Die »Kartenspiele« des Donald Trump
Donald Trump will nicht nur als 45. und 47. und möglichst sogar als 48. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in die Geschichte eingehen, sondern auch als der größte »Friedensstifter«. Jüngst betonte er im Zusammenhang mit den Besuchen seines Schwiegersohne Jared Kushner und seines Intimus im Bereich der Immobilienspekulation Steve Witkoff in Moskau und in Kiew, er habe bekanntlich bereits »acht Kriege beendet« und er werde auch den Krieg in der Ukraine zu einem Ende bringen.
Allerdings ist der Präsident in seiner Position als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der USA ein »würdiger« Nachfolger vieler seiner Vorgänger im Oval Office, die Kriege vom Zaun gebrochen haben – zur Zeit ist er dabei, den Krieg gegen den Iran, den er zusammen mit seinem Bruder im Geiste Netanjahu Ende Februar begonnen hat, weiter zu verschärfen und die völkerrechtswidrigen Sanktionen gegen den Iran, bei denen er eifrig von der Führung der EU unterstützt wird, zu einen Wirtschaftskrieg zu verschärfen.
Auch mit der Wiederbelebung der unseligen Monroe-Doktrin, laut der allein die Regierung der USA entscheiden darf, was im »westliche Hemisphäre« genannten Hinterhof der USA geschehen darf und was nicht, will sich Trump einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern. Während sich der damalige Präsident James Monroe am 2. Dezember 1823 bei der Verkündung seiner unter dem Motto »Amerika den Amerikanern« verkündeten Doktrin eigentlich auf die Länder südlich der USA bezog, geht Trump nun einige Schritte weiter und will in seiner Phantasie noch weitere Gebiete seinem »Amerika« zuordnen – wobei man in den USA und weit darüber hinaus ohnehin seit Jahrzehnten daran gewöhnt ist, die USA als »Amerika« zu bezeichnen. In gleicher Weise plustert sich inzwischen auch die EU auf, indem sie sich selbst als »Europa« bezeichnet, obwohl der Kontinent Europa wesentlich größer ist als das Gebilde Europäische Union.
Nachdem er bereits per Dekret verordnet hatte, daß der Golf von Mexiko nun als »Golf vom Amerika« auf den Landkarten zu erscheinen habe, nachdem er den Ontario-See, den sich die USA mit dem nördlichen Nachbarn Kanada teilen, in »Amerika-See« umbenannte, hat Trump am Montag seine neuen Gebietsansprüche öffentlich gemacht und auf seiner Plattform »Truth Social«, die nach seiner Auffassung die einzig gültige Wahrheit verkündet, eine neue Karte des nördlichen Teils Amerikas veröffentlichte.
In den Kartenspielen des Donald Trump sollen also künftig nicht nur Kanada, Grönland und Island im Norden in die USA einverleibt werden, sondern im Süden auch Mexiko, Belize, Honduras, Nicaragua, Guatemala, El Salvador, Costa Rica … und vor allem Panama und Kuba.
Da erscheint es schon beinahe wie eine Randnotiz, daß Trump in der vergangenen Woche auch die Frage aufwarf, ob es nicht zeitgemäß sei, die Straße von Hormuz in »Trump-Straße« umzubenennen.
Man könnte über den ganzen überbordenden Größenwahn amüsiert hinwegsehen, wenn nicht ein großes Stück Ernst in den Phantasien des Donald Trump stecken würde. Der Mann im Weißen Haus gebärdet sich immer mehr als Bestimmer darüber, was in der Welt geschehen darf und was nicht. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, daß die Kriege, die Trump seiner Ansicht nach »beendet« hat, vor allem von den USA oder mit aktivem Zutun der USA begonnen und geführt wurden, und eben auch noch geführt werden.

