Grüner Größenwahn oder Verkehrswende?
Am Donnerstag stellte Mobilitätsminister Bausch den neuen »multimodalen Korridor« sowie die »schnelle Tram« vor, welche nach Ansicht der Regierung in einigen Jahren den Verkehrsfluß insbesondere der Grenzgänger entlang der Schiene Belval-Hauptstadt entlasten soll. Das 3 Milliarden Euro teure Gesamtprojekt sei revolutionär für die Entwicklung des Landes, schwärmte der Mobilitätsminister. In Zukunft würden weit mehr Menschen vom Süden des Landes in Richtung Hauptstadt zum Arbeiten pendeln, als bisher schon. Die Achse A4 sei bereits jetzt in den Spitzenzeiten morgens und abends zu stark belastet
Auf dem Weg zum »Eine-Million-Einwohner-Staat« soll die »schnelle Tram« künftig nicht nur das Südzentrum mit der Hauptstadt verbinden, auch die umliegenden Südgemeinden sollen von der schwindelerregenden Investition profitieren, wie es bei der Vorstellung des Großprojekts hieß.
Dabei lächelte etwa Leudelingens neuer Bürgermeister Lou Linster recht gequält in die Kameras von RTL, als er den Mehrwert für seine Gemeinde versicherte. Vermutlich weiß auch er, daß dieses Projekt wieder einmal einzig dem Grenzgängerverkehr dienen wird und der restliche inländische Verkehr zwischen Süden und Hauptstadt eher keinen Vorteil daraus ziehen wird. Denn wer erst den Bus zur Tram nehmen muß, der kann auch gleich das Auto nehmen.
Ohnehin ist die errechnete Zeitersparnis abseits der Stoßzeiten des Berufsverkehrs marginal. Dazu kommt, daß der »multimodale Korridor« nicht wirklich multimodal im Sinne des Wortes ist, sondern wieder nur eine weitere Fahrradroute. Wird es erlaubt sein, diese Fahrrad-Autobahn auch mit Kleinkrafträdern zu benutzen oer müssen sich viele Pendler, die bisher keinen Drahtesel ihr Eigen nennen konnten, nun extra einen solchen anschaffen? Der gleiche Denkfehler findet auch bei der Installation von immer neuen Ladestationen für Elektrofahrzeuge im ganzen Land statt, vor denen sich die verantwortlichen Politiker nur allzu gern fotografieren lassen: Auch diese unterstützen keine elektrische Kleinmobilität in Form von E-Rollern. Entsprechende Steckdosen würden auch E-Bikes mit Strom versorgen.
Das ganze Vorhaben riecht nach einem weiteren Prestigeprojekt, mit dem die Regierung im Ausland Lorbeeren einheimsen möchte. Auch dort spricht sich nach ersten Jubelstürmen über den gratis öffentlichen Transport so langsam herum, daß viel weniger der Preis, als die Attraktivität des Angebots dazu verleitet, das eigene Auto stehen zu lassen. Eine rezente Studie in Deutschland zum 49-Euro-Ticket hat dies erst wieder belegt. Es kauften jene das Ticket, die ohnehin mit der Bahn fahren und gut angebunden sind, der Rest war überwiegend nicht interessiert.
Anstatt also die Eisenbahn auf genau derselben Trasse zu unterstützen, kommt LuxTram ins Spiel. Und nicht nur Leudelingen mit seinem, Bus zur Tram schaut mehr oder weniger in die Röhre bei diesem Projekt: Andere Südgemeinden, wie Düdelingen, Kayl oder Rümelingen sind ebenfalls außen vor.
Dazu kommt: Über eine notwendige Dezentralisierung von Arbeitsplätzen, die nicht notwendigerweise in der Hauptstadt sein müßten, wird hierbei gar nicht nachgedacht. Der Zentralismus soll auch im »Eine-Million-Einwohner-Staat« Fortbestand haben. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Vermutlich muß mit weiteren repressiven Maßnahmen gegen den Individualverkehr dem Erfolg nachgeholfen werden.

