Luxemburg04. September 2026

Luxemburg hat keine Erdgasspeicher auf dem nationalen Territorium

Wirtschaftsminister sieht die Versorgung mit Erdgas weiterhin gewährleistet

von Ali Ruckert

Trotz geopolitischer Unsicherheiten, der Blockade der Straße von Hormus, der Zerstörung von Erdgasförder- und verflüssigungsanlagen im Nahen Osten sowie der Volatilität der Marktpreise, verlaufe die Befüllung der Gasspeicher in der Europäischen Union stabil und nähere sich seit Beginn der sommerlichen Befüllungssaison weiterhin dem Ziel von 80 Prozent, beruhigt Wirtschafts- und Energieminister Lex Delles in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

Was der Minister nicht sagt: Bisher galt ein Mindestziel von 90 Prozent bei der Befüllung der Gasspeicher bis zum 1. November, das aber von der EU-Kommission ausgehebelt und auf 80 Prozent gesenkt wurde, wegen des anhaltenden Aggressionskriegs der USA und Israels gegen den Iran und dessen Auswirkungen auf die Energieversorgung.

Was der Minister weiter verschweigt: Auch wenn die Gasspeicher in der EU Anfang September im Durchschnitt zwischen 62 und 65 Prozent gefüllt sind, so ist das nicht der Fall für unsere zwei Erdgaslieferanten, Belgien und Deutschland.

In Belgien, das 78 Prozent des hierzulande benötigten Erdgas liefert, sind die verhältnismäßig kleinen unterirdischen Erdgasspeicher gegenwärtig weniger als die Hälfte gefüllt, was nicht so tragisch ist, da das Land über direkte Pipelines nach Norwegen und Großbritannien sowie über ein LVG-Terminal in Zeebrügge verfügt

In Deutschland, von wo 22 Prozent des in Luxemburg benötigten Erdgas kommt, liegt die Füllquote der Erdgasspeicher Anfang September bei knapp 54 Prozent. Das ist deutlich weniger als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr (71 Prozent) oder 2024 (95 Prozent). Auch da sei Panikmache fehl am Platz, heißt es, da Deutschland über ausländische Pipelines und LNG-Terminals beständig mit Erdgas versorgt werde. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die geringeren Füllstände im Falle einer längeren Kältewelle zu deutlich höheren Preisen führen könnten.

Wie es der Zufall so will, schloß der Geschäftsführer des führenden Luxemburger Energieversorgers Enovos gestern auf Radio 100,7 Preiserhöhungen beim Erdgas für 2027 nicht länger aus.

Luxemburg ist in Sachen Erdgas nicht nur gänzlich vom Ausland abhängig, sondern verfügt auch über keine Erdgasspeicher auf seinem Territorium. Aus geologischen Gründen, schreibt der Wirtschaftsminister und verweist darauf, dass Luxemburg – basierend auf dem Verbrauch der letzten fünf Jahre, verpflichtet ist, bis spätestens 1. November dieses Jahres in Speicheranlagen außerhalb des Staatsgebiets eine Speicherquote von 15 Prozent zu erreichen. Derzeit, so der Minister, habe die Speichermenge 90 Prozent der erforderlichen Reserven erreicht.

Trotz erheblicher Spannungen auf den Gasmärkten sieht der Minister die Versorgungssicherheit weiterhin gewährleistet.

Notfallplan, um Belieferung »geschützter« Kunden mit Erdgas abzusichern

Sollte es dennoch zu Engpässen kommen, für den Fall, dass der Aggressionskrieg gegen den Iran sich weiter in die Länge ziehen und sich dies im Winter 2026/27 auf die Gasversorgung auswirken sollte, sollen im Rahmen eines Notfallplans Maßnahmen ergriffen werden, um Auswirkungen von Unterbrechungen entgegenzuwirken oder sie abzumildern, und die Gasversorgung der sogenannten »geschützten« Kunden sicherzustellen, zu denen offenbar nicht die Haushalte von Normalsterblichen gehören.

Unter keinen Umständen will die Regierung – im Gegensatz zu anderen EU-Ländern – auf russisches Erdgas zurückgreifen. Sie unterstütze, so der Wirtschaftsminister »weiterhin uneingeschränkt den schrittweisen und unwiderruflichen Ausstieg aus der Gasversorgung aus der Russischen Föderation für die gesamte Europäische Union«.