Sanfte Mobilität mit Rechenschieber:
Erwarteten Verkehrszuwachs irgendwie bewältigen
Es geht das Spiel weiter mit dem Umverteilen des nicht erweiterbaren Straßenraums in der Stadt mit Ausnahme des Bd de Merl, der wie das Monster von Loch Ness regelmäßig auftaucht, aber nie Wirklichkeit wurde in den 70 Jahren, wo schon von ihm die Rede geht. Mit weiteren Straßenbahnlinien geht weiterer Raum für andere Verkehrsmittel verloren ohne daß dadurch mehr Wege von mehr Leuten am selben Platz erledigt werden. Trotzdem soll der Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Stadt weitergehen, und zwar mehr als von den zusätzlichen Einwohnern besetzt werden können. Das bedingt mehr Verkehr und die Rechenschieber haben den Schöffenrat dazu gebracht, 2025 müßten 51 Prozent aller Wege in Tram, Bus und Eisenbahn sowie zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden.
Dafür sind auf 17,8 km 18 Projekte bis 2035 vorgesehen, wobei da nicht nur die von uns gestern aufgezählten 975 Parkplätze verschwinden, sondern auch noch 66 Bäume, wobei nur 9 neu auf diesen Strecken gepflanzt werden. Wobei die ausschließlich in der Av. Guillaume zu finden sind als »mögliche Neupflanzung«, wo sie 6 zu entfernende Bäume ersetzen könnten. Neben der Tram ist nun also auch das Fahrrad ein Grund, Bäume zu fällen. Großartig!
Das ist umso absurder, weil in den Graphiken immer wieder mehr Platz für Grün versprochen wird durch den Wegfall von Parkplätzen, was allen beim ersten Blick auffällt. Doch in den Details, die von den wenigsten genau angesehen werden, kommt dann eine dem widersprechende Wirklichkeit heraus!
In den Jahren 2026 und 2027 sind folgende 8 Strecken zur Fertigstellung vorgesehen: Bd. F. D. Roosevelt & Av. Marie-Thérèse, Bd. Marcel Cahen, Rue de Merl, Allée P. de Mansfeld, Bd. de Verdun, Bd. Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte, Rue de Trèves & Rue Cents, Av. J.-P. Pescatore.
2028 und 2029 folgen dann Bd. Pierre Dupong (kombinierbar mit einem SERCO-Projekt) sowie Rue de Cessange und Rue Tubis (im Zusammenhang mit der Tram durch die Route d’Esch).
Ab 2030 geht es an die Verwirklichung folgender Projekte: Av. du Dix Septembre (kombinierbar mit einem SERCO-Projekt), Rue Maurice Barrès (im Zusammenhang mit der Tram durch die Route d’Esch), Av. Guillaume (im Zusammenhang mit der Tram durch die Route d’Esch), Rue des Aubépines (im Zusammenhang mit der Tram durch die Route d’Arlon). Der Tram soll also Platz freigeschaufelt werden durch die Verlegung andernorts von anderen Verkehrsmitteln.
Ab 2030 sollen dann 6 weitere Projekte neu analysiert werden, weil da sogar Probleme zugegeben werden:
* Av. de la Liberté soll als gesamtes Konzept des Quartier Gare zusammen mit der Av. de la Gare neu untersucht werden.
* Rue de Clausen & Rue de Neudorf, wo die Anwohner keine alternativen Straßen haben, wo sie parken können. Somit soll nach Fertigstellung der Brücke vom Cents zum Weimershof erneut untersucht werden, ob sich ein Bedarf ergibt.
* Rue de Rollingergrund sei keine Priorität solange das Projekt PAP Faïencerie nicht fertiggestellt wurde, an die dieses Projekt anschließen soll.
* Route de Longwy sei keine Priorität, da es nur eine alternative Achse zur Hauptroute darstelle, und keine Hauptverbindungsfunktion erfülle.
* Im Val Ste Croix müsse die Installation eines Modalfilters als eine großräumige Analyse durchgeführt werden.
* In der Rue des Trévires müsse die Installation eines Modalfilters als eine großräumige Analyse durchgeführt werden. Das kann nur zu einer weiteren Belastung des Bd. de la Fraternité führen, denn die Rocade de Bonnevoie auf der anderen Seite ist bereits überlastet zur Spitzenzeit.
Beim Ganzen haben wir die übliche Vorgangsweise, bei der Studienbüros einen Auftrag kriegen, den erfüllen und danach die Anrainer nicht das große Ganze diskutieren dürfen, sondern nur, ob etwa eine Bank wohin kommen kann und welche Farbe die haben soll. Sonst könnten ja welche kommen mit Ideen zur Erweiterung der Verkehrsfläche unterirdisch oder in der Luft mit Seilbahnen aller Art, was der Luxemburger Politkaste aber extrem mißfällt.
So wird halt der Verkehr immer weiter mehr und es wird herumgespielt mit der Umverteilung des vorhandenen Straßenraums, ohne zu einer wirklichen Lösung zu kommen!

