Luxemburg08. September 2026

Wasserstoff-Illusionen gefeiert

Am 28. August versammelte sich eine illustre Politikerrunde im Ortsteil Oberlimberg der saarländischen Gemeinde Wallerfangen, um Bilder mit Schaufel in der Hand und weißem Helm auf dem Kopf in einer völlig gefahrlosen Umgebung im Wald bei einem kurzen Stück Rohr zu schießen, und in einem Saal anschließend wertfreie Reden zu schwingen über einen angeblich erreichten »Meilenstein«. Dies nachdem die beiden ebenfalls ehedem großartig angekündigten Projekte für Großelektrolyseure im Saarland ersatzlos eingestampft wurden wegen nachgewiesener Unwirtschaftlichkeit.

Zum symbolischen Spatenstich hatte die Creos Deutschland GmbH geladen, gekommen waren mit vorbereiteten Wortspenden Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes, Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär bei der BRD-Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Lex Delles, Minister für Wirtschaft, KMU, Energie und Tourismus des kleinen Großherzogtums, François Werner, Vizepräsident der Großregion, Claude Seywert, CEO der Encevo S.A., sowie Frank Gawantka, Geschäftsführer der Creos Deutschland GmbH mit Sitz in Homburg.

Der gefeierte Meilenstein trägt den Namen »mosaHYc« und besteht aus einem 17 km langen Rohr von der französischen Grenze bei Leidingen bis nach Dillingen. Auf französischer Seite sollen bis Bouzonville rund 20 km bestehende Leitungen umgestellt und 5 km Leitung neu gebaut werden. Hoffentlich ist allen dort bekannt, daß das Wasserstoffatom H2 das allerkleinste ist und daher durch klassischen Stahl diffundiert, weshalb die Hoffnung auf Umnutzung von Gas-Pipelines gestorben ist. Zwar wurde mittlerweile in einem spezialisierten Laboratorium unter Mitarbeit chinesischer Wissenschaftler eine spezielle Legierung entwickelt, die H2 nicht porös werden läßt, aber ob diese verwendet wird und ob das Diffundierungsproblem Creos Deutschland GmbH bekannt ist, war keiner der Reden zu entnehmen.

Um die Finanzen von Creos Deutschland und in der Folge von Encevo brauchen wir uns trotzdem keine Sorgen zu machen, denn die 17 km, für die das Planfeststellungsverfahren in Deutschland im Juli rechtskräftig abgeschlossen wurde, werden vom Steuerzahler bezahlt: Das ist als »Important Project of Common European Interest« (IPCEI) von der EU eingestuft und wird auch von staatlicher deutscher Seite und dem Saarland gefördert.

Im August 2026 fuhren die Bagger auf, um damit zu beginnen das Loch zu graben, in die anschließend die Rohre verlegt werden. Die Bauzeit beträgt nach der aktuellen Projektplanung ca. eineinhalb Jahre, wonach die Rohre unter Erde begraben sind. Wenn dann H2 irgendwann diffundiert, merkt man nicht sofort, wo das stattfindet.

Die 17 km auf deutscher Seite und der 25 km lange Anschluß an eine bestehende Leitung in Frankreich soll Teil einer entstehenden europäischen Wasserstoffinfrastruktur sein, einstweilen für den Transport zu industriellen Großverbrauchern. Die EU subventioniert dafür geplante Leitungen von Norddeutschland mit Nebenarmen über Belgien und Luxemburg bis nach Spanien, aber es ist völlig ungewiß, woher der grüne Wasserstoff herkommen soll, der damit transportiert werden soll. Und »grün«, also aus Wasser in der Elektrolyse mit »grünem« Strom, hergestellt mit Wasser, Wind und Photovoltaik, muß er sein, um den heute genutzten und wesentlich günstigeren Wasserstoff aus der Gasreformation in der Industrie zu ersetzen.

Auch wenn zumindest Claude Seywert, CEO Encevo S.A., in seiner Rede davon sprach, auch der Schwerlastverkehr ließe sich nicht direkt elektrifizieren wie etliche Prozesse in der Industrie, so taten doch alle als sei das Problem der Anlieferung von grünem Wasserstoff nun gelöst. Das ist aber keineswegs der Fall.

Denn dafür bräuchte es Elektrolyseure im Terawattbereich, während bisher nirgendwo etwas über einstellige Megawatt-Installationen hinausging. Die gab es auch nur mit nahezu vollständiger öffentlicher Subventions-Finanzierung. Wo die Subvention nicht fortgeführt wurde, kam es zum Rückbau der vorher mit Subventionen geschaffenen Infrastrukturen. So gibt es in Österreich keine einzige Wasserstofftankstelle mehr und in Deutschland wird das gute Netz, das vor 20 Jahren entstand, stark ausgedünnt. Es ist halt einfach unwirtschaftlich, eine Infrastruktur vorzuhalten, die im Monat vielleicht 5 kg H2 verkauft, wobei die Verkaufspreise inzwischen dreimal so hoch sind wie am Anfang, wo sie konkurrenzfähig gegenüber dem Diesel waren.

Auch sind alle tollen Pläne, in der Sahara oder in Lateinamerika massenweise günstigen grünen Wasserstoff zu erzeugen für die EU an Kapitalmangel gescheitert. In der EU gab es nur Ideen, aber weder öffentliches noch privates Kapital für die Verwirklichung. Die Länder, die in den Elfenbeintürmen der EU-Bürokratie für Projekte ausgeguckt worden sind, waren aber ihrerseits nicht bereit, die Infrastrukturen aus eigenem zu finanzieren und das aus der H2-Lieferung in die EU zu rentabilisieren, wohl weil sie nicht an eine profitable Rentabilisierung glaubten. Das Problem aber besteht auch in der EU, weswegen zum Beispiel die beiden saarländischen Elektrolyseure nicht gebaut werden und Tyssen-Krupp aus dem Projekt des grünen Stahls ausgestiegen ist.

Es hat sich nämlich herausgestellt, daß grüner Wasserstoff zu teuer wird, weil grüner Strom nicht günstig genug ist und nicht rund um die Uhr verfügbar ist. Elektrolyseure, die auch nicht billig sind, weil sie noch immer nicht in Serie hergestellt werden, sind aber total unwirtschaftlich, wenn sie nur stundenweise laufen!