Prävention chronischer Krankheiten: eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und des Patientenschutzes
In einer Stellungnahme begrüßt die Patiente Vertriedung den vom Nationalen Gesundheitsobservatorium veröffentlichten Bericht »Gesund Gesellschaft durch Prävention«, der bestätigt, dass die meisten chronischen Krankheiten in Luxemburg durch wirksame, evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen vermeidbar sind.
Der Bericht betont, dass die wichtigsten Risikofaktoren – Tabak, Alkohol, unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel – nicht nur eine Frage der individuellen Entscheidung sind, sondern stark vom sozialen, wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld beeinflusst werden. Patienten aus benachteiligten Verhältnissen sind davon überproportional betroffen.
Die Patiente Vertriedung erinnert daran, dass sie dies bereits 2024 formuliert hatte, insbesondere in ihrer Erklärung zugunsten einer Steuer auf Zucker in Softdrinks: Chronische Krankheiten und ihre Risikofaktoren nehmen zu, insbesondere bei Kindern und sozial schwachen Bevölkerungsgruppen. Das Beispiel der Zuckersteuer, die im Vereinigten Königreich bereits erfolgreich umgesetzt wird, zeigt, dass eine gezielte Regulierung sowohl den Zuckerkonsum senken, die Industrie zur Neuformulierung ihrer Produkte anregen als auch Kinder, insbesondere aus benachteiligten Verhältnissen, wirksamer schützen kann.
In ihrer neuen Stellungnahme erinnert die Patiente Vertriedung daran, dass Prävention keine Frage der Moral oder der individuellen Disziplin ist, sondern eine kollektive und politische Verantwortung. Eine wirksame Prävention muss Ungleichheiten verringern, Kinder schützen und gesunde Lebensbedingungen für die gesamte Bevölkerung schaffen.
Die Vereinigung fordert daher verbindliche strukturelle Maßnahmen, die in eine ehrgeizige, transparente und auf die Rechte der Patienten ausgerichtete nationale Präventionsstrategie eingebunden sind.
Zuckersteuer
auf Softdrinks
In der Erklärung zur Zuckersteuer der Patiente Vertriedung von 2024 es unter anderem geheißen:
»Die Patiente Vertriedung Asbl setzt sich deshalb für die Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks in Luxemburg ein, ähnlich wie sie bereits in Großbritannien umgesetzt wurde. Angesichts alarmierender Gesundheitsstatistiken und der positiven Auswirkungen der Zuckersteuer auf die Gesundheit von Kindern in anderen Ländern, fordert die Patiente Vertriedung dringend eine ähnliche Maßnahme in Luxemburg.
In erster Linie sollte die Zuckersteuer Getränkehersteller dazu anregen, den Zuckergehalt in ihren Softdrinks zu reduzieren. Das Ziel ist nicht, den Konsumentinnen und Konsumenten mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Zahlreiche Unternehmen kamen dem auch nach und brachten zuckerreduzierte Versionen ihrer Getränke auf den Markt, bei anderen Softdrinks wurden die Preise hingegen der Steuer entsprechend erhöht.
Schon ein Jahr nachdem die britische Zuckersteuer eingeführt wurde, zeigte sie Wirkung. Laut Studiendaten nahm ein britischer Haushalt im März 2019 pro Woche 30 Gramm weniger Zucker zu sich als vor der Steuer. Der wöchentliche Zuckerkonsum reduzierte sich demnach im Schnitt um ein Zehntel oder rund drei Stück Würfelzucker. Die dabei erhobene Reduktion klinge zwar vielleicht nach wenig, schon eine kleine Verringerung des wöchentlichen Zuckerkonsums könnte aber zahlreiche Kinder und Jugendliche davor bewahren, übergewichtig zu werden, sagt Rogers, die an der damaligen Studie nicht beteiligt war.
Die bestehenden Softdrink-Abgaben lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen. So müssen beispielsweise in Großbritannien Unternehmen Abgaben leisten, die sich nach der Zuckermenge in den Softdrink-Rezepturen richten. In Mexiko wird die Steuer dagegen unabhängig vom Zuckergehalt der Softdrinks erhoben. Ergebnisse aus internationalen Studien zeigen, dass letztere Variante vor allem zu einer verringerten Nachfrage nach Softdrinks führt, während erstere Variante zudem mit einer Änderung der Rezeptur hin zu weniger Zucker in den Softdrinks einhergeht.
Studien zeigen, dass eine Abgabe beziehungsweise eine Steuer auf gezuckerte Getränke eine relevante Maßnahme zur Prävention von Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen darstellt. (…)
Die Patiente Vertriedung Asbl weist auf die positiven Ergebnisse hin, die die Zuckersteuer in Großbritannien erzielt hat. Eine Studie ergab, dass die Einführung der »Soft Drinks Industry Levy« zu einer Verhinderung von 5.000 Fällen von Fettleibigkeit geführt hat. Insbesondere bei zehn- bis elfjährigen Mädchen gab es einen Rückgang des relativen Risikos für Fettleibigkeit um 8 Prozent, was etwa 5.234 Fällen von Fettleibigkeit entspricht. Besonders signifikant war der Rückgang bei Mädchen aus sozial schwächeren Gegenden, wo der Konsum von gezuckerten Limonaden am höchsten war.
Die Auswirkungen der Zuckersteuer auf die Zahn-Gesundheit sind ebenfalls beachtlich. In Großbritannien führte die Steuer zu einem Rückgang von mehr als einem Viertel der Zahnextraktionen bei Kindern in den ersten fünf Lebensjahren. Karies, hauptsächlich verursacht durch den Konsum von zuckerhaltigen Getränken, ist für 90 Prozent aller Zahnextraktionen im Kindesalter verantwortlich. (…)
Die Erfahrungen aus Großbritannien und anderen Ländern zeigen, dass eine Zuckersteuer auf Softdrinks einen positiven Einfluss auf die Gesundheit von Kindern haben kann. Die Patiente Vertriedung Asbl fordert daher die luxemburgische Regierung auf, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit der jüngsten Generation zu schützen.

