Aus der Geschichte der Friedensbewegung in Luxemburg
Gegen atomare Mittelstreckenraketen und Militärlager
Nach dem Ende des Vietnamkriegs, der am 30 April 1975 mit einer vollständigen Niederlage der USA-Aggressoren endete, als die Truppen Nordvietnams und die Kämpfer der südvietnamesischen Befreiungsfront FNL Saigon einnahmen, erreichte die Friedensbewegung in Luxemburg bereits wenige Jahre später einen neuen Höhepunkt.
Herbeigeführt wurde dies, als die USA der Sowjetunion und der sozialistischen Staatengemeinschaft ein neues Wettrüsten aufzwangen und 1979 beschlossen, in Westeuropa 572 atomar bestückte Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper (Pershing II und Cruise missiles) zu stationieren.
Hinzu kam, dass die damalige DP/LSAP-Regierung den USA und der NATO die Genehmigung erteilte, Militärlager in Luxemburg einzurichten. Die waren eine Folge des Geheimabkommens namens »Host Nation Support«, das eine CSV/DP-Regierung bereits 1973 – an der Chamber vorbei – mit den USA unterzeichnet hatte, wie der Abgeordnete der KPL, Aloyse Bisdorff, Jahre später enthüllte.
Die Friedensbewegung, entwickelte sich hauptsächlich um das »Lëtzebuerger Friddenskomitee«, die »Friddensinitiativ Suessem-Bieles« die Organisation »Sportler fir de Fridden« und die »Résistance médicale aux armes nucléaires«, Organisationen, in denen die Kommunisten und ihre »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«, die Grünen, die kommunistische Jugendorganisation, die Jungsozialisten, linke LSAP-Mitglieder und zahlreiche Menschen, die nicht parteipolitisch gebunden waren, zusammenarbeiteten.
Die Aktivitäten der Friedensbewegung richteten sich hauptsächlich gegen die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen in Europa und die Gefahr eines Atomkriegs, die Neutronen-Bombe der USA, die Militarisierung des Landes, das Namsa-Lager in Capellen, die Immatrikulierung der AWACS-Spionageflugzeuge der NATO unter Luxemburger Flagge, die Schaffung einer Reservearmee, die massive Erhöhung der Militärausgaben und insbesondere die Militärlager in Düdelingen-Bettemburg und Sanem.
Die »Friddensinitiativ Suessem Bieles« sammelte im Herbst 1982 innerhalb kurzer Zeit sogar 3.400 Unterschriften allein bei der Bevölkerung in der Gemeinde Sanem gegen den Bau des Militärlagers, was den LSAP-Bürgermeister aber nicht daran hinderte, eine Baugenehmigung zu erteilen, und die Gewerkschaften, die der Friedensbewegung fern blieben, nicht davon abhielt, die Militärlager mit dem »Argument«, es würden Arbeitsplätze geschaffen, zu verteidigen.
Am 21. April 1984 fand, in der Tradition der Ostermärsche der westdeutschen Friedensbewegung, erstmals auch hierzulande ein Ostermarsch zwischen Beles und Esch/Alzette statt. Diese Initiative, wurde während der nachfolgenden Jahre zu einem festen Bestandteil der Aktivitäten der Friedenbewegung.
Als auf Drängen der Sowjetunion die USA sich 1987 bereitfanden, einen Vertrag über den Abbau von atomaren Mittelstreckenraketen zu unterzeichnen, weitere Abrüstungsverträge folgten, und nach der Niederlage der Sowjetunion im Kalten Krieg, auch bei den biologischen, chemischen und konventionellen Waffen abgerüstet und das Militärlager in Düdelingen geschlossen und keine Reservearmee geschaffen wurde, verlor die Friedensbewegung rasch an Stärke und fiel in einen mehr als zehn Jahre dauernden den Winterschlaf.
Aus dem erwachte sie, als die USA unter Rückgriff auf die Lüge von Massenvernichtungswaffen im Irak einen neuen Krieg entfesselten. Unter der Losung »Kein Blut für Öl manifestierten am 15. Februar 2003 in der Hauptstadt mehr als 15.000 Menschen.

