Drei Werke von Egon Schiele in USA-Museen beschlagnahmt
In den USA haben die Strafverfolgungsbehörden in bekannten Museen drei mutmaßlich von den Nazis geraubte Kunstwerke konfisziert. Die Bilder würden seit Jahren von den Erben des jüdischen Kunstsammlers Fritz Grünbaum gesucht, der von den Hitlerfaschisten ermordet wurde, teilten die Behörden mit. Sie bestätigten damit einen Bericht der »New York Times«.
Demnach beschlagnahmten New Yorker Ermittler die drei Werke des österreichischen Expressionisten Egon Schiele im Art Institute in Chicago, den Carnegie Museums in Pittsburgh und dem Allen Memorial Art Museum am Oberlin College in Ohio. In den Durchsuchungsbefehlen teilt der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates New York mit, es gebe »begründeten Anlaß zur Annahme«, daß es sich bei den Werken um gestohlenes Eigentum handle.
Bei den beschlagnahmten Werken handelt es sich um Schieles Bleistiftaquarell »Russischer Kriegsgefangener« aus dem Jahr 1916 mit einem geschätzten Wert von 1,25 Millionen US-Dollar (umgerechnet fast 1,2 Millionen Euro), die Bleistiftzeichnung »Porträt eines Mannes« von 1917 im geschätzten Wert von einer Million US-Dollar sowie die Aquarellzeichnung »Mädchen mit schwarzem Haar« aus dem Jahr 1911 mit einem Schätzwert von 1,5 Millionen US-Dollar.
Das Oberlin College teilte mit, es kooperiere mit der Staatsanwaltschaft von Manhattan, sei aber »überzeugt«, daß es das »Mädchen mit den schwarzen Haaren« im Jahr 1958 »rechtmäßig erworben« habe und das Bild »rechtmäßig« besitze. Laut dem Bericht der »New York Times« laufen derzeit Ermittlungen zu rund einem Dutzend Schiele-Werken, die mutmaßlich von den Nazis geraubt worden waren.
Der jüdische österreichische Kunstsammler und Kabarettist Fritz Grünbaum starb 1941 im KZ Dachau. Seine Erben bemühen sich seit Jahren vor Gericht um die Rückgabe von Bildern aus seiner einstigen Sammlung. 2018 sprach ihnen ein USA-Gericht zwei Bilder zu, nachdem der damalige Präsident Barack Obama den »Holocaust Expropriated Art Recovery Act« unterzeichnet hatte, ein Gesetz zur Wiedererlangung geraubter Kunst.
In Deutschland wurde 2003 die beratende Kommission NS-Raubgut ins Leben gerufen. Sie berät in besonders komplexen Raubkunstfällen, ihre Empfehlungen sind jedoch nicht bindend. Statistiken zufolge sind weltweit etwa 100.000 von schätzungsweise 650.000 von den Nazis geraubten Kunstwerken noch immer nicht zurückgegeben worden. Zuletzt forderte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ein deutsches Restitutionsgesetz für NS-Raubkunst.

