Ausland21. Februar 2026

Pentagon plant wochenlangen Luftkrieg gegen Iran

von Rainer Rupp

Jüngste Entwicklungen im USA-Kriegsministerium deuten auf intensivierte Vorbereitungen für einen möglicherweise mehrere Wochen andauernden brutalen, unprovozierten und völkerrechtswidrigen Bombenkrieg mit vereinzelten Kommandounternehmen gegen Landziele im Iran. Alles deute auf einen besonders schweren Bombenkrieg hin, heißt es in Medien der USA. Eine politische Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, doch die militärischen Szenarien zeigten, daß mit einem komplexen und ausgedehnten Angriff gerechnet wird.

Diese Pläne spielen sich ab vor dem Hintergrund wachsender Spannungen und Sicherheitsrisiken im Persischen Golf und darüber hinaus in der gesamten Region.

Die aktuelle Angriffsplanung

Im Zentrum der steht die Annahme, daß ein Konflikt mit dem Iran nicht mit schnellen, punktuellen Schlägen beendet wäre, sondern sich über Wochen erstrecken könnte. Vorgesehen sind anhaltende Luft- und Seeoperationen, die darauf abzielen, iranische Raketeninfrastruktur zu zerstören sowie mit der Eliminierung der Führungs- und Kommunikationsstrukturen die iranische Verteidigung zu enthaupten.

Gleichzeitig wird mit asymmetrischen Gegenreaktionen des Iran gerechnet: Raketenangriffe, Cyberattacken, Angriffe durch diverse Milizen und Störungen des Schiffsverkehrs gehören zu den einkalkulierten Szenarien, darunter auch die Blockierung der Straße von Hormus.

Zu Vorbereitung eines großangelegten Angriffs hat die aktuell überall erkennbare Verstärkung der Truppenpräsenz der USA in der Region stattgefunden, zwei Flugzeugträgergruppen mit Zerstörern sowie Ladungsschiffen mit Hubschraubern für Kommandounternehmen an Land. Hinzu kommt die Verlegung von Langstreckenbombern in die Region und die Verstärkung der in der Region bestehenden Stützpunkte mit Tarnkappen-Kampfjets F-35. Die US Air Force spielt ohnehin in den Planspielen des Pentagon eine zentrale Rolle für Aufklärung, Überwachung und Präzisionsangriffe. Parallel dazu wird die Raketenabwehr gegen iranische Vergeltungsangriffe weiter verstärkt.

Zielsetzung und regionale und globale Auswirkungen

Laut Medienberichten sehen die Planungen offenbar das übliche, abgestufte Vorgehen der Aggression vor. Zunächst sollen Luftabwehr- und Raketenstellungen »ausgeschaltet« werden, um operative Überlegenheit zu sichern. Danach sollen Kommandozentralen, Logistikeinrichtungen und mit den Revolutionsgarden verbundene Strukturen attackiert werden. USA-Medien wiederholen auch die inzwischen in Stein gehauene Lüge, daß »ein Regimewechsel« in Teheran »nicht explizit im Mittelpunkt steht«. Vielmehr gehe es um die nachhaltige Schwächung der militärischen Handlungsfähigkeit des Iran.

Ein länger andauernder Konflikt hätte erhebliche Folgen für Energiemärkte und internationale Handelsrouten, insbesondere im Bereich der Straße von Hormus.

Wochenlange Kampfhandlungen würden erhebliche logistische und politische Herausforderungen mit sich bringen sowie hohe Anforderungen an Personal, Material und politische Unterstützung stellen. Auch innenpolitisch hätte Trump, der vor seiner Wahl versprochen hatte, Schluß zu machen mit den »endlosen Kriegen«, bei einer längeren militärische Auseinandersetzung Probleme mit seiner eigenen MAGA-Bewegung.

Nicht die erste Bedrohungskulisse

Es ist nicht das erste Mal, daß die USA eine Drohkulisse gegen den Iran aufgebaut haben. Wie zum Beispiel im Jahr 2007 oder in der Krise2011-2012, als unter Präsident Obama das Pentagon drei kampfbereite Flugzeugträgergruppen in Reichweite der iranischen Küste zusammengezogen hatte. Aber auch damals – Irans Verteidigungsfähigkeiten waren noch weitaus schwächer als heute – gab es starken Widerstand innerhalb des Pentagon und der Stabschefs gegen einen Krieg mit dem Iran, der den Streitkräften und der Wirtschaft der USA hohe Verluste versprach.

Im Februar 2007 waren auf Befehl des damaligen Präsidenten George W. Bush zwei Flugzeugträgergruppen, die »USS Eisenhower« und die »USS Stennis« in den Persischen Golf entsandt worden. Die Angriffs-Gruppe unter Führung der »USS Batan« war ebenfalls auf dem Weg in den Golf, wo bereits eine weitere »Assault«-Gruppe lag. Dabei handelt es sich um sieben Schiffe mit insgesamt 2.200 Marine-Infanteristen, Kampfhubschraubern, Harrier senkrecht-startende Kampfbombern und anderem Gerät zur Erstürmung feindlicher Küsten.

Insgesamt hatte das Pentagon im Februar 2007 etwa 50 Kriegsschiffe im und um den Golf zusammengezogen. Auch britische Minensuchboote, spezialisiert auf flache Gewässer wie in der Straße von Hormus, waren mit von der Partie. Hunderte von Kampfflugzeugen standen in der Region bereit: auf den Flugzeugträgern, auf der riesigen USA-Basis in Katar, in Bahrein, auf den vier großen Luftstützpunkten im Irak, auf Diego Garcia im indischen Ozean und in Afghanistan. Sogar auf der USA-Basis Ircelik in der Türkei war Verstärkung eingetroffen.

Erpresserische Forderungen

Anfang 2012, auf dem Höhepunkt einer weiteren erpresserischen Forderung der USA, baute das Pentagon erneut eine Drohkulisse auf, diesmal noch größer, mit drei Flugzeugträger-Schlachtgruppen und entsprechenden Begleit- und Landungsschiffen für die Marine-Infanterie. Dieser Einsatz erfolgte vor dem Hintergrund eskalierender Spannungen wegen neuer Forderungen bezüglich des iranischen Atomprogramms und der iranischen Drohung, im Konfliktfall die Straße von Hormus zu sperren. Zur Untermauerung ihrer erpresserischen Forderungen positionierte die US Navy drei Flugzeugträgerkampfgruppen im nördlichen Arabischen Meer und den angrenzenden Gewässern, die »USS Abraham Lincoln«, die »USS Carl Vinson« und die »USS John C. Stennis«.

Bei dem aktuellen Einsatz seit Januar 2026 ist bisher der Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« mit Begleitschiffen im Arabischen Meer angekommen. Ein zweiter Flugzeugträger, die »USS Gerald R. Ford« wurde inzwischen in Richtung Nahost dirigiert. Die USA-Basen in der Region sind geräumt worden, weil sie leichte Ziele für iranische Raketen wären. Die aktuelle Streitkräfte-Aufstellung in der Region ist also bedeutend schwächer als 2007 und 2012, und das zu einem Zeitpunkt, da der Iran im Vergleich zu den früheren Krisenhöhepunkten, dank eigener Entwicklungen und mit Hilfe und Zukäufen aus Rußland und China ungleich stärker dasteht als zuvor.

Sollte Trump sich für einen Krieg mit dem Iran entscheiden, könnte dies eine Krise auslösen, die – statt die Islamische Republik Iran zu zerstören – nicht nur seine Präsidentschaft beenden, sondern auch ein für alle Mal einen Strich durch die strategischen Ambitionen der USA im Mittleren Osten machen könnte.