Leitartikel16. Juli 2021

Dichtung und Wahrheit

von

In den letzten Tagen ist in den Medien öfter über Kuba berichtet worden als wir es gewohnt sind. Aber nicht etwa die Erfolge Kubas bei der Entwicklung von bereits fünf (!) Impfstoffen und deren Anwendung für dier Bevölkerung und die Belieferung lateinamerikanischer Länder mit diesen Impfstoffen war Thema der Berichterstattung. Auch nicht die solidarische Hilfe für besonders von einem neuen Ausbruch der Pandemie betroffene Regionen Kubas, indem zum Beispiel Medizin-Studenten in Havanna ihre Ausbildung vorzeitig erfolgreich abschlossen, um in Hotspots der Pandemie helfen zu können.

Ebensowenig wurde darüber berichtet, daß aufgrund einer vorbildlichen und schier einzigartigen Organisation und des Zusammenwirkens von Behörden und der tatsächlichen Zivilgesellschaft die Bewohner der Insel rechtzeitig vor dem jüngsten Wirbelsturm gewarnt und besonders gefährdete Siedlungen evakuiert werden konnten, so daß im Gegensatz zu benachbarten Ländern in Kuba erneut keine Todesopfer zu beklagen waren.

Wesentlich mehr Raum als gewöhnlich wurde »Nachrichten« eingeräumt über »seit Jahrzehnten nicht dagewesene« Proteste von Kubanern, die – wahlweise zu Hunderten oder auch zu Tausenden – auf die Straßen gegangen seien, um gegen Mangelwirtschaft, Lebensmittelknappheit, Lebensmittelpreise protestiert hätten. Die »Berichte« halten jedoch keiner genaueren Prüfung stand. Tatsächlich hatten konterevolutionäre Kreise von Miami aus zu Protesten aufgerufen. Das kennen wir von den »Damen in Weiß«, die für ihre von westlichen Fotografen begleiteten Spaziergänge durch Havanna einen Preis der Europäischen Union zugesprochen bekamen, seitdem jedoch kaum noch in Erscheinung getreten sind. Wir kennen auch ähnliche Aktionen von Möchtegern-Dissidenten, die offenbar ebenfalls auf Geldzuwendungen aus Brüssel scharf sind.

In diesem konkreten Fall jedoch reagierte die Führung des Staates und der kommunistischen Partei, bevor einige Dutzend Leute sich vor den westlichen Kameras präsentieren konnten. Präsident Miguel Dìaz-Canel wandte sich über Rundfunk und Fernsehen an seine Landsleute, erklärte die Situation und schlug vor, am Sonntag auf die Straßen zu gehen, um der Konterrevolution und ihren Befürwortern keinen Raum zu lassen. Die Aufforderung wurde tausendfach befolgt, so daß die westlichen Reporter und deren Zuträger fast nur noch Kubaner fotografieren konnten, die spontan in großen und kleinen Gruppen die Straßen bevölkerten, um ihre Revolution zu verteidigen. Einige wenige Randalierer wurden rasch gestoppt, aber den Westreportern gelang es zumindest, in der Altstadt von Havanna drei umgestürzte Autos zu fotografieren.

Der Rest ist bekannt. Demonstranten wurden durch westliche Medien zu Regierungsgegnern deklariert, und wenn das nicht reichte, bediente man sich aus dem Reservoir von Fotos aus Miami, wo wütende Antikommunisten nicht nur Fahnen der USA und Kubas schwenkten, sondern auch eine militärische Invasion gegen Kuba forderten.

Das alles hat mit Wahrheit nichts zu tun. Ja, es gibt Mangel auf Kuba, das verschweigen weder die Kommunisten noch die kubanische Regierung. Doch außer selbst zu verantwortenden Fehlentwicklungen ist der Mangel in erster Linie auf die seit über 60 Jahren verhängte brutale Blockade der USA zurückzuführen, mit der die wechselnden Administrationen in Washington der Revolution die Luft abschnüren wollen.

Statt Lügen zu verbreiten sollte man Kuba endlich frei atmen lassen.