Luxemburg29. April 2020

Teurer Autopreis kommt nicht vom Wasserstoff:

Kleinstserien sind unwirtschaftlich

Es ist nicht so, daß es keine Autos gäbe, die mit Brennstoffzelle und Wasserstoff funktionieren. Es ist auch nicht so, wie manche behaupten, daß das nur Sinn machen würde bei Schwerfahrzeugen. Aber tatsächlich sind Leicht- wie Schwerfahrzeuge von der Verfügbarkeit von entsprechenden Tankstellen abhängig, um gefahren und folglich auch ge- wie verkauft werden zu können.

Aktuell ist das Tankstellennetz für Wasserstoff eigentlich nur in der BRD gut aufgestellt mit 83 Stück. Das wesentlich größere Japan kommt auf 114, Südkorea auf 22, wobei das in diesen beiden Ländern der Regierung ein wesentliches Anliegen ist. Daher ist ein schneller Ausbau zu erwarten. Das ist ziemlich logisch, sind doch Toyota (Japan) und Hyundai (Südkorea) in der kapitalistischen Welt führend bei der Wasserstoff-Mobilität, nachdem sich die europäischen Fahrzeughersteller trotz vielversprechender Anfänge mit »Concept-Cars« in der Batterie-Mobilität verrannt haben, die nie über die Kurzstrecke hinaus konkurrenzfähig werden kann.

Limousine Toyota Mirai

Weil das Tankstellennetz bislang fehlte, ließen sich nicht viele Fahrzeuge der angebotenen Modelle absetzen. In über einem Jahr kam der Toyota Mirai so erst im September 2019 auf 10.000 erzeugte Exemplare – in keinem Monat waren es mehr als 1.000. Das erklärt, daß das Vehikel in der BRD ab 78.600 Euro angeboten wird. Das ist ein stolzer Preis, auch wenn die Ausstattung im oberen Segment der Linousinen einzuordnen ist. Laut NEFZ-Zyklus soll mit 0,76 kg Wasserstoff auf 100 km das Auslangen gefunden werden – bei 1 kg liegt man bei den Treibstoffkosten eines Benziners, der 7 Liter, oder eines Diesels, der 9 Liter auf 100 km verbraucht.
Toyota hat im Herbst 2019 eine zweite Generation des Mirai für den Sommer 2020 versprochen – es sollte das Fahrzeug der Olympiade werden. Ob deren Absage aufs Erscheinungsdatum einen Einfluß hat, wurde noch nicht erklärt.

Der Werbeeffekt ist aber weg, und damit wohl auch die Hoffnung auf rasche und zahlreiche Verkäufe. Versprochen wurde eine Verbesserung der Brennstoffzellentechnik und ein größerer Tank, was zu 30% mehr Reichweite führen soll für den Toyota Mirai Concept.

SUV Hyundai Nexo

Daß die Fahrweise einen großen Einfluß auf den Verbrauch hat, läßt sich am Hyundai Nexo darstellen. Hier liegen die offiziellen Verbrauchswerte bei innerorts 0,77 kg H2/100 km, außerorts 0,89 kg H2/100 km und kombiniertkommt da 0,84 kg H2/100 km raus. Wobei vorauszuschicken ist, daß der Nexo günstiger ist als der Mirai: »Der Nexo startet bei 69.000 € und wird nur in einer Ausstattungslinie angeboten.

Enthalten sind die gängigen Fahrassistenten, LED-Scheinwerfer, Kunstleder und Infotainment-System. Unser voll ausgestattetes Testfahrzeug liegt 4.100 € über der Basis. Den Mattlack (Titanium Grey Matt) verrechnet Hyundai mit 600 €, sämtliche übrigen Lacke sind aufpreisfrei. Und alles andere ist im Premium-Paket enthalten. Für 3.500 € gibt es neben den Kamera-basierten Assistenten 19-Zoll-Räder und ein Glas-Panoramaschiebedach. Außerdem lassen sich die vorderen Sitzplätze bei Auswahl des einzigen erhältlichen Pakets kühlen und die hinteren Außenplätze beheizen.«

So der Testbericht des Magazins von www.mobil.de, der zum Thema Verbrauch schreibt: »Wann man merkt, daß man nicht in einem batterieelektrischen Fahrzeug sitzt? Sobald der Blick auf die Reichweiten-Anzeige am Display fällt. Die 756 km laut NEFZ-Zyklus leuchten in der Praxis nicht auf, die WLTP-Herstellerangabe von 666 km ist auch überzogen. Mehr als 550 km sind aber drin. Mit maßvollem Gasfuß, doch ohne Selbstkasteiung. Weder gelegentliche Kick-downs noch gesteigertes Tempo oder Klimaanlagen-Nutzung lassen im Test die Kilometer purzeln. Kälte sollte sich ebenfalls nicht auswirken. Batterie-Elektrische reagieren auf all das sensibler.«

Bertrand Picard, der berühmte Schweizer Abenteurer, fuhr mit einem vollgetankten Nexo allerdings tatsächlich 778 km, wobei laut Anzeige noch weitere 36 km drin gewesen wären. Damit wurden die 756 km des NEFZ-Zyklus überboten, die 550 km des Testers von www.mobil.de geradezu puverisiert. Deutlicher kann der Einfluß der Fahrweise nicht dargestellt werden, wobei das allerdings für alle Antriebsarten gilt.

jmj

(wird fortgesetzt)

So wird der Nexo beworben