Leitartikel29. Oktober 2026

Anstiftung zum Völkermord

von

Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer das laut zu sagen, was ist.

Rosa Luxemburg

Seit Kriegsbeginn im Oktober 2023 hat die israelische Armee laut UNO im palästinensischen Gazastreifen mehr als 72.000 Menschen getötet. Mehr als ein Viertel von ihnen waren Kinder und Jugendliche.

Gleichzeitig werden Journalisten, die in ihren Texten betonen oder auch nur zu erwähnen wagen, daß die israelische Armee in Gaza Zehntausende Kinder getötet hat, im EU-europäischen Wertewesten als »Antisemiten« abgestempelt und – wie das Beispiel des deutsch-türkischen Journalisten Hüseyin Doğru zeigt – nach Möglichkeit erbarmungslos verfolgt.

Doch jeder Völkermord – das zeigt beispielsweise der Bericht Francesca Albaneses zur Rolle der Presse und anderer Medien im Gazakrieg – ist auf die propagandistische Unterstützung im In- und Ausland angewiesen.

Wie die Sonderberichterstatterin der UNO für die Menschenrechtslage in den von Israel seit bald sechs Jahrzehnten besetzt gehaltenen palästinensischen Gebieten in ihrem der UNO-Generalversammlung in New York präsentierten Bericht fordert, sollte der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs im Rahmen der laufenden Ermittlungen zu Palästina »die direkte und öffentliche Anstiftung zum Völkermord« durch israelische Regierungsvertreter und Medienpersönlichkeiten untersuchen.

Laut Albaneses auf Juli 2026 datierten Berichts »Wahrheit unter den Trümmern: Medien im Zeitalter des Völkermords« hat Israel in Gaza seit Oktober 2023 fast 300 palästinensische Journalisten zusammen mit rund 710 ihrer Angehörigen – Partner, Kinder, Eltern, Geschwister – getötet.

Dabei soll die israelische Armee mindestens 70 Tötungen von Medienschaffenden in Gaza gezielt vorgenommen haben, laut Bericht als »Vergeltung« für deren journalistische Arbeit. Auch nach der von Israel regelmäßig gebrochenen Waffenruhe vom Oktober vergangenen Jahres habe es im Gazastreifen Tötungen von Medienschaffenden gegeben.

Israelischen Medien wirft der Bericht vor, die Sichtweise der rechtsradikalen israelischen Regierung unter Premier Netanjahu nicht nur wiederzugeben, sondern in vielen Fällen ausdrücklich zu Gewalt aufzurufen. So seien Palästinenser als »Monster«, »Krebsgeschwür« und »Kannibalen«, die »ausgerottet werden müssen«, bezeichnet worden.

Diese Rhetorik geht mit der Leugnung ihres Status als Zivilisten einher, wenn zum Beispiel behauptet wird, in Gaza lebten »zweieinhalb Millionen Terroristen«.

Noch deutlicher wurde Elad Barashi von Netanjahus Haussender Channel 14: »Jedes Baby in Gaza ist ein Feind!«, erklärte der. Und weiter: Gegen die palästinensischen »Nazis« im Gazastreifen brauche es »Gaskammern«, »Zugwaggons« und einen neuen »H-O-L-O-C-A-U-S-T!«.

»2,6 Millionen Terroristen in Gaza«, so Barashi weiter, »verdienen den Tod!« Und zwar: »Ohne Gewissen und ohne Erbarmen – Kinder und Eltern, Frauen und Mädchen: Sie alle sind einem grausamen und qualvollen Tod geweiht.«

Francesca Albanese resümiert: »Die Vernichtung der Wahrheit ist zu einem wesentlichen Bestandteil der Vernichtung eines Volkes geworden.« Dagegen müssen wir anschreiben! Auch in dieser Zeitung.