Leitartikel11. März 2026

Schüler gegen den Kriegsdienst

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Die jungen Menschen in der EU stehen vor einer fundamentalen Herausforderung, die weit über das hinausgeht, was die Generationen vor ihnen erleben mußten. Eine Kluft tut sich auf: Zwischen den existentiellen Sorgen der Jugend um ihre Zukunft und den nationalen Forderungen der Politik nach ihrer Loyalität und Einsatzbereitschaft. Diese Diskrepanz führt zu wachsender Frustration und Entfremdung, die sich zum Beispiel aktuell zum wiederholten Male in deutschlandweiten Schülerprotesten gegen die neue deutsche Wehrpflicht entlädt. Auch wenn die Jugend in Luxemburg vor einem solchen Pflichtdienst noch verhältnismäßig sicher ist, sind es die gleichen alltäglichen Sorgen und Probleme, mit denen auch sie im Stich gelassen werden.

Klimakatastrophe und Umweltzerstörung sind die Sorgen der Jugend. Sie erben diesen Planeten von denen, die Politik für die eigenen Taschen und die Renditen ihrer Spezis machen und die drohendste Zukunftsangst vernachlässigen. Diese werden es schließlich nicht mehr erleben müssen und die kurzfristigen Profite locken allzu sehr. Dazu paßt, daß weder hierzulande, noch in Deutschland die junge Generation in irgendeiner Weise in die Rentendiskussion eingebunden ist. Allein auszubaden hat sie es mit Arbeitszeitverlängerungen und Rentenklau, gleichzeitig explodieren Mieten und Lebenshaltungskosten. Die Gründung eines eigenen Haushalts oder einer jungen Familie ist schier unbezahlbar. Länger arbeiten gehen für weniger und gleichzeitig aufgefordert werden, für dieses Land, das sich keinen Meter für ihre Sorgen interessiert, patriotisch den Kopf hinzuhalten. Obschon der technologische Fortschritt in neue Sphären vorstößt, kommt er nicht im Arbeitsleben an: 40 Stundenwochen oder mehr, fast 70 Arbeitsjahre, oft in prekären Mindestlohnverhältnissen ohne die Möglichkeit, etwas zu sparen. So sieht die Realität aus, während KI und Robotik lediglich helfen, Profite zu steigern und die Arbeitenden sowie generell die Bevölkerung zu überwachen

Nicht erst seit gestern offenbart sich, daß die Jugend unserer Zeit mit immer größeren psychischen Belastungen zu kämpfen hat und allein gelassen wird. Da hinein treiben die Herrschenden nun den Keil der Wehrpflicht, der geforderten Loyalität zum Vaterland und die Bereitschaft zum Dienst an der Waffe. Dabei dürfte der junge Mensch, der unserer Jugend auf dem Schlachtfeld gegenübersteht, die gleichen Sorgen und Probleme haben. Diese beiden, die sich gegenseitig töten sollen, während die Sprößlinge der Entscheider sicherlich nicht neben ihnen kämpfen müssen, haben mehr gemeinsam als mit ihren jeweiligen Regierungen.

Die Jugendlichen empfinden diese massiven Probleme als ihre alleinige Last. Sie sehen, wie die Politik Milliarden mobilisiert, wenn es um Großprojekte oder kurzfristige Krisen geht, aber chronisch unfähig ist, ihre drängendsten, alltäglichen Sorgen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung prioritär zu behandeln. Sie sind politisch zunehmend entfremdet und erleben die Demokratie als schwerfällig und nicht auf ihre Anliegen fokussiert. Schon einmal, während der Pandemie, hat die Jugend solidarisch zurückgesteckt, ohne dafür Dank erhalten zu haben.

Genau in dieser Phase der existenziellen Unsicherheit verschiebt die Politik ihre Prioritäten massiv zugunsten der Rüstung und Mobilmachung. Hier manifestiert sich der zentrale Widerspruch. Fast alle EU-Länder, darunter auch Luxemburg, erhöhen ihre Verteidigungsausgaben drastisch, um das NATO-Ziel zu erreichen. Dies bindet immense Finanzmittel, die aus Sicht der Jugend dringend im Sozial-, Bildungs- oder Klimabereich benötigt würden.

Einer Generation, die mit ihren grundlegendsten Bedürfnissen nach Sicherheit der Wohnung, der Gesundheit und des Klimas im Stich gelassen wird, soll nun primär die Pflicht zum militärischen Einsatz auferlegt werden. Die Forderung nach nationaler Solidarität wirkt hohl, wenn der Staat nicht bereit ist, dieselbe Solidarität mit den existenziellen Sorgen seiner Jugend zu zeigen.