Israel errichtet Seesperre zum Gazastreifen
Palästinenser bei israelischem Beschuß getötet
Tel Aviv/Gaza – Israel will auch im Meer eine Sperranlage zum Gazastreifen bauen. Kriegsminister Avigdor Lieberman teilte am Sonntag mit, der Bau eines »weltweit einzigartigen Hindernisses« habe begonnen. Die Bauarbeiten hätten am Zikim-Strand am Rande des Gazastreifens begonnen.
Nach Angaben seines Büros handelt es sich um eine Art Wellenbrecher, der bis Jahresende fertiggebaut sein soll. Die Anlage solle undurchdringbar sein und aus drei Stufen bestehen. Ein Teil liege unter der Wasseroberfläche. Die Sperre bestehe aus Stein und Zäunen.
Die Veranstalter von Protesten im Gazastreifen, die am 30. März begonnen hatten, kündigten am Sonntag eine Aktion auf See an. Am Dienstag solle von Gaza aus ein Schiff in See stechen, um die Blockade des Palästinensergebiets zu brechen. Gaza sei heute »das größte Gefängnis der Welt« . Die Aktion erfolge acht Jahre nach der Erstürmung des Gaza-Solidaritätsschiffs »Mavi Marmara« durch die israelische Marine. Dabei wurden zehn türkische Staatsbürger getötet.
Bei einem israelischen Angriff im südlichen Gazastreifen sind am Sonntag drei Palästinenser getötet worden. Ein Sprecher des örtlichen Gesundheitsministeriums teilte mit, ein Gebiet in der Nähe von Chan Junis sei beschossen worden. Der bewaffnete Flügel der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad teilte mit, die getöteten Männer seien seine Mitglieder gewesen.
Ziel des Angriffs war nach Angaben der israelischen Armee ein militärischer Aussichtsposten. Es habe sich um »eine Reaktion« auf die Explosion eines von Palästinensern gelegten Sprengsatzes an der Grenze gehandelt. Dabei war allerdings niemand verletzt worden.
Die israelische Luftwaffe hatte bereits in der Nacht Stellungen der Hamas im südlichen Gazastreifen angegriffen. Ein Armeesprecher behauptete zur Rechtfertigung, man habe damit auf »das Vordringen mehrerer Palästinenser auf israelisches Gebiet« reagiert. Vier Männer sollen den Grenzzaun durchschnitten und angeblich versucht haben, »Infrastruktur des Militärs zu beschädigen« .
Die Spannungen an der Grenze sind seit dem 30. März stark gestiegen. An diesem Tag begannen die Palästinenser Proteste, bekannt unter dem Namen »Marsch der Rückkehr« . Sie fordern ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet. Die Palästinenser haben dabei am 15. Mai auch an die Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 erinnert.
Auf die Proteste reagiert Israel mit brutaler Härte. Mittlerweile wurden mehr als 120 Palästinenser dabei getötet und mehr als 13 000 verletzt. (dpa/ZLV)
Israelische Scharfschützen bezogen auch am Samstag erneut Position an der Grenze zu Gaza (Foto : EPA-EFE)

