Leitartikel10. November 2023

Der moderne Patient

von

Am Mittwoch stellte die neue Führungsriege der eSanté-Agentur, bestehend aus Marc Hostert, Ian Tewes und Giuseppe Fontane, Zahlen zur Entwicklung im vergangenen Jahr vor, welche insbesondere mit Blick auf die Einführung einer mobilen Anwendung im Zusammenhang mit dem elektronischen Patientendossier sowie dem neuen digitalen Impfausweises nach Ansicht der Agentur positiv seien.

Bereits mehr als 27.000 Impfausweise in digitaler Form, in welchen der Mediziner alle Impfnachweise einsehen kann, die sein Patient, egal bei welchem Kollegen und wo, bisher erhalten hat. Ein Tool, welches in Notfällen sofort Klarheit schaffen soll, ohne daß erst langwierig herausgefunden werden muß, welche Impfungen beim Patienten vorliegen, was kostbare Zeit verstreichen läßt. Auch das lästige Abfragen von oftmals beim Patienten nicht mehr präsenten Impf-Informationen bei einer normalen Konsultation dürfte damit bald der Vergangenheit angehören.

Ein Fortschritt deutet sich außerdem auch bei der Verwaltung und Zusammenführung von Patientendaten an, welche von allen Medizinern, die eine Person behandeln, eingesehen werden können. Klarheit, und sei es nur beim Abgleich der persönlichen Daten des Patienten, die auch Sicherheit schafft und überflüssige Behandlung sowie Medikation verhindern hilft. Insbesondere in einem Land, wo Sprachbarrieren oftmals zu Mißverständnissen zwischen Behandler und Patient führen können, eine hilfreiche Entwicklung.

Ein wenig Zukunftsmusik hingegen ist noch das Projekt des elektronischen Rezepts. Hier gilt es, weitere Weichen zu stellen. Der Kern des Projekts, das digitale Patientendossier, vereinfacht an sich schon das Verhältnis zwischen Patient und Ärzten, indem es, die wichtigen Gesundheitsdaten enthaltend, den Behandlern, sofern diese in Luxemburg zugelassen sind, Einsicht in die Daten gibt und die Koordination von Behandlungen erleichtert. Oft kam es in der Vergangenheit vor, daß Untersuchungen im Laufe eines Behandlungsstranges doppelt durchgeführt wurden oder bei denen im Nachhinein festgestellt wurde, daß sie gar nicht nötig waren. Gerade mit Röntgenbehandlungen, die unnötig durchgeführt werden, weil der Patient etwa vergessen hat, daß er bereits entsprechende Unterlagen aus einer früheren Untersuchung besitzt oder gar wo diese liegen, kann hier aufgeräumt werden.

Vieles in Luxemburg braucht immer viel Zeit, um auf die Schienen gestellt zu werden. Insbesondere im Gesundheitsbereich ist es positiv, wenn organisatorische Abläufe zugunsten des Patienten und seiner Ärzte am Puls der Zeit verbessert werden können. Die Pandemie hat uns auch gezeigt, daß Dinge, wie eine Videosprechstunde oder per Email übersandte Krankmeldungen keine Notfallmaßnahmen in einer Pandemie bleiben müssen, sondern, wie auch in anderen Lebensbereichen, zum generellen Fortschritt beitragen können.

Die wachsende Zahl der Nutzer des neuen Systems zeigt, daß Bedarf und Interesse vorhanden sind, den Gesundheitssektor in Luxemburg im Sinne der Patienten und Akteure an vorderster Front endlich moderner zu gestalten und beiden unnötige administrative Wege und Behandlungen zu ersparen.