Kaleidoskop03. April 2026

Viele Tote in Mittelmeer und Ärmelkanal

von dpa/ZLV

Istanbul – Bei Bootsunglücken im Mittelmeer und im Ärmelkanal sind mindestens 40 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Italiens Küstenwache meldete am Mittwoch den Fund von 19 Leichen auf einem Boot vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa. Derweil wurden vor der türkischen Ägäisküste mindestens 19 Menschen aus Afghanistan tot aus dem Wasser geborgen, darunter ein Säugling, teilte die türkische Küstenwache mit. Beim Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, starben zwei weitere Menschen.

Sieben Flüchtlinge, darunter zwei Kinder, würden wegen »Unterkühlung und einer Kohlenwasserstoffvergiftung« behandelt, teilte Filippo Mannino, Bürgermeister der nahe Tunesien gelegenen italienischen Insel Lampedusa, der französischen Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit. 58 Überlebende, darunter fünf Kinder, konnten nach Angaben der Küstenwache nach Lampedusa gebracht werden.

Die Rettungsaktion fand demnach rund 135 Kilometer vor der Insel in der libyschen Such- und Rettungsregion statt. Das Boot war dort am Dienstag von einem italienischen Aufklärungsflugzeug entdeckt worden. Da sich keine libyschen Küstenwacheschiffe oder zivile Schiffe in der Nähe befanden, die Hilfe leisten konnten, wurde beschlossen, ein Schiff der italienischen Küstenwache von Lampedusa aus zu entsenden, erklärte ihr Sprecher Roberto D’Arrigo.

Die Opfer seien vermutlich an Unterkühlung gestorben, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA mit Verweis auf starken Wind, Regen und Temperaturen um die zehn Grad. Aufnahmen von ANSA zeigen vermutlich Leichensäcke, die von Bord eines Schiffs der Küstenwache getragen wurden. »Wir sind zutiefst bestürzt angesichts eines weiteren tragischen Vorfalls im Mittelmeer«, erklärte das Flüchtlingshilfswerk der UNO auf X. UNO-Vertreter würden »den Überlebenden sofortige Hilfe leisten.«

Das letzte schwere Unglück auf der gefährlichen Route hatte sich im August 2025 ereignet, als 27 Menschen bei zwei Schiffsbrüchen vor Lampedusa starben. In diesem Jahr haben laut dem Innenministerium bisher mehr als 6.100 Menschen Italien über das Meer erreicht.

Die türkische Küstenwache barg indes am Mittwoch nach eigenen Angaben vor der Insel Bodrum 18 Leichen aus dem Wasser, ein weiterer Mensch starb später im Krankenhaus. 21 Insassen des Schlauchboots überlebten demnach das Unglück und konnten gerettet werden.

Auch im Ärmelkanal zwischen den britischen Inseln und Frankreich ereignete sich am Mittwoch ein tödliches Unglück mit einem Flüchtlingsboot. Zwei Menschen seien beim Versuch, den Kanal vor der Küste von Gravelines in Nordfrankreich zu überqueren, ums Leben gekommen, teilte die zuständige Präfektur mit.

Den Angaben zufolge kamen Rettungskräfte acht Menschen zur Hilfe, deren Boot nach dem Ablegen nahe Gravelines in Seenot geraten war. Drei von ihnen hätten eine »sofortige medizinische Versorgung« benötigt, zwei seien kurz darauf für tot erklärt worden, erklärte die Präfektur weiter. Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei den Toten um zwei Männer aus dem Sudan und Afghanistan. Eine Frau sei verletzt worden, aber außer Lebensgefahr. Fünf Überlebende seien in Gewahrsam genommen worden.

Es handelt sich um die ersten bekanntgewordenen Todesfälle bei der Überquerung des Ärmelkanals in diesem Jahr. 2025 waren auf der Route mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen.