Unbezahlbares Wohnen schreckt Studenten und junge Berufseinsteiger
Die Schule hat wieder begonnen und auch die Studenten machen sich wieder auf den Weg zum neuen Semester oder gar als »Ersti« zu ihrem allerersten Semester. In vielen Fällen sind dann Studentenunterkünfte notwendig, denn nicht jeder Studierende wohnt am Ort seiner Universität, so auch hierzulande in Belval und anderswo.
Dabei wird die Lage für wohnungssuchende Studierende in einem Land, wo Wohnraum ohnehin rar ist, zunehmend schwieriger. Hunderte Studierende suchen verzweifelt nach einer bezahlbaren Bleibe. Ein schöner Willkommensgruß im neuen Lebensabschnitt. Während die Politik nicht müde wird, Luxemburg als innovativen Forschungs- und Wissensstandort im Herzen Europas zu preisen, scheitert die Realität an den fundamentalen Grundbedürfnissen der jungen Generation. Wer hier studieren will, braucht nicht nur Köpfchen, sondern möglichst auch finanzstarke Eltern.
Die Zahlen lügen nicht:. Zwar stellt die Universität Luxemburg rund 33 Wohnheime bereit, doch die Plätze decken nur einen Bruchteil der tatsächlichen Nachfrage ab. Selbst die Uni fordert Bewerber auf ihrer Website mittlerweile explizit dazu auf, sich nicht auf ein Zimmer zu verlassen, sondern zeitnah nach alternativen Lösungen zu suchen.
Wer auf den hiesigen freien Immobilienmarkt ausweichen muss, stößt auf unüberwindbare Barrieren. Zimmer in Wohngemeinschaften sind auf dem privaten Markt kaum noch unter 700 bis 1.000 Euro im Monat zu haben – Nebenkosten und astronomische Kautionen gar nicht eingerechnet. Kleine Studios überschreiten spielend die Marke von 1.200 Euro. Das ist kein Markt mehr; es ist ein sozialer Selektionsmechanismus. Talentierte junge Menschen, die nicht aus Wohlstandsfamilien stammen oder deren Eltern keine Immobilien in Luxemburg besitzen, werden systematisch aus dem Land gedrängt oder schlicht vom Studium an der Uni.lu abgehalten.
Daß Luxemburg den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos zur Verfügung stellt, ist ein Vorzeigeprojekt – doch es verkommt zur, ohnehin noch unzuverlässigen, Alibimaßnahme, wenn das Versprechen sozialer Durchlässigkeit an der Haustür endet. Auch das Ausweichen ins grenznahe Ausland ist längst kein echter Ausweg mehr, da die Mietpreise in den Grenzregionen im Windschatten des luxemburgischen Immobilienproblems ebenfalls steil nach oben geklettert sind. Zudem untergräbt das Pendlertum genau das, was ein lebendiges Universitätsland ausmacht: Campusleben und die Integration junger Akteure in das gesellschaftliche Gefüge des Landes.
Der anhaltende Mangel an studentischem und bezahlbarem Wohnraum für junge Berufseinsteiger und Familiengründer ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger versäumter Strukturpolitik. Weder der Bau einzelner Wohnheimkomplexe noch das schrittweise Aufstocken von staatlichen Studienbeihilfen halten Schritt mit der rasanten Entwicklung der Lebenshaltungskosten.
Wenn die Regierung den Standort Luxemburg nachhaltig sichern will, muß sie auch die Wohnraumfrage für Studierende und junge Berufseinsteiger endlich als fundamentale Investition in die Zukunft behandeln. Es braucht den massiven Ausbau öffentlich geförderter Wohnheime und Wohnungen, unbürokratische Genehmigungsprozesse und gezielte Anreize für bezahlbare Wohngemeinschaften. Ein Land, das sich eine Spitzenuniversität leistet, aber den Studierenden das Wohnen verwehrt, betreibt Etikettenschwindel.

