Seltene Erden, Öl und Raketen
China vertieft strategische Partnerschaft mit dem Iran
Die Volksrepublik China und der Iran weiten ihre Zusammenarbeit auf einen Bereich aus, der weit über klassische Rohstoffpolitik hinausgeht: Seltene Erden. Wie die »South China Morning Post« (SCMP) am 12. August berichtete, haben die staatlichen Wissenschaftsförderorganisationen beider Länder ein gemeinsames Workshop-Programm aufgelegt, das ausdrücklich die »Exploration und Verarbeitung seltener Erdelemente« umfaßt. Damit erhält die chinesisch-iranische Partnerschaft eine neue strategische Dimension – und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Iran unter massivem wirtschaftlichem und militärischem Druck der USA steht.
Federführend ist auf chinesischer Seite die National Natural Science Foundation of China (NSFC). Sie finanziert gemeinsame Workshops; die iranische Wissenschaftsstiftung übernimmt unter anderem Reisekosten. Bemerkenswert ist weniger die Höhe der Förderung als ihr Gegenstand: China behandelt moderne Verfahren zur Verarbeitung seltener Erden zunehmend als sensible Technologie. Die 17 Elemente sind für Hochleistungsmagnete, Elektronik, Radarsysteme, Flugzeuge und zahlreiche moderne Waffensysteme unverzichtbar. China verfügt nicht nur über die größten Reserven, sondern vor allem über die weltweit dominante Raffinerie- und Verarbeitungskapazität.
Irans tatsächliche Lagerstätten sind dagegen noch unzureichend erforscht. Seine geologische Struktur mit großen Eisen- und Phosphatvorkommen gilt jedoch als potenziell günstig für seltene Erden. Sollte sich dieses Potenzial bestätigen, könnte der Iran neben Öl und Gas einen weiteren strategischen Rohstoff in seine Partnerschaft mit China einbringen. Gerade deshalb ist die neue Forschungskooperation politisch brisant: China teilt hier offenbar zumindest wissenschaftliches Know-how in einem Bereich, dessen technologische Verfahren gegenüber westlichen Staaten zunehmend abgeschirmt werden.
Die Vereinbarung ist kein isoliertes Projekt. China und der Iran unterhalten seit 2016 eine »umfassende strategische Partnerschaft«. 2021 unterzeichneten beide Staaten einen langfristigen Kooperationsplan, dessen Umsetzung Anfang 2022 offiziell begann. Das chinesische Außenministerium weist für 2025 einen bilateralen Warenhandel von 9,96 Milliarden US-Dollar aus – ohne die erheblichen Mengen iranischen Öls vollständig abzubilden, die wegen der USA-Sanktionen häufig über indirekte Handelsstrukturen abgewickelt werden.
Beim Öl ist China für den Iran längst der entscheidende Abnehmer. China importierte 2025 durchschnittlich rund 1,38 Millionen Barrel iranisches Rohöl pro Tag. Ein Großteil des Handels läuft über kleinere unabhängige chinesische Raffinerien und wird teilweise in Yuan über Zwischenhändler abgewickelt, um die Auswirkungen US-amerikanischer Finanzsanktionen zu reduzieren. Noch am 20. August berichtete Reuters, daß China trotz neuer Drohungen Washingtons mit Abstand wichtigster Öl-Kunde des Iran bleibt.
Allerdings sollte die Partnerschaft nicht mit einer uneingeschränkten Allianz verwechselt werden. Chinas wirtschaftliches Engagement im Iran bleibt gemessen an den politischen Ankündigungen vergleichsweise vorsichtig. Reuters bezifferte chinesische Investitionen seit 2007 auf weniger als fünf Milliarden US-Dollar – deutlich weniger als Chinas Engagement in Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sanktionen, politische Risiken und wirtschaftliche Instabilität des Iran haben zahlreiche Großprojekte verzögert.
Dennoch sind chinesische Firmen weiterhin in iranische Infrastrukturprojekte eingebunden. Reuters dokumentierte im März laufende beziehungsweise ausgeschriebene Projekte in Bereichen wie Stromnetze, Stahlproduktion, Wasserkraft, Güterverkehr und Logistik. Der Iran bleibt zugleich ein bedeutender Knotenpunkt für Chinas »Belt-and-Road«-Strategie, insbesondere für Landverbindungen zwischen Ostasien, Zentralasien, dem Nahen Osten und Europa.
Auch wissenschaftlich und technologisch wird die Kooperation breiter. Nach Angaben des chinesischen Außenministeriums arbeiten beide Länder auf Grundlage bestehender Abkommen über Wissenschaft und Technologie zusammen; Universitäten pflegen institutionelle Kontakte, während beide Staaten ihre Zusammenarbeit inzwischen gezielt in strategisch relevanten Forschungsfeldern ausweiten. Das Seltene-Erden-Programm ist deshalb vor allem als Hinweis darauf zu verstehen, daß sich diese Kooperation von akademischem Austausch zunehmend in industriell relevante Schlüsseltechnologien verlagert.
Noch sensibler ist die militärische Dimension. Bereits im März 2025 führten China, der Iran und Rußland im Golf von Oman die Übung »Security Belt 2025« durch. Nahe dem iranischen Hafen Chabahar trainierten die Schiffe der drei Kriegsmarinen unter anderem Angriffe auf Seeziele sowie Such- und Rettungsoperationen. Das chinesische Verteidigungsministerium erklärte damals ausdrücklich, Ziel sei eine Vertiefung des »militärischen Vertrauens und der pragmatischen Zusammenarbeit«.
Im Juli 2026 berichtete Reuters zudem unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Quellen über einen iranischen Auftrag von bis zu 400 in China produzierten tragbaren Flugabwehrsystemen der Typen QW-12 und FN-16. Das Geschäft soll einen Umfang von etwa 60 bis 70 Millionen Dollar haben. China und Pakistan bestritten allerdings eine Beteiligung, weshalb der Bericht als nicht unabhängig bestätigt behandelt werden sollte.
Politisch ist die Entwicklung eindeutig: China behandelt den Iran weiterhin als strategischen Partner. Noch im Juli traf Chinas Außenminister Wang Yi seinen iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi und bekräftigte die Bedeutung der bilateralen Beziehungen.
Für den Iran ist China damit gleichzeitig Absatzmarkt, Technologiepartner, diplomatische Rückversicherung und potenzielle Quelle militärischer Fähigkeiten. Für China wiederum bietet der Iran Energie, geografischen Zugang nach Westasien und möglicherweise künftig strategische Mineralien. Die Kooperation bleibt asymmetrisch – der Iran braucht China deutlich stärker als umgekehrt. Doch gerade die neue Zusammenarbeit bei seltenen Erden zeigt, daß China bereit ist, diese Beziehung in Bereichen zu vertiefen, die unmittelbar in den globalen Technologie- und Sicherheitswettbewerb hineinreichen.

