Außerhalb jeglicher Vernunft
Meldungen über das Auftauchen einer Drohne auf dem Leipziger Flughafen überschwemmen alle möglichen Nachrichtensendungen, TV-Magazine und Zeitungsseiten – verbunden mit unbestätigten Details, Vermutungen, Vorwürfen und zahlreichen Vorschlägen für »Gegenmaßnahmen«, die sämtlichst außerhalb jeglicher Vernunft angesiedelt sind.
Es gibt so gut wie keine Fakten, lediglich »Berichte« und »Auswertungen« von »Experten«, die wir einfach nur glauben sollen. Offenbar gab es eine Drohne, und offenbar wurde sie dort entdeckt, wo ein ukrainisches Logistik-Unternehmen einen großen Teil des Nachschubs an Waffen und Sonstigem in die Ukraine konzentriert hat. Das bot eine tolle Gelegenheit, die Kriegsparole am Bug einer der Transportmaschinen in alle Welt zu verbreiten.
Entdeckt worden sei die Drohne von einem Busfahrer, der sie einfach mit dem Fuß wegkickte und zu Fall brachte, wird berichtet. Später hieß es, die Drohne sei voller Sprengstoff gewesen, der aus irgendwelchen Gründen jedoch nicht explodierte. Nichts von alledem ist bewiesen, aber es wird eine deutliche Spur in Richtung Moskau »vermutet«. Das wird dann von Medien der USA behauptet, aufgrund von »Informationen aus gewöhnlich gut informierten Kreisen«.
Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten. Könnte nicht ein Drohnenpilot aus der Umgebung sein Fluggerät einfach mal zum Test auf das Gelände gesteuert haben? Könnte eine private Drohne außer Kontrolle geraten sein? Aber warum fragt eigentlich niemand in Kiew nach? Dort kann man nicht oft genug damit prahlen, die weltbesten Fähigkeiten und Fertigkeiten beim militärischen Drohneneinsatz entwickelt zu haben und diese Expertise gegen gutes Geld oder Waffen ausländischen Regierungen feilbieten zu können.
Jeder Polizeischüler lernt im ersten Semester, daß man im Falle eines Verbrechens immer die Frage stellen sollte, wem es nützt. Welchen Nutzen sollte Rußland haben? Ist es nicht so, daß dieser Vorfall vor allem denjenigen nützt, die immer mehr Aufrüstung und immer mehr Überwachung fordern?
Es gäbe eine Menge Vorschläge, deren so ziemlich dümmster vielleicht sein könnte, einfach mehr Busfahrer einzustellen… Im Ernst: Nichts und niemand ist in der Lage, Drohnen ganz sicher daran zu hindern, in ein Gebiet einzufliegen, in das sie nicht einfliegen sollen – schon gar nicht im Fall eines massenhaften Eindringens. Da hilft kein Verbot, da helfen auch keine noch so ausgeklügelten technischen oder gar militärischen Maßnahmen.
Eine echte Möglichkeit, tatsächliche oder vermutete Gefahren abzuwenden, besteht im Abbauen von Konflikten durch konstruktive Gespräche. Im Oktober 1962 hat es bei der sogenannten »Kuba-Krise« funktioniert, als man nach Verhandlungen stationierte Raketen abbaute und einen von den USA angedrohten Krieg abwenden konnte.
Heute stehen die Zeichen eher auf Verschärfung der Konfrontation, auf Krieg gegen Rußland mit allen verfügbaren Mitteln. Es ist ganz sicher kein Zufall, daß bei einer Pressekonferenz in Belgrad der Korrespondent der renommierten »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« dem ukrainischen Präsidenten folgende Frage stellte: »Können Sie uns Europäern sagen, was wir konkret tun können, um Ihnen, Ihren Soldaten zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten?« DAS ist außerhalb jeglicher Vernunft!

