Luxemburg20. Dezember 2025

Armee greift nach jungen »EU-Bürgern«

Kanonenfutter verzweifelt gesucht: Gesetzentwurf der Regierung sieht vor, Rekrutierungsregeln der Armee deutlich aufzuweichen

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Nach mehreren ziemlich erfolglosen Werbefeldzügen zur Rekrutierung von »schätzungsweise 650« neuen Zeit- und Berufssoldaten für die Armee plant die Regierung aus CSV und DP nun, die Rekrutierungsregeln noch einmal deutlich aufzuweichen und die Besoldung sowohl für Zeit- als auch für Berufssoldaten zu erhöhen. Ein von Ressortchefin Yuriko Backes in Form eines Gesetzesprojekts vorgeschlagenes und vom Regierungsrat bereits an diesem Mittwoch abgenicktes »Maßnahmenpaket zur Erhöhung der Attraktivität und Bindungsfähigkeit« der Armee sieht außerdem vor, die »Karrierechancen von Zivilmitarbeitern« in der Armee zu verbessern und die Zulassungsvoraussetzungen für Offiziersärzte zu lockern.

Als Luxemburg als Gründungsmitglied der NATO seine Neutralität 1949 aufgab, mußte es sich auch eine Armee zulegen. Die wurde mit der Abschaffung der Wehrpflicht 1967 auf eine Freiwilligenarmee aus Zeit- und Berufssoldaten umgestellt. Doch spätestens als der Kalte Krieg der NATO gegen die Sowjetunion Anfang der 80er Jahre in einen heißen – und wahrscheinlich mit Atomwaffen geführten – Krieg umzuschlagen drohte, hatte die Armee mit sich in den Folgejahren weiter verschärfenden Rekrutierungsproblemen zu kämpfen. Als gar nichts mehr half, wurde im Dezember 2002 – übrigens ebenfalls von einer Koalition aus CSV und DP – eine Gesetzesänderung durchgedrückt, um es der Armee zu ermöglichen, nun auch junge Menschen aus anderen EU- (bzw. damals noch EG-) Staaten zu rekrutieren.

Von den 2002 gelockerten Rekrutierungsregeln sollen nun mehrere weiter aufgeweicht oder ganz geschleift werden. Zwar dürfen Bewerber für den Kriegsdienst in Luxemburg (am Tag ihrer Einberufung) nach wie vor nicht älter als 26 Jahre sein, auch dürfen sie nicht chronisch krank oder körperlich beeinträchtigt sein, doch die Vorgabe, daß der Bewerber oder die Bewerberin seit mindestens drei Jahren im Land gelebt haben muß, soll aufgegeben werden. Kommt es so, könnte die Armee auf der von NATO und EU befohlenen Suche nach mord- wie sterbebereitem Personal, das derzeit nur in ungenügender und teils unbrauchbarer Form zur Verfügung steht, erstmals auf sämtliche junge »EU-Bürger« zugreifen – und vom wachsenden ökonomischen Druck profitieren, dem sich immer mehr junge Menschen in der EU ausgesetzt sehen.

Schon heute machen Ausländer aus anderen Mitgliedstaaten der EU mehr als ein Viertel aller luxemburgischen Soldaten aus. Um diesen Anteil weiter erhöhen zu können, planen Ministerin Backes und die Regierung, die Bedingung, daß jeder Soldat und jede Soldatin der Luxemburger Armee die drei Verwaltungssprachen des Landes »in angemessener Weise beherrschen« muß, zu lockern. Künftig soll es genügen, neben Deutsch oder (!) Französisch einigermaßen Luxemburgisch zu sprechen und zu verstehen. Einem frankophonen Soldaten würde also der unbeliebte Deutsch-, einem deutschsprachigen der nicht weniger unbeliebte Französischunterricht erspart. Von sämtlichen Armeefreiwilligen, ob Luxemburger oder EU-Ausländer, soll künftig verlangt werden, daß sie für Auslandseinsätze zum Beispiel an der »Ostflanke« der NATO zur Verfügung stehen. Und zwar mindestens für fünf statt bislang vier Jahre.