Leitartikel12. Januar 2022

Richtiges Auftreten statt »Randale-Ticker«

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Am letzten Samstag war die Hauptstadt ein weiteres Mal im Griff der Schwurbler und ihrer Freunde aus nah und fern. Während sich Bürgermeisterin Lydie Polfer schon fast naiv in erster Linie darüber freute, »daß niemand verletzt wurde«, offenbarte die Lage angesichts der erneut zahlreich angereisten Krawalltouristen erneut, daß die hiesigen Einsatzkräfte mit solchen Situationen überfordert sind.

Daß im Rahmen der Gesundheitskrise auch die »internationale Härte« solcher Aufmärsche den Weg ins »Ländchen« gefunden hat, ist seit Wochen klar, und doch scheint es keine nennenswerten Reaktionen in der Sicherheitsstrategie zu geben, obschon Minister Kox Fehler zugab. Angesichts der aktuellen Lage wäre es, sarkastisch betrachtet, wohl sinnvoller gewesen, das Geld in bessere Ausbildung und eigene Wasserwerfer mit hübschem Roude-Léiw-Ornament zu investieren, statt in einen Militärflieger, der in Belgien herumsteht.

Die Belastung ist für die Beamten nicht leicht zu stemmen. Viele von ihnen stecken in ihrem Alltag mittlerweile mehr im Papierkram als in ihren eigentlichen Aufgaben. Verwaltungstechnische Entlastung ist notwendig. Aber auch eine praktische Ausbildung etwa in Deeskalationsstrategien. Jedes Jahr aufs Neue wird in Luxemburg gebangt, ob die Gegner im Fußball-Europapokal eigene Fans mitbringen oder der Kelch vorübergeht. Während die abgestellten Beamten im internationalen Vergleich immer wieder offensichtlich Defizite in der oben genannten Strategie offenbaren, richtet das »Wort«, ähnlich wie das »Tageblatt« bei den aktuellen Demos, am Spieltag schon mal den »Randale-Ticker« ein.

Als im Sommer 2010 schwedische Fans im Rahmen des Europapokalspiels von AIK Solna bei Jeunesse Esch hauptstädtische Kneipen unsicher machten, kam es zu Scharmützeln, weil die Beamten mit wenig Fingerspitzengefühl gegen Fans vorgingen, die mit einer anderen Strategie angefaßt werden müssen als in der Nationaldivision. Hierzulande ist beim Fußball selten eine solch spezielle Strategie nötig.

Als 2018 im hauptstädtischen Bonneweg ein Autofahrer erschossen wurde, der versuchte, eine Polizeikontrolle zu durchbrechen, obwohl es andere Mittel und Wege gibt, ein Fahrzeug zum Stehen zu bringen, offenbarte sich ebenfalls die Notwendigkeit einer besseren Einsatzausbildung. Doch insbesondere mit Blick auf die aktuelle Situation, in der Krawalltouristen von immer weiter her anreisen, weil sie sich in Luxemburg den Frust über ihr verkorkstes Leben von der Seele randalieren können, ohne vom CRS behelligt zu werden, sind dringende Reformen in der Aus- und Weiterbildung der Beamten notwendig, die im Alltag zweifellos bemüht sind, einen guten Job zu machen und hilfsbereit dem Bürger zur Seite zu stehen.

Wenn aber nicht angemeldete Demonstrationen nicht aufgelöst werden und dadurch auch unbeteiligte gefährdet oder gar motiviert werden, wenn Demos den erst vor Wochen eingeführten Perimeter mißachten, die Akteure ohne Konsequenzen »begleitet« werden und anschließend, nach ein paar Selfies auf der eigens für ihren Auftritt gesperrten Schnellstraße unbehelligt wieder die Heimfahrt antreten dürfen, wirft dies ein katastrophales Licht auf den Zustand dieses Landes, wenn es um die Verteidigung der Sicherheit geht. Die Beamten müssen, und das nicht erst seit Corona, endlich mit international vergleichbarer Ausrüstung, Strategie und Ausbildung den Rücken gestärkt bekommen. Luxemburg ist keine Insel, auch wenn manche das gern so hätten.