Ausstieg aus fossiler Energie möglich, aber sehr teuer
Zur selben Zeit, da sich in Deutschland, an dessen Stromnetz Luxemburg dranhängt, die Kassandra-Rufe mehren, das Stromnetz sei nicht fit »für die Energiewende«, hat die Berliner »e.venture consulting GmbH« eine Studie mit folgendem sperrigen Titel herausgebracht: »Perspektiven zur Energiewirtschaft: Zukunft des deutschen Strommarktes. Auswirkungen eines dekarbonisierten Stromsystems auf Versorgungssicherheit, Investitionserfordernisse und Marktdesign.«
Die Ergebnisse sind für Haushalte wie Betriebe unerfreulich, da diese Dekarbonisierung Strompreise bedeuten werden, die 250 Prozent über den heutigen liegen, was dann annähernd ein Euro/kWh für Haushalte ausmacht.
Grüne Ideologen werden sich trotzdem freuen, denn sie werden jubeln über die Schlußfolgerung, das angestrebte Ziel sei wohl möglich, brauche aber Investitionen von 809 Mrd. Euro, davon allein 200 Mrd. fürs Übertragungsnetz und 47 Mrd. fürs Verteilnetz. Das hat sehr viel damit zu tun, daß 10 Mio. Wärmepumpen, E-Mobilität mit 35 Mio. batterie-elektrischen Vehikel (BEV) und Elektrolyseuren für den »grünen« Wasserstoff (berechnet nur für den Bedarf von 70 GW um das Stromnetz stabil zu halten wenn Wind und Sonne sich verweigern) den Bedarf von 564 TWh im Jahre 2021 auf 942 TWh im Jahre 2040 ansteigen lassen.
Außen vor bleibt da allerdings vollständig die große Unbekannte, ob das werte Konsumentenvolk bereit ist, bei Wärmepumpen und BEV mitzuspielen, weil wohl nicht nur der Schreiber dieser Zeilen vorhat, sich im August 2034 noch ein neues Diesel-Fahrzeug zuzulegen. Denn dem werten Publikum wird auch mitgeteilt, wenn 562 Mrd. in die Stromerzeugung investiert werden bis dahin, müßte trotzdem immer wieder der Strom rationiert werden, damit es nicht zum Netzzusammenbruch kommt. Konkret auswirken wird sich das darin, daß Wärmepumpen bis zu 12 Stunden und BEV-Aufladestationen bis zu 5 Stunden von der Stromversorgung abgekoppelt werden. Bei Haushalten, die mit Wärmepumpen heizen, wird es dann kalt sein, außer sie haben mit der Zusatzinvestition in eine Batterie für einen eigenen Stromspeicher vorgesorgt (das tut einstweilen niemand), während die stolzen BEV-Besitzer eben nirgendwohin fahren, wenn's mit dem Nachladen scheitert. Es gibt also gute Argumente, sich da zu verweigern, wobei die Preisfrage schließlich auch noch eine Rolle spielt.
Daß den Haushalten das aufgenötigt werden muß kommt daher, daß in der Industrie nur ein Abschaltpotential von 13 GW errechnet wird, weil viele Industrieanlagen gar nicht abgeschaltet werden dürfen, um nicht kaputt zu gehen. Dabei sieht die Studie sowieso schon 200 GW Batterie-Kapazität für 50 Mrd. Euro vor.
Unklar bleibt in der Studie natürlich auch, woher das viele Geld kommen soll, wenn wir jetzt in eine ordentliche Wirtschaftskrise infolge der antirussischen Sanktionen hineinreiten, die alle EU-Länder bekanntlich von günstiger russischer Energie ebenso abgekoppelt haben wie von den ebenso preiswerten Rohstoffen aus Rußland.
Absolut unmöglich wird es, ohne Wasserstoff die Stromversorgung aufrecht zu halten, denn an 5.030 von 8.760 Stunden im Jahr reicht die Erzeugung von Wind und Photovoltaik nicht aus, um die Stromnachfrage zu decken. In den restlichen 3.730 Stunden geht diese Erzeugung dann über die Nachfrage hinaus, was für die Wasserstofferzeugung in der Elektrolyse genutzt werden muß.
Die Studie schlägt nicht vor, den Strom zurückzugewinnen über Brennstoffzellen, sondern schlägt vor, das mit Verbrennung des Wasserstoffs in Gaskraftwerken zu tun. Das sei schneller aufzubauen, zumal angenommen wird, die noch nicht 10 Jahre alten Gaskraftwerke von Erdgas- auf Wasserstoffverbrennung günstig umrüsten zu können. Allerdings wird das nicht ausreichen, es braucht auch neue. Wobei uns auffällt, daß die Frage der Taktgeber, an der sich die anderen Einspeiser orientieren können und müssen, völlig unter den Tisch fällt. Mit ständig als Grundlasterzeuger laufenden Brennstoffzellen wäre das organisierbar, aber das setzt zusätzliche Investitionskosten und entsprechend größere Wasserstoffmengen voraus.
Ausdrücklichg abgeraten wird davon, sich auf Stromimporte zu verlassen, um Fehlmengen bei Dunkelflaute (kein Wind, keine Sonne) und bei Verbrauchsspitzen auszugleichen. Dies weil ja alle EU-Mitgliedsländer dieselben Vorgaben zum Ausstieg aus fossilen Energiequellen haben und folglich ähnliche Erzeugungsprofile bei Wind- und Photovoltaikstrom haben werden. Und leider ist die Stromerzeugung mit Laufwasserkraftwerken nirgends bedeutend genug, um damit auch die Nachbarn über Dunkelflauten zu tragen.

