Museen buhlen um Walknochen
Anholt – Der Mitte Mai tot vor der dänischen Insel Anholt aufgefundene weibliche Buckelwal ist zerlegt. Nun haben in Dänemark mehrere Museen Interesse an Knochen des als »Timmy«, »Hope« oder auch »Fridolin« bekannten Meeressäugers angemeldet.
»Wir haben uns einige Knochen gesichert, darunter eine Flosse, Beckenknochen und Rückenwirbel«, sagte Daniel Klingberg Johansson, der die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Kopenhagen managt. »Wir werden die Knochen zumindest vorerst nicht selbst ausstellen.« Stattdessen zeigten andere Museen in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden Interesse an den Überbleibseln.
Dabei gehe es unter anderem darum, verschiedene Perspektiven zu dem Thema aufzuzeigen: »Wie betrachten wir ein Tier?« und »Wie gehen wir mit der Natur um?« Naheliegend ist: Einige Museumsbetreiber könnten angesichts des großen Interesses an der lächerlichen »Rettungsaktion« für den Buckelwal (Megaptera novaeangliae) auf steigende Besucherzahlen hoffen.
Der Umgang mit dem Wal hatte bei vielen Experten in Dänemark und auch in Deutschland Kritik ausgelöst. Nachdem das geschwächte Tier mehrfach vor deutschen Küsten gestrandet war, hatte eine private Initiative es gegen die wissenschaftliche Empfehlung mit einem Lastschiff in die Nordsee geschleppt und dort ausgesetzt. Kurz darauf verendete der Wal, der Kadaver wurde später am Strand der dänischen Insel Anholt angespült.
Mittlerweile wurde der Kadaver von Wissenschaftlern und Tierärzten untersucht. Dabei hatte sich unter anderem herausgestellt, daß der Wal ein Weibchen war. »Weil der Wal so groß war, hätte es größere Investitionen erfordert, um das Skelett komplett einzusammeln und zu präservieren«, sagte Johansson. Deshalb hätten die Experten nur Teile gesichert.
Gestrandete Wale sind in Dänemark alles andere als selten. Das Skelett eines etwas kleineren Buckelwals wird derzeit in einem dänischen Museum ausgestellt. Für die Wissenschaft seien die neuen Knochen dennoch von Bedeutung, sagte Johansson. So haben die Forscher unter anderem drei Gehörknochen mit ins Museum genommen. »Das ist sehr dickes Knochenmaterial, aus dem man auch nach 200 Jahren noch DNA gewinnen kann.«
Während Interessierte einige Knochen des Wals womöglich noch lange in Museen anschauen können, ist der Rest des Kadavers in einer Fabrik gelandet. Aus den Überbleibseln sollte unter anderem Biodiesel entstehen.

