Leitartikel19. Oktober 2023

Verkehrskollaps schon vor der 1. Million

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Der Herbst hat Einzug gehalten, die Urlaubszeit ist vorbei, und die Menschen sind wieder im alltäglichen Trott zur und von der Arbeit. Ablesen läßt sich dies immer an den Anzeigetafeln mit den freien Parkplätzen, ob in der Hauptstadt, in Esch oder sonst wo im Lande. Parkplätze voll, Straßen voll, Busse und Bahnen voll. Manchen kostet diese Rallye an den Arbeitsplatz und zurück viele Nerven. Zwar hat sich das Home Office in den Berufsbereichen, wo dies möglich ist, immer weiter durchgesetzt und hilft, Mobilitäts-Infrastruktur zu entlasten sowie auch Umwelt und Klima, doch dies ist nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein.

In den kommenden Jahren ändern dürfte sich wenig am Arbeitswahn, im Gegenteil dürfte von der neuen Regierung wenig Fortschrittliches zu erwarten sein, wenn es um Flexibilisierung im Sinne der Beschäftigten und eine bessere Work-Life-Balance geht. So wird auch das Straßenbild sich eher noch weiter verschlechtern.

Die jahrzehntelang brach liegende Verkehrsinfrastruktur stößt, Gratis-Transport hin oder her, an ernstzunehmende Grenzen, mit Folgen für die Gesundheit und die Umwelt. Streß und Streit auf den Straßen oder in vollen Zügen nehmen zu. Da werden weder eine neue Schnelle Tram, noch eine für Fahrgemeinschaften ausgebaute A3 etwas daran ändern.

Wenn es durch modernere Arbeitseinteilung gelänge, die Spitzenverkehrszeiten zu strecken, würde die derzeitige Straßeninfrastruktur, abgesehen von einigen wirklich gefährlichen uralten Autobahn-Anschlußstellen, durchaus reichen. Zusätzlich sollten die Autobahnen an den Grenzen konsequent ausgebaut werden.

Die aktuelle Situation ist nicht nur für Berufspendler gut. Ihnen schenkt die Verkehrspolitik zwar das Hauptaugenmerk, um die Grenzgänger besser täglich ins Land hinein- und hinaus zu schaufeln, doch machen ständig verstopfte Straßen und ein außerhalb von Spitzenzeiten selten brauchbarer ÖPNV auch das Leben abseits der Arbeit, ja das gibt es, immer abenteuerlicher. So gerät die Mobilität generell ins Stocken: Freunde unter der Woche besuchen, Fußballspiele oder Konzerte besuchen unter der Woche – all dies wird zum Kraftakt angesichts der regelmäßig bis in den mittleren Abend hinein vollen Straßen.

Wer einmal an einem Sonntag, nachts oder an Feiertagen ohne Auto regional oder überregional unterwegs sein möchte, der muß viel Geduld aufbringen. Verständlich, daß mancher lieber zum Wagen greift, wenn er dadurch in 15 Minuten einen Ort erreichen kann, wohin er ansonsten über eine Stunde benötigen würde.

Gebraucht werden nicht andere Arbeitszeiten, sondern eine Modernisierung jedweder Mobilitäts-Infrastruktur, ob Straße oder Schiene, unabhängig davon, ob sie für die Wirtschaft oder für die Einwohner da sein soll. Wenn aus Luxemburg ein 1-Millionen-Einwohner-Staat werden soll, während die Infrastruktur schon jetzt den Geist aufgibt, dann darf man gespannt sein auf die Zukunft.