Luxemburg05. Juni 2026

Eine Region im Wandel

Die »Minett« mit starker Identität und klaren Erwartungen

von Patrick Kleeblatt

Eine aktuelle repräsentative Umfrage unter 837 Einwohnern der elf Gemeinden der Minett-Region offenbart ein positives Bild einer lebendigen Region, die ihre Bewohner fest an sich bindet. Die Studie, durchgeführt im Rahmen der neuen territorialen Kooperationsvereinbarung zwischen dem Staat und dem Syndikat PRO-SUD, zeigt, daß 79 Prozent der Befragten ihre Lebensqualität in der Minett mit einer Note zwischen sieben und zehn bewerten – 23 Prozent davon sogar mit den Bestnoten neun oder zehn. Besonders bemerkenswert ist die tiefe Verwurzelung. So leben 86 Prozent der Teilnehmer seit mehr als zehn Jahren in der Region oder sind dort aufgewachsen.

Doch während die Zufriedenheit mit dem eigenen Lebensumfeld hoch ist, gibt es bei der Außenwahrnehmung noch Luft nach oben: Nur 46 Prozent glauben, dass die Minett auch bei Menschen außerhalb der Region positiv wahrgenommen wird. Hier sieht Christian Weis, Präsident von PRO-SUD, Handlungsbedarf: »Die Umfrage bestätigt die starke Verbundenheit der Bewohner mit der Minett. Gleichzeitig zeigt sie, dass die Erwartungen sehr konkret sind: Umwelt, bezahlbarer Wohnraum, Mobilität und Bürgerinformation stehen ganz oben auf der Agenda.«

Umwelt, Wohnen und Mobilität als zentrale Themen

Die Umfrage macht deutlich, dass die Bewohner der Minett besonders Umwelt- und Klimafragen bewegen. So halten 84 Prozent die Schaffung von Grünflächen in Städten und Gemeinden für (sehr) prioritär. Auch die Anpassung an den Klimawandel, zum Beispiel durch die Renaturierung von Gewässern oder die Revitalisierung alter Industriebrachen wird als dringend erachtet. Die Minett UNESCO Biosphäre genießt zwar mit 36 Prozent Bekanntheit eine gewisse Sichtbarkeit, doch ihr Potential, das Image der Region zu stärken, wird mit einer Durchschnittsnote von 6,7 von zehn bewertet – ein klares Zeichen für unausgeschöpfte Chancen.

Ein weiteres Schlüsselthema ist der Wohnraum: Obwohl 69 Prozent der Befragten mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden sind, wünschen sich 83 Prozent mehr bezahlbare und zeitgemäße Wohnungen. Die Nutzung leerstehender Gebäude und die Belebung der Innenstädte werden ebenfalls als wichtig erachtet.

Mobilität: Auto dominiert, Intermodalität gewünscht

Trotz eines gut ausgebauten öffentlichen Transports, den 61 Prozent als gut oder sehr gut bewerten, bleibt das Auto mit 69 Prozent das meistgenutzte Verkehrsmittel in der Region. Doch die Erwartungen gehen in Richtung Vernetzung: 72 Prozent der luxemburgischen und sogar 80 Prozent der nichtluxemburgischen Bewohner wünschen sich eine bessere Verknüpfung von Bus, Bahn, Fahrrad und Fußwegen. Auch die Reduzierung des Durchgangsverkehrs (66 Prozent) und der Ausbau von Carsharing-Angeboten (49 Prozent) stehen hoch im Kurs.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 41 Prozent der Bewohner möchten aktiver in regionale Projekte einbezogen werden. Bevorzugte Formate sind Umfragen über das Internet (47 Prozent) und Newsletter (38 Prozent), während klassische Versammlungen weniger gefragt sind. Christian Weis betont, dass die Ergebnisse eine wertvolle Grundlage für die gemeinsame Strategie der elf Gemeinden bieten – eine Strategie, die Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Bürgerbeteiligung in den Mittelpunkt stellen will.