Vor 65 Jahren
Juri Gagarin – der erste Mensch im Weltraum
In den vergangenen Tagen wurde in den Medien vielfach über den Start einer US-amerikanischen »Raumfahrtmission« mit vier Besatzungsmitgliedern berichtet, die wieder einmal den Mond umrundeten. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns daran, daß die Geschichte der bemannten Raumfahrt bereits vor 65 Jahren ihren Anfang nahm.
War bereits vier Jahre zuvor der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) mit dem Satelliten »Sputnik 1« ein erster Schritt gelungen, und mit Hunden im Weltall weitere vorbereitende Schritte unternommen worden, unternahm Juri Gagarin am 12. April 1961 mit dem Raumschiff »Wostok 1« den ersten bemannten Raumflug und umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde. Er landete im Wolga-Gebiet in der Nähe der Städte Saratow und Engels.
Juri Alexejewitsch Gagarin, geboren am 9. März 1934 im Gebiet Smolensk, war schon während seines Studiums Mitglied im Aeroklub in Saratow. Mit 21 Jahren absolvierte er seine erste Flugprüfung, und so war es nur folgerichtig, daß er nach der Ausbildung in die sowjetischen Luftstreitkräfte eintrat. Im November 1957 schloß er als Leutnant die Fliegerschule in Orenburg ab. Von 1957 bis 1959 diente Juri Gagarin bei einem Jagdfliegerregiment in den Seefliegerkräften der sowjetischen Nordflotte. Er war im Gebiet Murmansk am Polarkreis stationiert.
Über Gagarins Weg zum Kosmonauten gibt es zahllose Berichte. Gesichert ist, daß er im November 1959 zum Oberleutnant befördert und Anfang 1960 als potenzieller Kosmonaut ausgewählt wurde. Zu dem Zeitpunkt war er bereits verheiratet und die Familie hatte zwei Töchter. Von März 1960 bis Januar 1961 erhielt er mit 20 anderen Fliegern eine Ausbildung zum Kosmonauten. Ob die Entscheidung, ihn für den Flug auszuwählen, an seiner bescheidenen Körpergröße lag, die für die Kapsel der »Wostok 1« günstig war, oder seine fliegerischen Fähigkeiten den Ausschlag gaben, wird bis heute diskutiert.
Symbol für die friedliche Nutzung des Weltraums
Der Raumflug des ersten Kosmonauten ist in allen Einzelheiten dokumentiert. Sofort nach dem Eintreten in die Erdumlaufbahn nahm Juri Gagarin Funkkontakt mit dem Kontrollzentrum auf. Ein überlieferter Satz aus dem Funk lautet: »Ich sehe die Erde! Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit!«
Die Landung nach knapp zwei Stunden verlief trotz kleiner Komplikationen unproblematisch. Juri Gagarin konnte sich wie geplant mit dem Schleudersitz aus der Kapsel katapultieren. Der Landepunkt lag nur wenig entfernt vom vorausberechneten Gebiet in der Nähe der Stadt Saratow, wo die Trainingssprünge der Kosmonauten stattgefunden hatten.
Am Morgen des 14. April reiste Juri Gagarin mit einer kleinen Gruppe von Offiziellen und Korrespondenten nach Moskau, wo die offiziellen Feierlichkeiten zu seiner Rückkehr stattfanden. Es wurde ein großartiger Empfang. Der Weg vom Flughafen Wnukowo in die Innenstadt von Moskau wurde von Tausenden Menschen gesäumt. Es heißt, es sei die größte Menschenmenge seit den Siegesfeiern im Jahr 1945 gewesen.
Juri Gagarin erhielt die Auszeichnung »Held der Sowjetunion«. Bereits während seines Weltraumfluges war er zum Major befördert worden. Anschließend unternahm er zahlreiche Reisen in verschiedene Länder, wo er als Symbol für die friedliche Nutzung des Weltraums warb, aber auch die technologischen Errungenschaften der UdSSR darstellte. Juri Gagarin war u.a. in der DDR in Österreich, England, Indien und auf Kuba, wo er mit Fidel Castro zusammentraf.
Dieser Raumflug war auch ein Erfolg in der Systemkonkurrenz mit den USA. Der damalige USA-Präsident John F. Kennedy formulierte dies in einer Erklärung in aller Deutlichkeit: »Niemand hat es mehr satt als ich, die Vereinigten Staaten als Zweiten hinter den sowjetischen Triumphen zu sehen. Wir werden, so hoffe ich, unsere Bemühungen dieses Jahr realisieren können, aber wir liegen zurück. Die Nachrichten werden schlimmer werden, bevor sie besser werden, und es wird einige Zeit dauern, bevor wir aufholen.«
Am 27. März 1968 verunglückte Juri Gagarin im Alter von 34 Jahren bei einem Übungsflug mit seinem Fluglehrer tödlich. Sein bemannter Raumflug bleibt jedoch unvergessen.
Seit 1962 war der 12. April in Erinnerung an Juri Gagarins Raumflug in der Sowjetunion ein offizieller Gedenktag – der »Tag der Kosmonauten«. Zum 50. Jahrestag des ersten Weltraumfluges in der Geschichte der Menschheit erklärte die Generalversammlung der Organisation der Vereinten Nationen im Jahr 2011 den 12. April zum »Internationalen Tag der bemannten Raumfahrt«.

