Luxemburg27. August 2026

Erntegespräch 2026 bei Versis am Roost:

Kein gutes Jahr fèr die Bauern

Nie paßt alles in einem Jahr für die Landwirtschaft, so auch diesmal. Das Jahr der Bauern begann gut im September mit viel Regen. Die Winterkulturen konnten unter normalen Bedingungen ausgesät werden und haben den milden Winter mit einer langen Wachstumsperiode gut überstanden. Der Januar war kalt, hohe Niederschlagsmengen folgten im Februar, was die ersten Pflegearbeiten in den Winterkulturen sowie die Aussaat des Sommergetreides etwas verzögerte. Dann wurde das Frühjahr trocken und warm, was zu einer tieferen Wurzelbildung und zu nicht zu dichten Beständen führte.

Bis Mai war somit alles in Ordnung, doch im Juni und Juli fehlten 100 mm Regen am Quadratmeter, was in Verbindung mit hohen Temperaturen mit 38 Tagen über 30 Grad in der Tageshöchsttemperatur die Abreife der Dreschkulturen sehr beschleunigt hat. Beim Wintergetreide gab's zufriedenstellende Erträge geringfügig unterm langjährigen Durchschnitt von hoher Qualität. Beim Sommergetreide jedoch gab's deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen. Allerdings wurde alles trocken eingebracht und es fielen keine Kosten zur Trocknung an.

Beim Wintergetreide begann die Ernte schon um den Nationalfeiertag. Bis Anfang August war die Getreideernte landesweit historisch früh beendet, auch wenn ältere Bauern berichten, 1976 sei man noch früher fertig gewesen, aber das war die große Ausnahme.

Die Kleinbettinger Mühle hatte beim Brotweizen unter dem Programm »Produit du terroir« 128 Bauern mit 2.254 ha am Start, was leicht unter den durchschnittlichen 2.500 ha lag. Es fehlen dann auch etwas über 1.000 Tonnen auf die erhofften 12.500 t, aber es wurde eine bemerkenswerte Qualität mit 13,2 Prozent Proteingehalt geerntet.

Bei Hartweizen wurden 645 t von ebenfalls bemerkenswerter Qualität geerntet, eine Menge die ausreicht für die Luxemburger Teigwarenproduktion.

Der fehlende Regen ab Juni traf Maiskulturen und Gras. Körnermais (üblicherweise fallen davon 8-10 t jährlich an) ist ein Totalausfall. Der erste und zweite Grasschnitt war gut in Menge und Qualität, aber der dritte fiel total aus. Inzwischen wird auf den Weiden teilweise zugefüttert und es wird auf weiteren Regen gehofft, um im Herbst doch noch einen dritten Grasschnitt zu bekommen als Winterfutterreserve.

Beim Futtermais ist die Lage standortbedingt unterschiedlich. Wo es zu trocken war, mußte notgehäckselt werden, um keinen Totalausfall zu erleiden, während anderswo noch auf Besserung durch Regen gehofft wird.

Richtige Lichtblicke sind Winterraps, Dinkel und Hafer. Die Erträge beim Raps haben kaum unter der Trockenheit gelitten, während die erlösbaren Preise um 15% überm letzten Jahr liegen, da sie zum Teil von den Erdölpreisen bestimmt werden. Das macht Raps 2026 zur wirtschaftlich besten Kultur für die Bauern.

Hafer und Dinkel sind als Nischenkulturen weniger vom Weltmarkt preislich abhängig, werden aber immer wichtiger, weil sie zunehmend in der menschlichen Ernährung Eingang halten. Beide finden sich in Müslis wieder, Hafer in der Hafermilch und Dinkel im Brot.

Was die Kartoffeln anlangt, so sind die Setzkartoffeln so klein wie sie sein sollen, aber leider sind auch die Eßkartoffeln wegen der Trockenheit klein. Es gibt folglich daraus keine großen Fritten, und der Gewichtsertrag ist entsprechend gering. Bei den Fritten gibt es sicher eingefrorene Reserven aus der überreichen Ernte des Vorjahres, während für Eßkartoffeln höhere Preise zu erwarten sind.

Dünger und Diesel zu teuer

Während die kriegsbedingte Ausfuhrsperre übers Schwarze Meer zu höheren Getreidepreisen führt, sei trotzdem der Getreideanbau noch verlustreicher dieses Jahr als im Vorjahr gewesen, wird geklagt.

Dies weil wegen des unprovozierten völkerrechtswidrigen Angriffskriegs von USA und Israel gegen den Iran der Dünger aus dem Persischen Golf blockiert ist, und die Erdöl- wie Gaspreise anstiegen. Nun brauchen aber alle Landmaschinen Diesel und für die Düngererzeugung braucht es viel Gas. Zwar ist den Bauern in der Tripartite für den Agrardiesel bis zum 31.12. eine zusätzliche Ristourne von 15 cts/l zugestanden worden, und als Ausgleich für die Düngerpreissteigerung ist ein Gesetzesprojekt auf dem Instanzenweg für eine Beihilfe von 35 €/ha, was die Bauern dann beantragen müssen, aber das gleicht nicht alles aus.

Man muß sich aber fragen, warum aus der seit Jahren wiederholten Klage über zu teuren chemischen Dünger nicht mehr Umstiegswillen auf biologische Wirtschaftsweise entsteht oder warum nicht wenigstens als Zwischenfrucht Kleegras, auch Luzerne genannt, angebaut wird, was einerseits ein gutes Zusatzfutter für Rindviecher ist und andererseits kostenlos aus der Luft Stickstoff in den Boden bringt, der dann nicht als Dünger eingekauft werden muß. Gerade jetzt, wo es wieder regnet, wäre dies heuer vielversprechend!

Bei den sich wiederholenden Problemen mit Mais an etlichen Standorten stellt sich die Frage, warum dort nicht Hirse angebaut wird, die mit wesentlich weniger Wasser auskommt und die auch als Futter für Rinder verträglicher ist, was sich in Einsparungen bei den Kosten für Veterinärmedizin niederschlägt.

Aber das haben wir doch noch nie gemacht, warum sollten wir das gerade jetzt anfangen, scheint die Latrinenparole zu sein, worauf man lieber klagt, das Defizit beim Getreideanbau habe sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.