Kaleidoskop25. November 2023

Lebensgefahr Luftverschmutzung: 250.000 Tote in der EU

von dpa/ZLV

Rotterdam – Schlechte Luft bleibt nach Einschätzung der EU-Umweltagentur das größte von Umweltbedingungen ausgehende Gesundheitsrisiko. Rund 253.000 Todesfälle in der EU hätten im Jahr 2021 im Zusammenhang mit Feinstaubwerten über den Grenzen der Weltgesundheitsorganisation gestanden, teilte die EEA am Freitag im Rahmen des »Clean Air Forum« der EU im niederländischen Rotterdam mit.

Ziel sei es, die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Feinstaubbelastung bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Zwischen 2005 und 2021 sei die Zahl der Toten im Zuge sinkender Luftverschmutzung bereits um 41 Prozent zurückgegangen. »Die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf unsere Gesundheit sind immer noch zu hoch«, mahnte Leena Ylä-Mononen, Direktorin der EU-Agentur. Schätzungen zufolge verursacht Feinstaub die größten gesundheitlichen Belastungen durch Herzerkrankungen, gefolgt von Schlaganfällen, Diabetes, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, Lungenkrebs sowie Asthma.

Die höchsten Sterblichkeitsraten gebe es in den östlichen und südlichen Ländern, sagte Ylä-Mononen. In den Bericht wurden rund 40 europäische Länder einbezogen. Die WHO hatte die empfohlenen Grenzwerte für PM2,5-Feinstaub 2021 gesenkt – die mittlere Jahresbelastung von zehn auf fünf Mikrogramm (tausendstel Gramm) pro Kubikmeter Luft. Als PM2,5 werden Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (tausendstel Millimetern) bezeichnet. PM2,5-Partikel können bis in die menschlichen Lungenbläschen und so auch in die Blutbahn vordringen.

Feinstaub besteht aus einem Gemisch fester und flüssiger Partikel und entsteht zum Beispiel durch den Betrieb von Autos, Heizungen in Wohnhäusern oder der Industrie, beispielsweise bei der Metall- und Stahlerzeugung. Auch in der Landwirtschaft entsteht Feinstaub, zum Beispiel Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung. Neben Feinstaub bleiben auch Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon in der Luft ein Problem: 52.000 Todesfälle in der EU sind nach der EEA-Analyse einer erhöhten Belastung durch Stickstoffdioxid zuzuordnen, 22.000 der Ozonbelastung.