Kaleidoskop11. Februar 2026

Erderwärmung führt zu Verlust von Weideflächen

von dpa/ZLV

Potsdam/Nairobi – Durch die Erderwärmung könnten Weideflächen weltweit deutlich schrumpfen. Je nach Szenario könnten laut einer neuen Studie bis zum Jahr 2100 etwa 36 bis 50 Prozent ihre Nutzbarkeit verlieren. Betroffen wären 110 bis 140 Millionen Menschen, die von Weidewirtschaft leben, sowie bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere wie Rinder, Schafe oder Ziegen.

Weidehaltung, so Coautor Maximilian Kotz vom deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), sei stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig. »Unsere Ergebnisse zeigen, daß der Klimawandel die Flächen, in denen diese Form der Landwirtschaft funktionieren kann, deutlich einschränkt und landwirtschaftliche Praktiken erschwert, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.« Besonders spürbar seien die Veränderungen in Ländern, »wo die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden«, ergänzte Erstautorin Chaohui Li.

Betroffen ist laut der im Fachmagazin »PNAS« veröffentlichten Studie vor allem Afrika: Je nach Klimaszenario könnten die geeigneten Graslandflächen auf dem Kontinent um 16 Prozent oder sogar um bis zu 65 Prozent schrumpfen, falls der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigt. Bereits heute lägen die Temperaturen in vielen Regionen Afrikas am oberen Rand dessen, was für Weidehaltung noch klimatisch verträglich sei.

Für die Rinderherden beispielsweise der Massai und Samburu in Kenia (Foto) oder die Schaf- und Ziegenherden nomadisierender Viehzüchter am Horn von Afrika, die schon jetzt schwierigen Bedingungen ausgesetzt sind, ist das ein düsteres Szenario. Traten schwere Dürren in der Region früher ungefähr alle 20 Jahre auf, häuften sie sich in jüngster Vergangenheit in immer kürzeren Abständen.

Auch jetzt blicken Klima- und Landwirtschaftsexperten mit Sorge auf die bevorstehende Regenzeit, die zu wenig Wasser bringen könnte für Viehzüchter und andere Bauern. Somalia hatte bereits im November den Dürrenotstand ausgerufen. Das Afrika-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, daß allein in Kenia nach schlechten Ernteerträgen wegen der kurzen und niederschlagsarmen letzten Regenzeit rund zwei Millionen Menschen unter Nahrungsunsicherheit leiden.