Róisín Murphy surft durch surreale Träume
Irgendwie ist Róisín Murphy ein Gesamtkunstwerk. Die irische Sängerin wurde einst mit ihrer Band Moloko (»Sing It Back«, »The Time Is Now«) bekannt und macht seit Längerem alleine Musik. Anfang September erscheint ihr neues Album »Hit Parade«. Und das Cover sieht einigermaßen verstörend aus – als hätte man ein Gesicht in einen aufblasbaren Kegel gequetscht.
Die 50-Jährige, die in der irischen Stadt Arklow und im englischen Manchester aufgewachsen ist, wirkt selbstbewußt und lässig. Ihren Vornamen spricht man übrigens »Roischin« aus und manche bewundern ihren exzentrischen Kleidungsstil.
Das neue Album klingt nach einer durchtanzten Nacht. Wenn einem die Füße langsam wehtun, aber man nicht aufhören will. Manches erinnert noch an Moloko und die 90er Jahre, ihre Stimme ohnehin. Viel Neues ist hinzugekommen. Das Album ist mit dem deutschen Musiker und Elektroproduzenten DJ Koze entstanden.
»Wir arbeiteten aus der Ferne, in verschiedenen Ländern, und schickten uns mehrere Jahre lang Tracks und Ideen hin und her«, berichtet Murphy im Presseheft. »Das Studio war imaginär, im Luftraum zwischen Hamburg und London.«
In einem Video auf ihrer YouTube-Seite beantwortete sie neulich Fragen auf Ibiza. Und sprach auch über ihr neues Album. Die Stücke seien durch Künstliche Intelligenz entstanden, und sie hätten sie selbst in die Bilder hineinmontiert, sagte Murphy. Es habe sich angefühlt, als sei sie durch die surrealen Träume anderer gesurft.
Vielleicht surft man mit Murphys Musik auch durch ihre surrealen Träume. Das lohnt sich jedenfalls. Mit dem neuen Album schafft sie es, vergangene und neue Zeiten zu verbinden. »Hit Parade« könnte damit zu den besten Alben von Róisín Murphy gehören. Und ist auch eine irgendwie dahingehauchte, kunstvoll komponierte Auseinandersetzung mit dem Leben und der Vergänglichkeit.

