E-Commerce wächst, Fast-Fashion-Friedhöfe auch
Im vergangenen Jahr haben 82 Prozent der Einwohner über das Internet eingekauft – insbesondere Kleidung, Schuhe und Modeaccessoires. Vor allem die Retouren belasten die Umwelt
Onlineshopping wird immer beliebter. Wie das EU-Statistikamt in dieser Woche mitgeteilt hat, haben in Luxemburg im vergangenen Jahr mehr als vier von fünf Einwohnern im Alter von 16 bis 74 Jahren (82 Prozent) über das Internet Waren oder Dienstleistungen für den privaten Gebrauch bestellt. Vor zehn Jahren habe der Anteil der »E-Shopper« hierzulande erst bei 73 Prozent gelegen. Damit liegt Luxemburg weiter über dem EU-weiten Durchschnitt, der laut Eurostat von 2012 bis 2022 sogar von 55 auf 75 Prozent, also um satte 20 Prozentpunkte gestiegen ist, während der Zuwachs in Luxemburg bei neun Prozentpunkten lag.
Die meisten »E-Shopper« gab es im EU-Ranking 2022 mit 92 Prozent in den Niederlanden vor Dänemark mit 90 und Irland mit 89 Prozent; die wenigsten in Bulgarien, Rumänien, Zypern und Italien mit Werten von unter 60 Prozent. Weil die Zahl der »Onlineshopper« in Frankreich seit 2012 noch stärker gestiegen ist als hierzulande, steht das Nachbarland mittlerweile knapp vor Luxemburg, das wiederum knapp vor Deutschland und Belgien steht.
Zur Art der Internetkäufe in der EU im Jahr 2022 heißt es, in erster Linie seien Kleidung einschließlich Sportbekleidung, Schuhe oder Modeaccessoires bestellt worden, zusammen kämen solche Waren auf 42 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgen mit deutlichem Abstand Essenslieferungen mit 19 vor Kosmetika und Wellnessprodukten mit 17 und Möbeln, Wohnaccessoires oder Gartenprodukten mit 16 Prozent. Platz fünf teilen sich gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen sowie Sportartikel ohne Sportbekleidung mit jeweils 14 Prozent.
Die Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in der Atacama-Wüste in Chile. Weil Konsumenten aus Deutschland Europameister bei der (meist kostenlosen) Rücknahme von über das Internet gekauften Waren sind, hat die Universität Bamberg im vergangenen Jahr das sogenannte Retourenmanagement deutscher E-Commerce-Händler unter die Lupe genommen und Folgendes herausgefunden: Schätzungsweise 530 Millionen Pakete mit 1,3 Milliarden Artikeln gingen 2021 in der BRD an die Händler zurück – zum größten Teil Kleidung und Schuhe, was allein zum Ausstoß von geschätzt 795.000 Tonnen Kohlendioxid führte. Obwohl letztlich nur ein Prozent der zurückgeschickten Klamotten im Müll lande, seien das in absoluten Zahlen 17 Millionen weggeschmissene Artikel pro Jahr allein aus Deutschland.
Zehntausende Tonnen neuwertiger Kleidung, die in Europa niemand will, werden jedes Jahr nach Südamerika verschifft. Doch der allergrößte Teil findet auch dort keine Käufer. So türmen sich Berge von Textilmüll, der für H & M, Adidas und Co. produziert wurde, beispielsweise in der chilenischen Atacama-Wüste zu einer Umweltkatastrophe auf. Von den 59.000 Tonnen Kleidung, die jedes Jahr an den darauf spezialisierten Hafen Iquique im Norden Chiles geliefert werden, landen geschätzt 39.000 Tonnen jährlich in der Wüste.
Die beständig wachsenden Fast-Fashion-Friedhöfe vergiften nach und nach die Natur, weil die Textilien durch Färben, Bleichen oder Bedrucken oft Schadstoffe enthalten. Auch benötigt Kleidung mit einem Anteil an Polyester zwischen 20 und 200 Jahre, bis sie in der Natur zerfällt. Das ist ungefähr so lang wie eine Plastiktüte dafür benötigt. Doch lösen sich die Partikel nur scheinbar auf, bis sie nicht mehr zu sehen sind. In Form von Mikroplastik bleiben Rückstände auch noch nach der genannten Zeitspanne in der Natur zurück und belasten die Umwelt.

