Ausland14. März 2026

Zwei Wochen Krieg gegen Iran

Weltwirtschaft schwankt, Westen eskaliert. Über 3 Millionen Menschen im Iran auf der Flucht

von Karin Leukefeld

Der UNO-Sicherheitsrat hat die Angriffe des Iran auf Militärstellungen und Interessen der USA in den arabischen Golfstaaten verurteilt. 13 Mitglieder stimmten für den von Bahrain im Namen des Golfkooperationsrates eingebrachten Resolutionsentwurf. China und Rußland enthielten sich. Die damit angenommene Resolution 2817 wurde von mehr als 130 UNO-Mitgliedstaaten unterstützt. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran kommen in dem Resolutionstext nicht vor.

Ein von Rußland eingebrachter Resolutionsentwurf war zuvor abgelehnt worden. Der Text forderte die Einstellung der Kampfhandlungen und die Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Rußland, China, Pakistan und Somalia hatten für den Resolutionsentwurf gestimmt, neun (!) Länder hatten sich enthalten. Gegen den Entwurf stimmten im Sicherheitsrat die USA und Lettland.

Der russische Botschafter Wassili Nebensja erklärte, die Abstimmung über den von Bahrain eingebrachte Resolutionsentwurf sei eine »Mutprobe« gewesen. In dem Text würden die Angriffe des Iran verurteilt, jedoch werde verschwiegen, wessen Handlungen ursprünglich zur Eskalation der Lage in der Region geführt hätten. Die Notwendigkeit, Zivilisten zu schützen werde »extrem einseitig« dargestellt, betonte Nebensja. Als hätten »Israel und die USA nicht Männer, Frauen und Kinder im Iran getötet und den Obersten Führer des Landes auf zynische Weise ermordet.« Die »Annahme dieses Texte kann von böswilligen Akteuren und zuerst und vor allem von denjenigen, die den Krieg begonnen haben so interpretiert werden, daß sie ihre Aggressionen gegen Iran fortsetzen können«.

Lawrow fordert Waffenstillstand

In einem vorab bekannt gewordenen Video über eine Begegnung zwischen einer Delegation des Golfkooperationsrates und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau über die Einbringung der Resolution, hatte Lawrow auf diese Einseitigkeit des Resolutionsentwurfes hingewiesen. Die Delegation hatte Rußland aufgefordert, seine »spezielle strategische Partnerschaft mit dem Iran« dafür zu nutzen, Druck auf den Iran auszuüben, damit dieser »seine Angriffe auf zivile Infrastruktur« in den arabischen Golfstaaten einstelle. Lawrow wisse, die arabischen Golfstaaten seien nicht Partei in der Aggression gegen den Iran und würden den Iran nicht angreifen. Lawrow entgegnete, ja, die arabischen Golfstaaten hätten vor dem Angriff auf den Iran gewarnt und sie hätten erklärt, daß Ihr Luftraum nicht für den Angriff genutzt werden dürfe. »Aber dann, als alles begann, haben Sie verurteilt, was Israel und die USA angefangen haben? Haben Sie beispielsweise den Tod von mehr als 170 Schulmädchen in ihrer Schule verurteilt?«

Rußland hatte den Golfkooperationsstaaten vorgeschlagen, seine Resolution für einen sofortigen Waffenstillstand zu unterstützen. Mit der nun vorgelegten Resolution 2817 haben die arabischen Golfstaaten sich offensichtlich dem Druck aus den USA und Israel gebeugt.

Der chinesische Botschafter bei der UNO betonte, die USA und Israel hätten den Iran militärisch angegriffen, ohne vom UNO-Sicherheit dafür autorisiert worden zu sein. Diese Angriffe müßten sofort stoppen. Die vom Sicherheitsrat angenommene Resolution spiegele nicht »angemessen ausgewogen die Wurzel des Konflikts«. Der von Rußland vorgelegte Resolutionsentwurf dagegen sei ein »unparteiisches Dokument, das dringend eine Deeskalation der aktuellen Lage« fordere. Der Text sei einfach, direkt und eindeutig, absichtlich seien keine Namen irgendwelcher Parteien in dem Konflikt genannt worden.

Der iranische Botschafter Amir-Saeid Iravani bezeichnete die Annahme der Resolution als »ernsthaften Rückfall für die Glaubwürdigkeit des Sicherheitsrates«. Den Vorsitz führe »genau der Staat – die USA – der jeden Versuch blockiere, zu einem Ende des barbarischen Krieges zu kommen«. Er wolle es ganz deutlich sagen, erklärte Botschafter Iravani: »Diese Resolution manifestiert das Unrecht gegen mein Land, das Opfer eines eindeutigen Angriffs ist.« Opfer und Täter würden umgekehrt, so Iravani.

Der nicht provozierte und illegale Angriffskrieg gegen den Iran hatte am 28. Februar begonnen, als Teheran und Washington indirekte Gespräche über das Atomprogramm des Iran führten. Erstes Ziel an dem Tag war der Amts- und Wohnsitz des obersten geistlichen Führers des Iran, Ali Khamenei. Mit ihm starben Angehörige seiner Familie.

Am gleichen Tag wurde im Süden des Iran in der Stadt Minab, Provinz Hormozghan, eine Mädchenschule mit einer Tomahawk-Rakete der USA zerstört. 168 Kinder seien getötet worden, hieß es in einem Schreiben des iranischen Justizministers Amin Hosein Rahimi an UNICEF am 11. März 2026. Als Angehörige und Rettungssanitäter helfen wollten, folgte eine zweite Rakete.

Seit dem 28. Februar seien bereits 50 Schulen direkt angegriffen worden hieß es in dem Schreiben an UNICEF. Die Angriffe seien »ein klares Beispiel für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit«.

Angriffe auf zivile Infrastruktur

Die Zahl der iranischen Toten ist seitdem auf mehr als 1.300 gestiegen, mindestens 3.2 Millionen Menschen sind auf der Flucht innerhalb des Landes. Die Angriffe der USA und Israels richten sich nach Aussage der Kriegsherren Trump und Netanjahu explizit »gegen die Infrastruktur des Regimes«.

Im Norden von Teheran wurden drei Öltanks zerbombt, was zu einer solchen Luftverschmutzung in der iranischen Hauptstadt führte, daß Menschen Schutzmasken tragen müssen und unter Atemnot und Vergiftungen leiden. Im Südwesten des Landes wurde eine Entsalzungsanlage zerstört. Am 7. März teilte der iranische Außenminister Abbas Araghchi auf X mit, die USA-Armee habe »ein offenes und verzweifeltes Verbrechen begangen, indem sie eine Entsalzungsanlage für Frischwasser auf der Insel Qeshm angegriffen« habe. Die Wasserversorgung für 30 umliegende Orte sei davon betroffen, so Araghchi. »Die iranische Infrastruktur anzugreifen ist eine gefährliche Entwicklung mit schweren Folgen. Die USA haben diesen Präzedenzfall geschaffen, nicht der Iran.«

Am Mittwoch haben Sprecher des Iranischen Roten Halbmonds sowie Sprecher der Gesundheits- und Innenministerien Zahlen über die Opfer und Zerstörungen im Land bekannt gegeben. Mehr als 1.300 Menschen wurden getötet. Unter den Toten wurden elf Kinder unter fünf Jahren, 200 Kinder unter 12 Jahren und 206 Schüler und Lehrer gemeldet. Mehr als 200 Frauen wurden getötet. Mehr als 10.000 Verletzte wurden gemeldet. 17 Prozent der Verletzten sind Frauen, 1.040 der Verletzten sind jünger als 18 Jahre, 65 sind Kinder jünger als 5 Jahre.

19.734 Zivile Gebäude und Wohnanlagen wurden zerstört, ebenso 16.191 Wohnungen. 77 medizinische Zentren und Apotheken wurden zerstört, ebenso wie 65 Schulen und Ausbildungseinrichtungen. 16 Zentren des Iranischen Roten Halbmonds wurden attackiert.

Weltkulturerbe zerstört

Am 10. März hieß es in einer Erklärung des iranischen Außenministeriums, die Welt dürfe angesichts der USA und Israels Angriffe auf das Weltkulturerbe der Menschheit nicht schweigen. So sei das UNESCO-Weltkulturerbe in Isfahan, der Naqsh-e-Jahan-Platz bei einem Luftangriff teilweise zerstört worden. Der Angriff habe schwere Schäden am historischen Chehel-Sotoun-Palast angerichtet, erklärte der Irans Stellvertretender Außenminister Esmaeil Baghaei. Der Palast ist ein weltbekanntes Museum. Zuvor war bereits der Golestan-Palast in Teheran bei einem Angriff schwer beschädigt worden.

Am 12. März wurde auch die älteste Bank im Iran, die Sepah Bank bei Angriffen der USA und Israels zerstört. In einer Erklärung der Bank hieß es, das Gebäude sei am Mittwochmorgen zu Geschäftszeiten von einer Rakete getroffen worden. Außenminister Araghchi reagierte scharf auf den Angriff. Die Mitarbeiter hätten »dafür gearbeitet, daß die Iraner vor unserem Neujahrsfest Essen auf dem Tisch haben«, so der Minister. Das iranische Neujahrsfest wird am 21. März gefeiert. Die Muslime des Iran beachten – wie die Muslime weltweit – den Fastenmonat Ramadan, der mit dem Fest Eid al Fitr am Abend des 19. März endet.

Aus iranischen Militärkreisen wurde der Angriff auf die Bank als illegaler Angriff auf zivile Infrastruktur kritisiert. Die Armeen der USA und Israels hätten damit »die Tür für den Iran geöffnet, um Wirtschaftszentren in der Region und Banken, die mit den USA und Israel verbunden seien, anzugreifen«.

Parlamentssprecher Qalibaf warnte davor, die iranische Energie- und Versorgungsinfrastruktur anzugreifen. Der Versuch, den Alltag im Land lahmzulegen, werde nicht ohne Antwort bleiben, so Qalibaf. »Heute handeln wir nach dem Motto ‚Auge um Auge‘, direkt und ohne Ausnahme«, hieß es in einer Mitteilung auf X. »Sollten sie einen Krieg gegen unsere Infrastruktur beginnen, werden wir mit Sicherheit ihre Infrastruktur angreifen.« Was immer die Streitkräfte der USA und Israels zerstörten, werde eine sofortige Antwort auf gleicher Ebene bekommen. »Kein Akt der Aggression wird unbeantwortet bleiben.«

Reaktionen aus der EU

Alfred de Zayas, langjähriger UNO-Sonderberichterstatter, verurteilte die Angriffe der USA und Israels auf den Iran als »barbarisch«. Das Vorgehen sei »die größte Gefahr für die Zivilisation seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs«, schrieb das englischsprachige iranische Online-Portal Press TV. Europa mache sich »mitschuldig an der Aggression der USA und Israels gegen Iran, wenn wir den Vorwand akzeptieren, daß es ein ‚Präventivkrieg‘ sei«, erklärte de Zayas.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teilte am Mittwoch in Brüssel mit, die EU habe weitere Strafmaßnahmen gegen Organisationen und 19 Personen im Iran verhängt. Diese seien »für schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verantwortlich«. Die EU setze so ein Zeichen, daß »die Zukunft des Iran nicht auf Unterdrückung aufgebaut werden« könne, erklärte Kallas. Weder Namen noch die konkreten »Vergehen« der nun Sanktionierten wurden genannt. Mit den Strafmaßnahmen setze man »ein Zeichen, daß die Zukunft des Iran nicht auf Unterdrückung aufgebaut werden könne«, erklärte Frau Kallas. Einzelheiten nannte sie nicht. Die Strafmaßnahmen beinhalten neben dem Einfrieren von Vermögen und einem Finanzierungsverbot auch Einreiseverbote.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul startete erneut eine Tour durch den Mittleren Osten. Er reiste nach einer Konferenz auf Zypern direkt nach Israel, wo er mitteilte, daß Deutschland »fest an der Seite Israels« stehe. Es folgten Stationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Qatar, wo er weitere 93 Millionen Euro Hilfsgelder zusagte. Die Rückreise folgte von Riad, Saudi-Arabien. In der Bundeswehrmaschine vom Typ A400M wurden gestrandete Touristen mit nach Deutschland geflogen. Dabei handelte es sich um drei Familien mit Kindern.