Luxemburg29. August 2026

Stellungnahme der Kommunistischen Partei Luxemburgs zum 84. Jahrestag des Generalstreiks

31. August 1942: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Am 31. August jährt sich zum 84. Mal der Beginn des Generalstreiks von 1942. Aus Protest gegen die von den faschistischen Besatzern verfügte Zwangsrekrutierung von Luxemburgern in die deutsche Wehrmacht legten zunächst die Arbeiter der Lederfabrik »Ideal« in Wiltz die Arbeit nieder. Der Streik, der von mehreren Resistenzorganisationen, darunter die KPL, vorbereitet worden war, breitete sich in den folgenden Tagen über das ganze Land aus und wurde zu einem bedeutenden Akt des Widerstands gegen Besatzung, Zwang und Krieg.

Die Kommunistische Partei Luxemburgs gedenkt der Frauen und Männer, die damals den Mut aufbrachten, sich der Nazidiktatur entgegenzustellen, obwohl sie wussten, dass ihr Widerstand mit Gefängnis, Deportation oder Tod beantwortet werden konnte.

Dieses Gedenken darf sich jedoch nicht auf Kranzniederlegungen und Sonntagsreden beschränken. Wer des Generalstreiks gedenkt, muss sich auch mit seinem politischen und sozialen Gehalt auseinandersetzen und fragen, welche Lehren daraus für die Gegenwart zu ziehen sind.

Der Generalstreik vom 31. August 1942 war nicht nur ein Akt nationaler Selbstbehauptung. Er zeigte zugleich, welche Kraft entsteht, wenn Schaffende sich organisieren, solidarisch handeln und ihre Arbeit verweigern, um sich einem verbrecherischen politischen System entgegenzustellen. Darin liegt seine bleibende demokratische Bedeutung.

Demokratie erschöpft sich nicht in Wahlen und parlamentarischen Institutionen. Sie muss von unten getragen und gelebt werden – in den Betrieben, Gewerkschaften, Gemeinden und allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Dazu gehören starke gewerkschaftliche und demokratische Rechte und insbesondere das Streikrecht.

Die KPL wendet sich zugleich gegen Versuche, das Gedenken an den Widerstand von 1942 nachträglich in eine Legitimationsgeschichte der heutigen Europäischen Union oder der NATO umzudeuten. Den Widerstandskämpfern politische Zielsetzungen heutiger Bündnisse und Institutionen zu unterstellen, ist unhistorisch. Sie widersetzten sich konkret Faschismus, Besatzung, Zwangsrekrutierung und Krieg.

Noch weniger darf aus dem »Nie wieder« ein »Wir müssen wieder kriegstüchtig werden« gemacht werden.

Heute werden massive Steigerungen der Rüstungsausgaben, neue Aufrüstungsprogramme und eine zunehmende Militarisierung mit der Behauptung gerechtfertigt, nur so ließen sich Frieden und Sicherheit gewährleisten. Es wäre jedoch eine Verkehrung der historischen Lehre des 31. August 1942, ausgerechnet das Andenken an Menschen, die sich einer Kriegsmaschinerie widersetzten, zur Rechtfertigung neuer Kriegsvorbereitungen heranzuziehen.

Antifaschistische Erinnerungsarbeit verlangt auch, nach den gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus zu fragen. Der Faschismus fiel nicht vom Himmel. Er entwickelte sich auf dem Boden einer von tiefen sozialen Gegensätzen, ökonomischen Krisen, Nationalismus und imperialistischen Machtkämpfen geprägten kapitalistischen Gesellschaft. Der Kampf gegen Faschismus kann deshalb nicht vom Kampf für soziale Rechte, Frieden und wirkliche Demokratie getrennt werden.

Die politische Lehre des Generalstreiks besteht nicht darin, die Interessen eines geopolitischen Machtblocks gegen jene eines anderen zu verteidigen. Es geht vielmehr darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Schaffenden selbst über ihre gesellschaftliche Zukunft bestimmen können und weder wirtschaftliche Interessen noch Großmachtpolitik über Krieg und Frieden entscheiden.

Dazu braucht es eine starke Friedensbewegung, kämpferische Gewerkschaften und eine breite demokratische Bewegung gegen Sozialabbau und Militarisierung. Gesellschaftlicher Reichtum muss in soziale Sicherheit, öffentliche Dienstleistungen, Bildung, Gesundheit und erschwinglichen Wohnraum fließen – nicht in immer neue Rüstungsprogramme. International braucht es Abrüstung, Diplomatie, Rüstungskontrolle, friedliche Koexistenz und ein neues System kollektiver Sicherheit.

Das wäre eine Erinnerungsarbeit, die dem Mut und den Zielen der Streikenden und der Widerstandskämpfer von 1942 gerecht wird.

Mitgeteilt von der
Kommunistischen Partei Luxemburgs