Leitartikel12. Januar 2024

Sorgenkind Wohnen in Luxemburg

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In Luxemburg sind Wohnungsschwierigkeiten für Privathaushalte ein wachsendes Problem. Die Immobilienpreise sind hoch, der verfügbare Wohnraum knapp und die Mieten steigen stetig. Diese Faktoren erschweren es vielen Familien, bezahlbaren, angemessenen Wohnraum zu finden.

Eine Möglichkeit, die Wohnschwierigkeiten von Haushalten zu messen, ist die Berechnung der Aufwandsquote. Diese ist der Prozentsatz des Einkommens eines Haushalts, der für Wohnen ausgegeben wird. Eine hohe Quote weist darauf hin, daß der Haushalt einen erheblichen Teil seines Einkommens für das Wohnen aufwenden muß und in Schwierigkeiten gerät. Laut Statec war diese Quote durchschnittlich für 2023 bei 37,5 Prozent, was über dem EU-Durchschnitt von 2023 (32,3 Prozent) liegt.

Die Aufwandsquote ist ein wichtiger Faktor für Privathaushalte, welche Schwierigkeiten haben, ein Dach über dem Kopf zu finden und zu halten. Allerdings erfaßt dieser Indikator einige Faktoren nicht, wie etwa andere Einkommensquellen, wie Sozialbeihilfen oder einen Zweitjob.

Eine andere Möglichkeit, die Wohnschwierigkeiten von Privathaushalten in Luxemburg zu messen, ist die Verwendung des sogenannten mehrdimensionalen Deprivationsindikators. Dieser berücksichtigt mehrere Faktoren, wie Wohnkosten, Wohnqualität, Wohnsituation oder –Sicherheit.

Laut einer Studie der Abbé-Pierre-Stiftung befanden sich im Jahre 2023 rund 10 Prozent der Privathaushalte im Land in einer Situation »multidimensionaler Benachteiligung«. Diese Haushalte waren demnach mindestens mit zwei der nachfolgenden Faktoren konfrontiert:

Überhöhte Wohnkosten, welche mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens ausmachten, eine schlechte Wohnqualität, wenn etwa schlechte Hygienebedingungen oder Unsicherheit herrschen sowie einer prekären Wohnsituation.

Mehrdimensionale Benachteiligung ist ein umfassenderer und besser geeigneter Indikator für Wohnschwierigkeiten von Haushalten, als etwa die erwähnte Aufwandsquote. Durch diese kann nämlich die Gesamtsituation eines Privathaushaltes berücksichtigt und beleuchtet werden, und nicht nur die Frage der Kosten für eine Wohnung.

Die beiden genannten Indikatoren zeigen, daß Wohnschwierigkeiten von Privathaushalten in Luxemburg ein weiter wachsendes Problem darstellen. Die Frage ist, ob Regierung und Wohnungsbau-Akteure im Land sich dessen wirklich bewußt sind und entsprechend umfangreich und zeitnah bereit sind, konkrete und zielführende Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation der in Luxemburg wohnenden und Wohnung suchenden Menschen zu entspannen.

Dies insbesondere durch den Bau von erschwinglichem Wohnraum und die bessere finanzielle Unterstützung von Familien oder Einzelpersonen mit niedrigem Einkommen. Wir dürfen also gespannt sein.