Ausland16. Mai 2026

Papst verurteilt weltweite Aufrüstung

von dpa/ZLV

Papst Leo XIV. hat den weltweiten Anstieg der Militärausgaben scharf kritisiert. Man dürfe Aufrüstung nicht »Verteidigung« nennen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei einem Besuch in der Sapienza-Universität in Rom.

Vor Studenten sprach Leo – der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri – von einer »Welt, die leider von Kriegen und von der Sprache des Krieges entstellt ist«. Dabei handle es sich um eine »Vergiftung der Vernunft, die von der geopolitischen Ebene in jede soziale Beziehung« eindringe, sagte er.

Leo hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Krieg kritisiert und zum Frieden aufgerufen.

Die Jugend richte an die Erwachsenen die Frage: »Welche Welt hinterlassen wir?«, führte er Papst aus. »Eine Welt, die leider durch Kriege und Kriegsrhetorik entstellt ist. Es handelt sich um eine Verfälschung der Vernunft, die von der geopolitischen Ebene aus in jede soziale Beziehung eindringt. Die Vereinfachung, die Feinde schafft, muß daher korrigiert werden, insbesondere an den Universitäten, durch die Achtung vor der Komplexität und die kluge Aneignung der Erinnerung.

Insbesondere darf das Drama des 20. Jahrhunderts nicht vergessen werden. Der Ruf ‚Nie wieder Krieg!‘ meiner Vorgänger, der so sehr im Einklang mit der in der italienischen Verfassung verankerten Ablehnung des Krieges steht, spornt uns zu einem geistigen Bündnis mit dem Gerechtigkeitssinn an, der im Herzen der Jugendlichen wohnt, mit ihrer Berufung, sich nicht hinter Ideologien und nationalen Grenzen zu verschließen.«

Der Papst verwies insbesondere auf den enormen der Anstieg der Militärausgaben weltweit und insbesondere in Europa und erklärte: »Man darf eine Aufrüstung nicht als ‚Verteidigung‘ bezeichnen, die Spannungen und Unsicherheit schürt, Investitionen in Bildung und Gesundheit schmälert, das Vertrauen in die Diplomatie untergräbt und Eliten bereichert, denen das Gemeinwohl gleichgültig ist.«

Zudem müsse die Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz im militärischen und zivilen Bereich überwacht werden, »damit sie menschliche Entscheidungen nicht entmündigt und die Tragik von Konflikten nicht verschlimmert. Was derzeit in der Ukraine, im Gazastreifen und in den palästinensischen Gebieten, im Libanon und im Iran geschieht, verdeutlicht die unmenschliche Entwicklung der Beziehung zwischen Krieg und neuen Technologien in einer Spirale der Vernichtung«.