»Politik« nach Art der Gutsherren
Die Zeiten sind offenbar vorbei, da politische Entscheidungen von Regierungen getroffen wurden, nachdem sie in zuständigen Gremien beraten worden waren. Zumindest trifft das auf den größten Teil jener Welt zu, der sich selbst das Etikett einer »regelbasierten Ordnung« angeheftet hat. Tatsächlich ist von Ordnung nicht mehr viel zu erkennen, und auf welchen »Regeln« dieses »Ordnung« basieren soll, können nicht einmal diejenigen Politiker und deren Lautsprecher in den Medien definieren, die nicht müde werden, darüber zu schwadronieren.
Die Folgen einer solchen Art von Politik sind gegenwärtig vor allem in der Region des Nahen Osten zu beobachten. Da wird dem Staat Israel nicht nur gestattet, völkerrechtswidrige Angriffskriege gegen die Palästinenser in Gaza und gegen den Nachbarn Libanon zu führen, sondern die engsten Verbündeten der Rechtsaußen-Regierung in Jerusalem statten den Aggressor auch noch mit immer neuen Waffen aus – allen voran die USA, gefolgt von der Bundesrepublik Deutschland, die gebetsmühlenartig das Wort vom »Selbstverteidigungsrecht« in alle Welt posaunt und jeglichen Protest gegen den Aggressor als »Antisemitismus« verunglimpft.
Den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland wird nicht nur das Selbstbestimmungsrecht verweigert, es wird auch verhindert, daß von außen Hilfe kommt, die von der Besatzungsmacht vorenthalten wird. Die Kaperung von Schiffen der Gaza-Flotilla durch die israelische Kriegsmarine in internationalen Gewässern (!) ist den Regierungen mit der »regelbasierten Ordnung« nicht einmal einen ordentlichen Protest wert, geschweige die Aussetzung von Kooperationen.
Noch schlimmer, weil sehr viel folgenreicher, ist das Drama um den Iran. Vollmundige Versprechungen nach Aufhebung von Sanktionen gegen den Iran beim Abschluß des Atomabkommens von 2015 wurden nicht einmal im Ansatz eingehalten, das Abkommen wurde von den USA einseitig aufgekündigt, mit wohlwollender Billigung der Europäischen Union. Nach einem ersten Versuch im Sommer 2025 wurde dann von den USA und Israel im Februar 2026 ein weiterer völkerrechtswidriger Angriff gestartet. Die Entscheidung dazu traf ein gewisser Donald Trump, Herr über das Washingtoner Weiße Haus und Möchtegern-Entscheider über alles, was in der Welt irgendwie seine Interessen tangiert, also die Interessen seines Immobilien-Clans.
Der einzige »Plan«, der hinter diesem eklatanten Bruch jeglichen Völkerrechts zu erkennen ist, besteht darin, einerseits den großen Gegner China zu bekämpfen, und andererseits die Verfügungsgewalt über die wichtigsten Energiereserven der Welt zu erlangen – deshalb auch der »Abstecher« nach Venezuela im vergangenen Jahr.
Donald Trump allein entscheidet über Krieg und Frieden, über den Einsatz der größten Militärmaschinerie und die Frage, wer an den Öl- und Gasreserven des Iran und der Region teilhaben darf. Er entscheidet täglich neu, wer sich als Freund oder nicht als Freund betrachten darf. Und wenn er neues Geld für den Krieg braucht, dann werden – wie im Mittelalter – eben neue Steuern oder Zölle erfunden. Entscheidungen werden vorzugsweise in der Präsidentenmaschine verkündet, auf dem Weg zum Golfplatz in Florida.
Besonders makaber ist, daß sich immer mehr Leute im »regelbasierten« Westen finden, die sich dieser Gutsherrenart nicht nur unterordnen, sondern sie sogar zu kopieren versuchen.

