Die Alternative heißt Abrüstung!
Die laut Medien »mit Spannung erwarteten« Gespräche in Washington über Grönland endeten ohne irgendein Ergebnis – wie jeder erwarten konnte, der nicht »mit Spannung«, sondern mit einem Funken Realismus die Entwicklung beobachtet. Der Boss im Weißen Haus hat sich in den Kopf gesetzt, Grönland der »westlichen Hemisphäre« zuzuordnen, die entsprechend der von ihm neu zum Leben erweckten Monroe-Doktrin einzig den Interessen der USA unterzuordnen ist.
Mit seiner nach ihm benannten Doktrin hatte der damalige USA-Präsident James Monroe in seiner Rede zur Lage der Nation am 2. Dezember 1823 vor allem die Unabhängigkeit der USA von den alten Kolonialmächten Europas festgeschrieben und ein Ende jeglicher Kolonisierungsversuche auf dem amerikanischen Doppelkontinent – der »westlichen Hemisphäre« – gefordert.
Der seinerzeit eher progressive Ansatz einer Politik der Nichteinmischung ist jedoch in den vergangenen 200 Jahren ins genaue Gegenteil gekehrt worden, nämlich zur Verfolgung einer Politik, die den USA angeblich ein »Recht« einräumt, sich nach Belieben in die Angelegenheiten aller übrigen Länder Amerikas einzumischen. Das wurde bis zum Exzess praktiziert, zahllose Putsche gegen mißliebige Regierungen, an denen die USA und ihre Geheimdienste aktiv beteiligt waren, legen davon Zeugnis ab. Jüngstes Beispiel ist der Angriff auf Venezuela und die Entführung des dortigen Präsidenten in die USA, gefolgt von der Entscheidung von Präsident Trump, nun der unumschränkte Herrscher über Land und Leute, vor allem jedoch über die reichen Ölvorkommen Venezuelas sein zu wollen.
Nun hat Trump auch Grönland zum Verfügungsgebiet »Westliche Hemisphäre« erklärt und fordert die Einverleibung der faktisch zum NATO-Partner Dänemark gehörenden Insel in die USA. Dabei geht es ihm nicht nur um ein Aufmarschgebiet für das Militär der USA – das stünde im Rahmen der NATO ohnehin zur Verfügung. Trump streckt seine Finger nach den riesigen Bodenschätzen Grönlands aus, vor allem nach den Seltenen Erden. Er will, wie in seligen Zeiten des Wilden Westens, seine Claims abstecken, auf daß niemand sonst über die im Boden schlummernden Schätze verfügen darf.
Gleichzeitig startete er eine neue Ablenkungs-Show, indem er von einer »Bedrohung« Grönlands durch Rußland und China zu phantasieren begann. Diese Behauptung entbehrt zwar jeglicher Grundlage, denn irgendeine politische, wirtschaftliche oder gar militärische Bedrohung ist absolut nicht zu erkennen. Aber es reicht, um auch die NATO-Verbündeten der USA auf den Plan zu rufen, die nun mit der völlig sinnlosen Idee, Grönland einerseits vor dem US-amerikanischen Verbündeten und andererseits vor den bösen Russen und Chinesen beschützen zu wollen, Teile ihrer Streitkräfte in die Eiswüste in Bewegung setzten.
Die Auswirkungen all dieser Verwirrungen sind bisher nur im Ansatz zu erkennen, aber der offen geäußerte Zweifel an der Verteidigung aller NATO-Staaten im Fall eines Angriffs auf einen von ihnen trägt bereits Früchte. So begründete Griechenlands Regierung neue Aufrüstungspläne wieder einmal mit einer Bedrohung durch den NATO-Partner Türkei.
Warum eigentlich glauben »unsere« Politiker, auftretende Probleme immer nur durch militärische Aufmärsche lösen zu wollen, durch mehr Geld für Waffen und grenzenlose Aufrüstung? Dabei gäbe es eine einfache Lösung, die am Verhandlungstisch zu erreichen wäre: Verständigung und Abrüstung.

