Wann kommt die Hotel- und Tourismusschule im Schloss zu Sanem?
Das Schloss in Sanem kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das Schloss wurde im Mittelalter auf den Ruinen einer römischen Festung errichtet. Die Gebäude bestanden ursprünglich aus einem Steinturm und Wohnräumen, umgeben von einem Wassergraben. Mehrere Adelsfamilien aus der Region hatten hier ihr Domizil. Im 16. Jahrhundert wurde das Schloss von der französischen Armee genutzt und im 17. Jahrhundert war die polnische Armee hier der »Hausherr«.
Vom Kinderheim zum Kulturerbe
Im Jahr 1753 erwirbt die Familie Tornaco, die 40 Jahre später die Bauern in Sanem, Differdingen und Umgebung die Bauern gegen die Französische Revolution aushetzte, das Schloss. Es sollte fast 200 Jahre im Besitz der Familie bleiben. 1950 kaufte die Gemeinde Esch/Alzette das Anwesen, und es entstand ein Waisenhaus, das von der Stiftung »Kannerschlass« verwaltet wurde. 1971 geht das Schloss in den Besitz des Staates über und wird als historisches Denkmal eingestuft.
Dann wurde es wieder still auf dem Anwesen, bis mit dem »Virtuellen Zentrum für Wissen über Europa« (CVCE), eine öffentliche Einrichtung einzog. Das CVCE wurde 2016 in die Uni eingegliedert. Der Staat unterhielt das Schloss bis 2021, allerdings ohne spezifische Nutzung. Doch so ein Schloss eignet sich nicht nur für Partys oder sonstige Events, und so wurde im September 2021 entschieden, der Hotel- und Tourismusschule (EHTL) die Räumlichkeiten anzuvertrauen.
Der beschwerliche Weg zur Bildungsstätte
Wenn solch alten Bauten lange leer stehen, hat das Folgen, weshalb nun für den Betrieb der EHTL-Zweigstelle Renovierungsarbeiten anstehen. Sanieren und modernisieren ist allerdings bei einem denkmalgeschützten Schloss nicht nur kostspielig, sondern auch langwierig.
Bauherr ist die Verwaltung für öffentliche Bauten. Die lässt sich bei diesem Projekt vom nationalen Institut für archäologische Forschung (INRA) und dem nationalen Institut für das architektonische Erbe (INPA) begleiten. Geprüft wird unter anderem, welche Auswirkung die neue Nutzung des Anwesens auf das historische Gebäude haben wird. Kurz: es muss alles Mögliche getan werden, die historische Substanz zu schützen und zu erhalten.
Bis allerdings die Analysen der Bodenuntersuchungen abgeschlossen sind, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Vorher können sich Gemeinde und Verwaltung nicht auf einen Termin für den Arbeitsbeginn festlegen. In diesem Jahr wird es wohl nichts, und die Opposition im Sanemer Gemeinderat bedauert, dass das Projekt insgeheim nicht mit dem notwendigen Ernst angegangen wird.
Das ist schade, denn eigentlich hat man sich parteiübergreifend über die Ansiedlung einer neuen Bildungsstätte in der Gemeinde gefreut. Die »Feinschmecker« träumten von einem vorzeigewürdigen kulinarischen Angebot, anderen war die kulturelle Bereicherung Grund genug, einem solchen Projekt zuzustimmen. Leider wurde den Lokalpolitikern bisher nichts Konkretes betreffend Sanierung und Umbau vorgelegt.
Übergangslösungen liegen im Trend
Es scheint den Bauherren allerdings auch nicht die Zeit davonzulaufen. Sicher, die EHTL braucht Platz, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden, aber dafür haben wir ja das »Provisorium«. Ein Provisorium übrigens, das einem Eigentümer in Steinbrücken zugutekommt. Der hat sein Privatgebäude an den Staat vermietet, wo die EHTL-Studenten auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden.
Im Neubau von »GridX« zu Wickringen sollen bereits ab dem Schuljahr 2025/26 bis zu fünf Einstiegsklassen der Hotelfachschule loslegen. Mittelfristig sollen an diesem Standort rund 250 Auszubildende Platz haben. Die Studierenden werden dann auch zwischen Wickringen und Diekirch pendeln müssen. Das wird mit dem bestehenden Angebot an öffentlichen Transportmitteln ein echtes Challenge.
Polit-Optimismus ist nicht ernst zu nehmen
Ob Bildungsminister Claude Meisch (DP), der ja nun auch lange Bürgermeister von Differdingen war und somit das Schloss in Sanem gut kennen dürfte, sich einen Termin zur Eröffnung der EHTL-Zweigstelle vorstellen kann?
In einem Interview (September 2021) hatte dieser zwar keinen genauen Zeitplan für die Fertigstellung genannt, meinte allerdings dass fünf Jahre, eventuell weniger, ausreichen sollten. Das war sehr optimistisch gedacht, wobei 2021 bereits anzudeuten, dass die Eröffnung der Zweigstelle erst nach 2035 kommen wird, kann man sich als Politiker auch nicht wirklich leisten.
Erfreulich ist bisweilen nur, dass man das Anwesen auch weiterhin wird besuchen können. Regelmäßige Überprüfungen des Gebäudezustandes finden ja auch statt, weshalb es falsch wäre zu behaupten, das Schloss liege brach. Der Zugang zum Anwesen soll auch bestehen bleiben, wenn die EHTL ihre Arbeit aufgenommen hat. Das macht Sinn, immerhin sollen die Bürger von den Kochkünsten der Schule profitieren und den angebotenen Service genießen können.

