit. Grund genug dieses Spiel auf die Bühne zu bringen.

Der Autor Guy Helminger hat eine zeitgenössische und vielschichtige Beziehungs-Komödie über das Paar und ihre Zeit geschrieben. Eine Zeit, die es in sich hat: Der 1. Weltkrieg, das Aufkommen der Suffragetten und des Feminismus, Erfindungen, die Spanische Grippe mit über 20 Millionen Toten, Angst vorm Halley’schen Kometen – eine Zeit, die der aktuellen in vielerlei Hinsicht erstaunlich nah ist.

»Madame Köpenick«, Komödie von Guy Helminger. Mit Brigitte Urhausen und Michael Schrodt. Regie: Kay Wuschek. Bühne und Kostüme: Dagmar Weitze. Videoinstallation: Ernest Thiesmeier. Assistenz: Sara Goerres. Produktion: Kasemattentheater und Vaganten Bühne Berlin. Das Projekt wurde von der Edmond Dune-Börse unterstützt, die von Focuna und privaten Mäzenen finanziert wird.

Dienstag, 18. Januar, Mittwoch, 19. Januar sowie Donnerstag, 20. Januar, jeweils um 20 Uhr. Preis: 20 Euro, ermäßigt 8 Euro. Kasemattentheater, Saal Tun Deutsch, 14, Rue du Puits, Luxemburg-Stadt.