Der verspätete Index und seine Folgen
Während der Gesundheitskrise wurden viele Lebensmittel teurer, was insbesondere die Lohnabhängigen mit kleinen und mittleren Löhnen, die zudem noch kurzarbeiten und mit deutlich niedrigerem Lohn auskommen mussten, zu spüren bekamen, da sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.
Noch bedeutendere Auswirkungen auf die schleichende Erhöhung des Preisindex haben die Erdölprodukte. Sie wurden innerhalb eines Jahres deutlich teurer und treiben gegenwärtig die Inflation weiter an. Auch das wirkt sich negativ auf das Einkommen der meisten Lohnabhängigen aus, weil sie – da es keine Vorschussindextranche gibt – erst mit einer teilweisen Anpassung ihrer Löhne an die Preisentwicklung rechnen können, wenn der semestrielle Durchschnitt des Index eine bestimmte Schwelle überschritten hat.
Negativ wirkt sich in diesem Zusammenhang aus, dass Regierung und Chamber beschlossen, die sogenannte CO2-Steuer zu »neutralisieren«, was einer Index-Bremse gleichkommt und eine von vielen Index-Manipulationen ist, welche die verschiedenen Regierungen sich bisher einfallen ließen, abgesehen davon, dass die Regierung von DP, LSAP und Grünen sich in ihrem Koalitionsprogramm dazu verpflichtet hatte, keine Indexmanipulation vorzunehmen.
Diese Steuer trat zum 1. Januar 2021 in Kraft und hat dazu geführt, dass Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas teurer wurden, ohne dass diese Teuerung allerdings für die Berechnung des semestriellen Durchschnitts des Index zurückbehalten wurde.
Das hat zur Folge, dass die Anpassung der Löhne an die Inflation sich zeitlich verschiebt und bedeutet zusätzlichen Kaufkraftverlust. Das gleiche Manöver wird sich übrigens wiederholen, wenn die CO2-Steuer zum 1. Januar 2022 und zum 1. Januar 2023 erneut »indexneutral« erhöht wird.
Gegenwärtig lautet die Prognose des statistischen Amtes übrigens, dass der semestrielle Index noch vor Ende des Jahres die Schwelle für den Erfall einer Indextranche überschreiten könnte, so dass die Löhne nach fast zwei Jahren ein erstes Mal um 2,5 Prozent an die Inflation angepasst würden.
Diese verspätete Anpassung wird von vielen Familien als »verfrüht« wahrgenommen werden, weil die Regierung entschieden hat, dass die Indexierung der Familienzulagen, die 2006 abgeschafft wurde, erst zum 1. Januar 2022 wiederum an den Index angepasst wird, obwohl sie bereits im November 2014 mit den Gewerkschaften ein Abkommen über die Anpassung der Familienzulagen an die allgemeine Lohnentwicklung traf, das sie bis dato allerdings nicht erfüllte. Auch gegenüber der Forderung eines Ausgleichs für die seit 2014 erlittenen Verluste der Familien zeigte sie bisher kein Entgegenkommen.
Das braucht sie auch nicht, solange es seitens der Schaffenden und ihrer Organisationen keinen Druck gibt, der stark genug ist, um die Regierenden zum Umdenken zu bewegen und Entscheidungen durchzusetzen, die im Interessen einer Stärkung der Kaufkraft sind.
Dazu gehören unter anderem auch die von der KPL geforderte Vorschussindextranche, ein Indexwarenkorb, aus dem nicht willkürlich bestimmte Waren ausgeklammert werden, und die Indexanpassung der Familienzulagen samt Ausgleich für den Indexklau der vergangenen Jahre.
