Leitartikel23. Oktober 2026

Vollgas in die Katastrophe

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Eigentlich hat sich die internationale Gemeinschaft der Staaten mit dem »Accord de Paris« vorgenommen, alles zu unternehmen, damit sich unser Planet maximal um 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit aufheizt. Nur so, da ist sich die Wissenschaft einig, könnten die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindert werden.

Tatsächlich, das zeigt ein neuer UNO-Bericht, der am Mittwoch in Kenias Hauptstadt Nairobi präsentiert wurde, steuert die Erde mit der aktuellen Klimapolitik der 193 UNO-Mitglieder jedoch bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf eine Erhitzung von 2,8 Grad zu.

Mit verheerenden Folgen, wie Inger Andersen, die Exekutivdirektorin des UNO-Umweltprogramms UNEP, warnt: Jeder Bruchteil eines Grades zusätzlich steigere die Gefahr klimabedingter Naturkatastrophen wie insbesondere Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände, wie sie in diesem Jahr schon viele Weltgegenden durchgemacht hätten.

Auch in Europa war der diesjährige Sommer der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und es gab nicht nur in den bekannten Hochrisikogebieten Griechenland, Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien, sondern zum Beispiel auch in unserer Nähe im belgischen Hohen Venn große Brände.

Selbst im optimistischsten von den Fachleuten berechneten Szenario, in dem alle Staaten ihre Klimaschutzpläne einhalten und ihre angestrebten Ziele zum Erreichen der Klimaneutralität erreichen, so der UNO-Bericht weiter, würde sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,1 Grad erwärmen.

Doch nicht nur die USA, die unter Präsident Trump schon zweimal aus dem UNO-Klimaabkommen ausgetreten sind, wollen der Katastrophe mit Vollgas entgegenrasen: Wie die beiden unbeliebtesten Männer an der Spitze Deutschlands und Frankreichs, Kanzler Merz und Präsident Macron, Ende vergangener Woche am Rande des Brüsseler EU-Gipfels mal eben so für die 448 Millionen Bewohner EU-Europas entschieden haben, ist das vom Staatenbund längst beschlossene Aus für die Neuanmeldung von Fahrzeugen mit Verbrennermotoren bis zum Jahr 2035 seit Freitag schon wieder »Geschichte« (Merz).

Im Namen aller »EU-Bürger« haben Merz und Macron beschlossen, daß das Ziel für die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes von Neuwagen in der EU von 100 auf 90 Prozent sinkt, ohne daß sie die Autokonzerne mit anderen Ausgleichsmaßnahmen behelligen wollen.

Offenbar beginnen nach den USA unter Trump nun auch die großen Staaten EU-Europas, den immensen Wert verläßlicher internationaler Beziehungen geringzuschätzen. Das ist brandgefährlich – insbesondere für kleine und mittelgroße Staaten. Statt sich immer mehr von den »Großen« mit erkennbar eigenen Ambitionen die Staatsziele diktieren zu lassen, sollten die Kleinen und Mittelgroßen besser auf die Zusammenarbeit mit Staaten wie China setzen, die weiter an der UNO und ihren Unterorganisationen festhalten.

»Die Geschichte lehrt uns«, so der Staatspräsident Chinas und Generalsekretär seiner kommunistischen Partei, Xi Jinping, am 3. September 2025 in seiner Ansprache zum 80. Jahrestag des Sieges über die japanische Aggression, »daß die Menschheit gemeinsam aufsteigt und fällt. Nur wenn alle Länder und Nationen einander als gleichberechtigt behandeln, friedlich zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen, können wir die gemeinsame Sicherheit wahren, die Ursachen von Kriegen beseitigen und die Wiederholung historischer Tragödien verhindern.«