SNE/CGFP zu Schulbeginn:
Rückzugsgefecht gegen Minister-Diktator
Beim »Syndicat National des Enseignants« in der Beamtengewerkschaft CGFP gibt es wenig Freude mit Minister Meischs Lieblingsprojekt Alpha, der Alphabetisierung auf Französisch, was genau wie das Deutsche eine Fremdsprache ist hierzulande. Eine richtige Evaluation des Pilotprojekts in 4 Schulen in 4 der 15 Direktionen des Landes bevor die ersten ihre Grundschule abgeschlossen haben und in die Sekundarschule weitergereicht worden sind, ist eigentlich unmöglich.
Theoretisch sollte Alpha dazu führen, daß jene, deren Muttersprache näher am Französischen als beim Deutschen liegt (wo liegt da eigentlich Hindi oder Mandarin, was ja immer häufiger vorkommt?) dadurch bessere Ergebnisse erreichen und vor allem dieselbe Kompetenz in Französisch und Deutsch wie die auf Deutsch Alphabetisierten. Ob es dazu kommt, kann definitiv erst am Ende des Zyklus 4 festgestellt werden.
Skandalös wurde die Zwischenevaluation des LUCET aufgrund der Ergebnisse der »épreuves standardisées« mit der Veröffentlichungsunterdrückung des Ministeriums bis Juli, weil das Ergebnis dem Minister nicht in den Kram paßte. Es kam nämlich raus, Alpha führe nicht zu besseren Ergebnissen und schulischen Leistungen. Dennoch wurde die sofortige Generalisierung von Alpha landesweit als Gesetz nicht zurückgezogen, sondern durchgewunken.
Sinnvoller wäre es gewesen laut SNE, als erstes über Alternativen zu diskutieren, wozu die allgemeine Alphabetisierung statt auf Deutsch auf Luxemburgisch ebenso gehören hätte müssen wie die Frage, ob es nicht vorteilhafter wäre, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Aber dafür gab es zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Ansatz von Bereitschaft im Ministerium.
Die SNE fordert daher eine Gesetzesänderung, nach der zunächst nur in jeder der 15 Direktionen eine Schule mit Alpha beginnt, die sich freiwillig meldet. Wenn dann diese Kinder am Ende der Grundschule sind, sollte evaluiert werden und dann Alpha eingestampft oder generalisiert werden.
Eine kleinere Gesetzesänderung würde die Forderung zufrieden stellen, den Schulen die Autonomie zu geben, ob sie gemischte Klassen organisatorisch und räumlich bewältigt kriegen oder ob es weniger Probleme macht, eine in Französisch und eine in Deutsch alphabetisierte Klasse nebeneinander zu führen.
Aber auch das wird wohl kaum geboten, »der Zug ist abgefahren«, und die SNE-Führung vertraut schließlich drauf, daß das Personal des zweiten Spielschuljahres die Eltern schon richtig beraten wird, wohin sie ihr Kind am besten fürs erste Grundschuljahr schicken.
Allerdings stößt es da besonders negativ auf, daß jetzt nur in einer Pilotschule in jeder Direktion in der Spielschule wie im Précoce neben der Lehrkraft eine oder zwei Erzieherinnen (männliches Personal gibt es da praktisch nicht mehr, was leider niemand als abzustellendes Problem wahrnimmt) für alle Spielschulklassen kommen sollen, was keine dauerhafte Präsenz möglich macht. Zudem ist es falsch, das nur als Pilotprojekt zu beginnen ohne Absicht, das raschestmöglich zu generalisieren.
Zu wenig Personal
für Inklusion
Der »Plan d'action pour l'inclusion scolaire« sieht noch immer keine »Taskforce« in jeder Schule vor, die sofort tätig werden kann bei Krisensituationen und auch nicht präventiv, damit es nicht zur Krise kommt.
In Krisenfällen wurden bisher schon die A-EBS (»assistants pour élèves à besoins éducatifs spécifiques«) herangezogen, auf keinen Fall dürften die I-EBS (»Instituteurs spécialisés dans la scolarisation des élèves à besoins éducatifs spécifiques«) von ihren Aufgaben dafür abgezogen werden. Wobei es auch nicht so weitergehen kann, daß diese nicht ersetzt werden, wenn sie krankheitshalber zeitlich ausfallen.
Problematisch ist, daß ein lokales Komitee für die Verteilung der Ressourcen Vorschläge an die Direktion machen soll statt Beschlüsse zu fassen, wobei es auch nur zweimal im Trimester zusammentreten soll, was direkte Hilfen verhindern wird.
Begrüßt wird, daß die »Commission nationale d'inclusion« künftig entscheidet, in welches Kompetenzzentrum ein Schüler kommt, nachdem die mit einem Ping-Pong-Spiel allzuoft sich nicht bei der Zuständigkeit einigten.
»Voie de préparation«
Es ist nett, wenn jetzt angekündigt wird, endlich angepaßte Programme und Schulmaterial für den umbenannten »modulaire« aufzulegen, ist das doch mehr als dringend. Leider ist nicht gleichzeitig angekündigt worden, dafür zu sorgen, daß zeitweilig ausfallendes Lehrpersonal auch ersetzt wird. Das ist aktuell nicht der Fall, und das ist unhaltbar.
Die Lösung des Personalproblems dürfe kein im einjährigen Schnellverfahren neben der Arbeit erworbener »Bachelor en formation pédagogiques« werden, der dann dem drei- oder vierjährigen »Bachelor en sciences de l'éducation« in Vollzeit gleichgestellt wird.
Auf keinen Fall dürfe der spiralförmige Wissensaufbau mit Wiederholungen aufgegeben werden, aber es müßte endlich für Schüler mit spezifischen Bedürfnissen wie in der Grundschule zusätzliche Hilfestellungen durch entsprechendes Fachpersonal geben. Immerhin verspricht die Reform die Einführung eines I-EBS, wobei aber einer pro Gebäude riskiert zu wenig zu sein.

