Luxemburg08. Juli 2025

Rundtischgespräch auf dem »Wisefest«: Stoppt den Krieg in Gaza und im Nahen Osten!

»Der palästinensische Widerstand verlagert sich auf Studenten im Ausland«

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Israels Mehrfrontenkrieg, den es angeblich zur Verteidigung seiner staatlichen Existenz gegen das palästinensische Volk im Gazastreifen und auf der Westbank, seine arabischen Nachbarn und seit Mitte Juni auch noch gegen Iran führt, stand am Sonntagnachmittag im Mittelpunkt des traditionellen Rundtischgesprächs auf dem »Wisefest«. Moderiert von KPL-Vizepräsident Alain Herman diskutierten Martine Kleinberg, Mitgründerin und Präsidentin von Jewish Call for Peace (JCP), die langjährige Nahost-Korrespondentin dieser Zeitung Karin Leukefeld, Nathalie Oberweis vom Comité pour une Paix Juste au Proche-orient (CPJPO) und KPL-Präsident Ali Ruckert. Auch aus dem Publikum gab es erfreulicherweise mehrere fundierte Wortmeldungen.

In der Vorstellungsrunde, in der die Podiumsteilnehmer darlegten, was sie ganz persönlich oder ihre Organisationen dazu gebracht hat, sich mit dem Nahostkonflikt zu befassen, erklärte Ali Ruckert, die Kommunistische Partei, an deren Gründung 1921 viele Juden beteiligt gewesen seien, sei schon solidarisch mit Palästina gewesen, »als es noch keine Solidaritätsbewegung in Luxemburg gab«. Solange die Palästinensische Befreiungsorganisation Israel aber das Existenzrecht abgesprochen habe, hätten die Kommunisten »große Probleme mit der PLO« gehabt und gute Kontakte nur zu ihren nichtreligiösen Mitgliedern gepflegt.

Einhellig abgelehnt wurde eine Antisemitismusdefinition, mit der auch jegliche Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern als antisemitisch denunziert werden kann. Insbesondere Nathalie Oberweis, die als Lehrerin an einem Lyzeum eine »allgemeine Entpolitisierung der öffentlichen Schule« beklagte, warnte davor, dem tatsächlichen Antisemitismus die Möglichkeit zu verschaffen, sich hinter berechtigter Kritik am israelischen Staatshandeln zu verstecken.

Breite Zustimmung gab es zu Karin Leukefelds These, der palästinensische Widerstand gegen die israelische Besatzung ihres Landes verlagere sich mehr und mehr »auf junge palästinensische Studenten im Ausland, in den USA und in Europa«. Es gelte, die westliche Öffentlichkeit über die Lage in Gaza und im gesamten Nahen Osten aufzuklären, um die Fortsetzung der materiellen und ideologischen Unterstützung der israelischen Kriegsmaschinerie durch die westlichen Regierungen nach Möglichkeit zu reduzieren oder zumindest bloßzustellen. Schon heute, so eine Stimme aus dem Publikum, gebe es trotz des einseitigen »Medienbombardements« auch in Luxemburg »starke Sympathien für die Palästinenser«.

Daran, daß die NSPA (NATO Support and Procurement Agency) mit Hauptsitz in Capellen auch Israel mit Kriegsgerät vor allem aus den USA beliefert bzw. beschädigtes Kriegsgerät wieder repariert, erinnerte Ali Ruckert. Auch israelische Spionageausrüster und Rüstungsunternehmen könnten in Luxemburg nach Gutdünken schalten und walten, ohne daß die Regierung etwas dagegen unternehme. Mit dem Beitritt zur NATO hätten wir zumindest unsere militärische Souveränität abgegeben.