Luxemburg13. Januar 2022

Mit dem Bau von 50.000 öffentlichen Wohnungen gegen die Spekulation vorgehen

von Mars Eusani

Die Immobilien, die nach 2005 erworben wurden, wurden entsprechend der Einschätzung der Luxemburger Zentralbank zu einem »leicht überhöhten Preis« gekauft. Die Immobilienpreise stiegen seit dem Jahr 2000 um 24 Prozent, einige haben sich sogar verdoppelt. Da halten viele Einkommen natürlich nicht mehr mit. Teurer werdende Immobilien kann man nur kaufen, wenn auch die Gehälter mitspielen, diese sind aber seit über 40 Jahren im Hintertreffen. 50.000 stark überteuerte Wohnungen wurden seither Luxemburger Familien untergejubelt.

Die von Minister Kox angekündigte Reform sieht vor, auf Anfrage Mietsubventionen und Zuschüsse zu gewähren, allerdings bleibt abzuwarten wie viele dann tatsächlich gewährt und wie viele abgelehnt werden.

Laut der Europäischen Zentralbank sind 40 Prozent der Luxemburger Haushalte überschuldet. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie Immobilien gekauft haben, die zu teuer für ihre Einkommensverhältnisse sind und haben diesen Ankauf mit unter anderem überhöhtem Eigenkapital und dank billiger Zinssätze auf dem geliehenen Geld möglich gemacht.

Ein neuer Konjunkturzyklus verspricht nichts Gutes, und die Inflation hat in diesem Monat 5 Prozent angepeilt. Das heißt, dass demnächst die Zinsen im Euroraum anziehen werden. Bei 5% Zinssatz, verdoppelt sich das geliehene Kapital in 14,4 Jahren, und viele überschuldete Luxemburger Familien werden bluten müssen.

In einem Land, in welchem viele Luxemburger gewohnt waren, in bezahlbaren Wohnungen zu leben, weil diese von Gemeinden, der CFL, der HADIR/ARBED und vom Luxemburger Staat gebaut wurden, hat das Folgen. Die Luxemburger Banken hielten diese Immobilienkredite 30 Jahre in ihren Bilanzen, und waren bedacht, dass die Kredite von ihren traditionellen Luxemburger Kunden auch bedient wurden.

Heute verkaufen die Luxemburger Banken die Kredite nach deren Abschluss sofort an Hedgefonds weiter, so dass sie fast keine Kredite mehr in ihren Büchern haben, die sie gegen konstruierte AAA-Anleihepapiere eingetauscht haben. Diese werden dann sofort an die EZB weitergegeben, und mit dem frischen Geld wird die Immobilienblase weiter aufgebläht.

Die wenigen noch übriggebliebenen Sozialwohnungen stellen zur Zeit weniger als 2 Prozent des gesamten Wohnungsparks in Luxemburg – sozialer Wohnungsbau ist zum politischen Alibi abgewertet worden – im Gegensatz etwa zu Wien (41% Sozialwohnungen) oder vielen skandinavischen Städten.

Im Kapitalismus ist das Wohnen eine Ware. Wenn man weiß, dass fast 20 Prozent der ansässigen Bevölkerung armutsgefährdet sind, knapp 60   Prozent der Familien überschuldet sind und 20 Prozent mit der Zahlung ihrer Kreditraten in Verzug sind, weiß man, dass sich ein Kreditunwetter zusammenbraut, wenn für die Darlehen, mit denen Wohnungen gekauft wurden, die Zinsen steigen.

Viele Familien geben bis zu 50 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Die wenigsten haben Festzinsdarlehen oder gemischte Zinsdarlehen. Hinzu kommt die Belastung durch gestiegene Energiepreise.

Plusenergie-Immobilien und Fertigbau

Mehr als alles andere drängt sich der Bau von 50.000 Sozialwohnungen – Plusenergieimmobilien – auf, die in öffentlich-rechtlicher Hand bleiben müssen.

Da die Produktivität der Baubranche klein ist, können diese Häuser nur gebaut werden, wenn öffentlich-rechtliche Baugesellschaften geschaffen, genügend Bauarbeiter angestellt werden und auf Fertigbauteile zurückgegriffen wird.

Alles andere fördert weiter die Immobilienspekulation, mit Hilfe derer Immobilienhaie, Immobilienmakler, Immobilienberater, Immobilienentwickler, Baufirmen, Ingenieur- und Architektenbüros, Banken, Immobilienfonds und Hedgefonds verdienen.

Soll so die Zukunft aussehen?