Leitartikel25. August 2026

Neue Waffen zum »Geburtstag«

von Uli Brockmeyer

Eigentlich sollte es heutzutage nicht mehr zu den normalen Gepflogenheiten gehören, kleinen oder großen Jungs Waffen zum Geburtstag zu schenken. Im Fall des »Geburtstags« der Ukraine machen die Europäische Union und einige ihrer Mitgliedstaaten eine Ausnahme. EU-Ratspräsident Costa hatte neben dem Versprechen der Unterstützung des Krieges gegen Rußland »so lange wie nötig« bei seiner Ankunft in Kiew auch die Zusage für weitere 6,1 Milliarden Euro im Gepäck, die für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen verpulvert werden dürfen. Zudem verkündete der frühere portugiesische Premierminister stolz, daß man in den vergangenen viereinhalb Kriegsjahren »mehr als 220 Milliarden Euro mobilisiert« habe.

Zum Jahrestag der Lossagung der Ukraine von der Sowjetunion vor 35 Jahren, fälschlicherweise in einigen Medien als »Geburtsstunde der Ukraine« gepriesen, haben sich mehrere weitere enge Freunde in der angeblich pausenlos unter Beschuß stehenden Hauptstadt Kiew eingefunden, unter ihnen auch Luxemburgs Regierungschef. Ob Herr Frieden, so wie sein britischer Amtskollege Burnham, von seinem Freund Selenski auch eine »Ehrenauszeichnung« in Empfang nehmen durfte, war bis Redaktionsschluß dieser Ausgabe nicht bekannt.

Einig sind sich die in Kiew anwesenden Damen und Herren Ehrengäste in ihrer Verpflichtung, den Krieg bis zur Niederlage Rußlands weiter zu unterstützen, koste es, was es wolle. Es stört sie nicht, daß allüberall anläßlich des Feiertages neben den blau-gelben Flaggen auch die rot-schwarzen Fahnen der Nationalisten und Faschisten gehißt wurden. Wie sollte es auch – schließlich scheut sich auch niemand, dem ukrainischen Staatschef die Hand zu schütteln, mit der er einen Tag zuvor ein Gesetz über eine »Pantheon« genannte »Helden-Gedenkstätte« unterzeichnet hatte.

Die Helden, denen dort gehuldigt werden soll, sind vor allem aus finsteren Zeiten des vergangenen Jahrhunderts bekannte Faschisten und Nationalisten, wie ein gewisser Herr Melnik, dessen sterbliche Überreste vor einigen Wochen mit Billigung der Luxemburger Regierung nach Kiew überführt und dort mit militärischen Ehren und kirchlichem Segen zu Grabe getragen wurden, und die Gebeine des aus Rotterdam überführten Jewgeni Konowalets, bei dessen Begräbnis in Kiew auch die Kommandeure des als durch und durch faschistisch-nationalistisch berüchtigten Bataillons »Asow« Ehrenwache hielten.

Die »Geburtstagsgäste« dürften sicher auch von den zahlreichen zumeist jüngeren Ukrainern abgeschirmt worden sein, die seit Wochen gegen die Personalentscheidungen ihres Präsidenten und gegen die weiterhin ausufernde Korruption im Land protestieren. Wahrscheinlich kommt niemand von ihnen auf die Idee, zumindest mal nachzufragen, was eigentlich aus den 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro Bargeld sowie den neun Kilogramm Gold geworden ist, die Anfang März in Ungarn zeitweilig beschlagnahmt worden waren. Angesichts der vielen »Staatsdiener«, die ihre Hände aufhalten, ist die Frage allerdings müßig. Für den Einkauf von Waren jedenfalls braucht ein Staat weder Bargeld noch Goldbarren…

Und so konnten am Montag in Kiew jede Menge Geschenke ausgepackt werden – zu denen allerdings eines nicht gehörte: Ein brauchbarer Plan, den Krieg unter Beachtung der Sicherheitsinteressen aller Beteiligten möglichst bald zu beenden.