Ausland30. April 2026

Die Militarisierung der Welt

Neue SIPRI-Zahlen zeigen: Die Militärausgaben weltweit haben 2025 Rekordhöhe erreicht. Armut und Hunger grassieren weiter

von GFP/ZLV

Als am Montag das renommierte Forschungsinstitut SIPRI die jüngsten Zahlen über die massiv steigenden Ausgaben der Länder der Welt für Rüstung und Krieg veröffentlichte, war hierzulande die »Zeitung vum Lëtzeburger Vollek« die einzige Tageszeitung, die darüber detailliert berichtete.

Leserinnen und Leser des »Tageblatt« und des »Luxemburger Wort« (Motto: »Für Wahrheit und Recht«) erfuhren bis einschließlich Mittwoch nichts über diese ungeheure Verschwendung von 2.887.000.000.000 US-Dollar, nicht darüber, daß wir alle dafür bezahlen müssen, und auch nicht, daß gleichzeitig zu den horrenden Militärausgaben Armut und Hunger in der Welt immer weiter zunehmen.

Die europäischen NATO-Staaten ganz weit vorn

Deutschland treibt mit einer zweistelligen Steigerung seines Militärhaushalts die Hochrüstung in der EU an, die europäischen NATO-Länder forcieren mit einer massiven Aufstockung ihrer Militäretats die Hochrüstung der Welt: Das ist eines der Resultate der jüngsten Analyse des Forschungsinstituts SIPRI zur Entwicklung der globalen Rüstungsausgaben.

Die europäischen NATO-Staaten stehen an der Spitze des Rüstungsbooms weltweit, der die globalen Ausgaben für das Militär im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 2,887 Billionen US-Dollar in die Höhe getrieben hat. Damit wurden erstmals 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aller Staaten zusammengenommen für Waffen verschwendet – während weiterhin nahezu ein Zehntel der Weltbevölkerung in extremer Armut lebt und die Kriege, zu denen die Hochrüstung führt, Hunger und Elend weiter forcieren. Auch in der EU ist rund ein Fünftel der Bevölkerung von Armut bedroht. Sozialkürzungen zugunsten der Hochrüstung stehen bevor.

Globale Rüstungsrekorde

Die globalen Militärausgaben, die schon im Jahr 2024 den damaligen Rekordwert von 2,718 Billionen US-Dollar erreicht hatten, sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen und summierten sich auf den neuen Rekordwert von 2,887 Billionen US-Dollar. Es handelt sich um den elften Jahresanstieg in Folge seit 2015. Die Tatsache, daß der Anstieg sich nicht mehr auf 9,7 Prozent belief wie im Jahr 2024, sondern »nur« auf 2,9 Prozent, ist einer Sonderentwicklung in den USA geschuldet. Dort sanken die Aufwendungen für das Militär um 7,5 Prozent, vor allem, weil die Trump-Administration die militärische Unterstützung für die Ukraine beendete und den europäischen Verbündeten aufbürdete.

Rechnet man die USA heraus, stiegen die globalen Militärausgaben im Jahr 2025 um 9,2 Prozent. Insgesamt nahmen die Mittel, die weltweit für die Streitkräfte zur Verfügung gestellt wurden, von 2016 bis 2025 um 41 Prozent zu; dabei erhöhte sich ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung auf 2,5 Prozent – auch dies ein Rekordwert.

Machtkampf in Asien

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet SIPRI bei den Rüstungsausgaben in Asien und der Pazifikregion; diese nahmen 2025 um 8,1 Prozent auf 681 Milliarden US-Dollar zu. Laut SIPRI steigerte China seine Aufwendungen um 7,4 Prozent auf 336 Milliarden US-Dollar; das sind 1,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Stärker wuchsen die Ausgaben bei den Verbündeten des Westens im Machtkampf gegen die Volksrepublik. Indien gab 2025 mit 92,1 Milliarden US-Dollar 8,9 Prozent mehr für seine Streitkräfte aus als 2024. Japan steigerte seine Militärausgaben um 9,7 Prozent auf 62,2 Milliarden US-Dollar, wobei es laut SIPRI insbesondere weitreichende Waffen wie Marschflugkörper und gleichzeitig neue Aufklärungssysteme beschaffte, die nötig sind, um Zieldaten für weitreichende Waffen zu generieren. Taiwan wiederum erhöhte seinen Militäretat um ungefähr 14 Prozent auf 18,2 Milliarden US-Dollar.

Dabei fällt auf, daß parallel der Anteil der USA an der Aufrüstung sinkt. Lag er 2020 noch bei 39 Prozent, so schrumpfte er bis 2025 auf gut 33 Prozent. Allerdings ist USA-Präsident Donald Trump zur Zeit bemüht, den nächsten Militäretat auf einen Rekordwert von 1,5 Billionen US-Dollar zu erhöhen.

Die treibende Kraft

Eindeutig treibende Kraft bei der Militarisierung der Welt ist Europa, wo SIPRI für 2025 einen Anstieg der Militärausgaben um 14 Prozent konstatiert. Dazu trugen die beiden Krieg führenden Staaten, Rußland und die Ukraine, in unterschiedlichem Umfang bei. Während Rußland seine Aufwendungen um 5,9 Prozent auf – geschätzte – 190 Milliarden US-Dollar steigerte, nahmen die Aufwendungen der Ukraine um 20 Prozent auf 84,1 Milliarden US-Dollar zu und betragen nunmehr 40 Prozent des BIP. Ein bedeutender Teil der Kriegskosten der Ukraine wird zusätzlich von den europäischen NATO-Ländern getragen, die der Ukraine Waffen, Munition und Geld zur Verfügung stellen.

Für Europa insgesamt addierten sich die Beträge auf Militärbudgets im Wert von 864 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als die Budgets der Asien-Pazifik-Region (681 Milliarden US-Dollar). Die Rüstungsausgaben allein der NATO-Staaten Europas zusammengenommen lagen mit annähernd 559 Milliarden US-Dollar um 23,1 Prozent über ihrem Wert von 2024. Die 32 NATO-Staaten gaben 2025 gut 1,581 Billionen US-Dollar für ihr Militär aus, 55 Prozent des globalen Gesamtwerts.

Nummer eins in Europa

Haupttreiber der Hochrüstung in Europa war im vergangenen Jahr Deutschland. Die Bundesrepublik erhöhte ihre Militärausgaben um stolze 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar. Dabei handelte es sich bereits um die dritte Jahressteigerung um einen zweistelligen Prozentsatz in direkter Folge.

Die Bundesregierung ist bestrebt, der Bundeswehr spätestens 2029 3,5 Prozent des deutschen BIP zur Verfügung zu stellen. Im vergangenen Jahr waren es 2,3 Prozent. Das Erreichen des »Fünf-Prozent-Zieles« wird durch die Tatsache ein wenig erleichtert, daß das deutsche BIP faktisch nicht mehr wächst oder sogar schrumpft. Dennoch geht Berlin für 2029 von einem Militärhaushalt in Höhe von über 150 Milliarden Euro aus. Das wäre annähernd das Doppelte dessen, was Frankreich laut aktuellem Stand im Jahr 2030 erreichen will (76,3 Milliarden Euro). Der Militäretat Italiens, des Landes mit der drittgrößten Wirtschaftsleistung in der EU, lag 2025 bei um die 35,5 Milliarden Euro. Damit zieht Deutschland in rasantem Tempo an allen Rivalen in der EU vorbei.

Armut und Hunger

Während die globale Militarisierung massiv zunimmt, leben immer noch 808 Millionen Menschen weltweit in extremer Armut; das sind 9,9 Prozent der Weltbevölkerung. Als Meßwert gilt dabei nicht mehr die Schwelle von 2,15, sondern von 3,00 US-Dollar pro Tag. Laut Angaben des Welthungerindex hat sich der Hunger weltweit seit 2016 – und damit seit dem Beginn der aktuellen Welle der Militarisierung – »kaum verringert«; Konflikte, heißt es, »bleiben der größte Treiber des Hungers«.

In der EU waren 2024 nach Daten von Eurostat 93,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht; das waren 21,0 Prozent der Bevölkerung. Für Deutschland nennt Eurostat einen Anteil von 21,1 Prozent der Bevölkerung. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, lag in der EU sogar bei 21,4, in Deutschland bei 23,5 Prozent.

Um die Hochrüstung zu ermöglichen, werden zur Zeit drastische Kürzungen in den Sozialbudgets und bei den Renten vorbereitet oder bereits umgesetzt.