Leitartikel23. Mai 2026

Israels Verbrechen beim Namen nennen!

von Uli Brockmeyer

Wieder einmal brauchte es den Einsatz von Menschen aus vielen Ländern, die sich zum wiederholten Mal mit kleinen zivilen Booten auf den Weg machten, um in mutiger und zutiefst symbolischer Weise auf das Elend der geschundenen Palästinenser im Gazastreifen aufmerksam zu machen. Sie begaben sich vor einigen Tagen auf die durchaus nicht ungefährliche Reise in Richtung Gaza, eine Reise, die viele ihrer Vorgänger bereits ohne Erfolg angetreten hatten, von denen manche ihren Mut und ihre Wut sogar mit dem Leben bezahlen mußten.

Auch dieser Versuch wurde in internationalen Gewässern auf brutale Weise von der israelischen Kriegsmarine unterbrochen. Weit entfernt von der Küste Gazas überfielen die Staatspiraten die friedlichen Aktivisten, kaperten ihre Boote und verschleppten die Aktivisten in einen israelischen Hafen, wo sie gefesselt und geknebelt von Israelis in Uniform mißhandelt und geschlagen wurden und zusätzlich noch die Demütigung des rechtsradikalen Polizeiministers ertragen mußten, der ihnen in zynischer Weise zurief »Willkommen in Israel!«. Am Freitag wurde bekannt, daß etliche der inzwischen abgeschobenen Aktivisten deutliche Blessuren von ihrer »Reise« mitbrachten.

Die großen bürgerlichen Medien, die sich ansonsten gerne über »Aggressionen« echauffieren, solange sie nicht von Freunden des »Werte«-Westens ausgeführt werden, schweigen über das Leiden und die täglichen Angriffe der israelischen Armee im Gazastreifen, wo sich die Zahl der Toten und Verletzten beinahe im Stundentakt erhöht – unter eklatanter Mißachtung der eigentlich verkündeten »Waffenruhe«. Erst der jüngste Vorfall mit der Gaza-Hilfsflotte und das skandalöse Video des Polizeiministers von Israel ließ Redakteure und einige Politiker wieder mal ein wenig aufmerksam werden.

Im »Tageblatt«-Leitartikel hieß es am Freitag: »Bloße Empörung reicht nicht mehr«. Stimmt, aber das wird schon dadurch relativiert, wenn der Autor meint, von einem »durchaus berechtigten Kampf gegen die radikal-islamistische Bedrohung« schreiben zu müssen und damit einen erneuten Versuch einer Rechtfertigung von Verbrechen unternimmt.

Außenminister Bettel fand einige deutliche Worte über Menschlichkeit und Respekt. Er habe gegenüber dem israelischen Botschafter »unsere Empörung« zum Ausdruck gebracht, sagte er dem »Luxemburger Wort«. Es sei »schwer, dafür Worte zu finden«, meinte Herr Bettel und äußerte zumindest seine Ansicht, »daß die israelische Intervention auf hoher See nicht im Einklang mit dem Völkerrecht steht«.

Recht hat er. Aber: Zweifel an einer Nichtübereinstimmung mit dem Völkerrecht reichen nicht! Die Republik Südafrika klagt offiziell vor dem Internationalen Strafgerichtshof gegen den Staat Israel wegen des Verdachts auf Völkermord am Volk von Palästina. Erst am Freitag meldete diese Zeitung, daß der Angriffskrieg Israel gegen die Palästinenser in Gaza bisher 72.775 Tote und 172.750 Verletzte gekostet hat, in der Mehrzahl Frauen und Kinder. Die tatsächliche Zahl liegt wesentlich höher – sie ist unbekannt, da Rettungshelfer die vielen Toten unter den Ruinen nicht bergen können.

Es ist höchste Zeit, sich der Klage Südafrikas anzuschließen, höchste Zeit, nicht nur das Assoziierungsabkommen der EU mit Israel auszusetzen, sondern jegliche, vor allem militärische Kooperation mit dem Aggressor zu beenden!