Algorithmen am Schalter?
Unter dem Label »AI4LUX« bläst die Regierung zum digitalen Aufbruch. Künstliche Intelligenz (KI) soll nicht länger nur ein Schlagwort für Tech-Konzerne sein, sondern hierzulande auch zum Motor der staatlichen Verwaltung werden. Daß dieser Weg kein Alleingang der Politik sein würde, hatte Premierminister Luc Frieden mit dem jüngsten »KI-Dësch« zeigen wollen. Doch während die Vision einer effizienten, automatisierten Verwaltung verlockend klingt, stellt sich die entscheidende Frage: Wo bleibt der Mensch in diesem digitalen Getriebe?
Die Argumente für den KI-Einsatz im öffentlichen Dienst sind bestechend. In Zeiten des Fachkräftemangels und einer immer komplexer werdenden Bürokratie versprechen Algorithmen Entlastung. Wenn KI monotone Datenerfassungen übernimmt oder komplexe Dossiers in Sekundenschnelle vorstrukturiert, bleibt den Beamten theoretisch mehr Zeit für das Wesentliche: die Beratung und den direkten Kontakt zum Bürger. Ein »Staat aus einem Guß«, der rund um die Uhr erreichbar ist – das ist das Versprechen der digitalen Souveränität.
Doch die Skepsis der Gewerkschaften kommt nicht von ungefähr. Für die Staatsbediensteten geht es um mehr als nur neue Software. Es geht um die Angst vor dem Kontrollverlust. Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI über die Gewährung einer Beihilfe oder die Genehmigung eines Bauantrags »vorentscheidet«? Ein Algorithmus kennt keine Grauzonen, kein Fingerspitzengefühl und keine Empathie – Qualitäten, die jedoch im Normalfall das Rückgrat eines funktionierenden Gemeinwesens bilden sollten.
Die Einbindung der »Sozialpartner« in Arbeitsgruppen ist daher kein bloßes demokratisches Feigenblatt, sondern eine absolute Notwendigkeit. Die digitale Transformation darf nicht als technokratisches Diktat von oben verordnet werden. Sie muß die Kompetenzen der Beschäftigten respektieren und sie durch eine effektive Weiterbildung mitnehmen. Der Schutz der Privatsphäre und die Transparenz der Algorithmen müssen dabei unverhandelbare Leitplanken sein.
Luxemburg hat die Chance, zum Vorreiter einer »menschzentrierten KI« zu werden. Doch dafür muß der Staat beweisen, daß Effizienzsteigerung nicht gleichbedeutend mit Entmenschlichung und Verschlechterungen ist. Wenn die KI dem Beamten den Rücken freihält, statt ihn zu ersetzen, gewinnt die Gesellschaft. Wenn der digitale Schalter jedoch zur unüberwindbaren Mauer für den Bürger wird, ist der Preis für den Fortschritt zu hoch.
Die Regierung steht nun im Wort: Die Technologie muß dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen, so wie es eigentlich immer und überall sein sollte. Das bedeutet auch, daß am Ende des Prozesses immer ein Mensch stehen muß, der die letzte Entscheidung trifft und die Verantwortung übernimmt. Nur so wird aus dem digitalen KI-Hype ein echter Mehrwert für das Land.

