Luxemburg01. August 2019

»Wir brauchen einen Qualitätssprung«

Für die Aktioun Öffentlechen Transport bleibt noch viel zu tun

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Vom Widerstand gegen die Schließungen von Zugstrecken über fehlende Bahnhofs- und Bushaltestellenschilder bis hin zu schneebedingten Busausfällen im Winter oder dem weiter anhaltenden Sozialkonflikt bei der Luxtram S.A: Über einen Mangel an Aufgaben kann sich die 1983 gegründete und derzeit 19 Mitgliedsorganisationen umfassende Aktioun Öffentlechen Transport nun wirklich nicht beklagen. Nach der diesjährigen Generalversammlung informierte die AÖT am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im völlig neu gestalteten Eisenbahnercasino in Luxemburg-Bonneweg über ihre aktuellen Tätigkeitsschwerpunkte.

Die von der Regierung angekündigten Investitionen in den öffentlichen Personentransport und insbesondere in das Schienennetz und neues Rollmaterial für die CFL seien zu begrüßen, sie seien jedoch noch nicht ausreichend, erklärte AÖT-Präsident Roland Schreiner. Wir brauchten »einen Qualitätssprung« – hinsichtlich der Attraktivität des öffentlichen Transports, aber auch hinsichtlich seiner Organisation und Qualität sowie nicht zuletzt auch hinsichtlich der eingesetzten Infrastrukturen. Ein benutzerfreundlicher öffentlicher Transport sei das A und O einer guten Mobilität.
Während die AÖT auch nach anderthalb Jahren noch immer voll des Lobes über die Tram in der Hauptstadt ist, hält sie das leider nicht verwirklichte BTB-Konzept (Bus-Tram-Bahn) für »das effizienteste System«, weil es ohne Umsteigen auskommt.
Zur Qualität des öffentlichen Transports gehörten gute Arbeitsbedingungen für die Transportarbeiter dazu, erklärte der AÖT-Präsident mit Blick auf das zu zwei Dritteln dem Staat und zum restlichen Drittel der Gemeinde Luxemburg gehörende Privatunternehmen Luxtram S.A., wo eine Einigung im Sozialkonflikt leider weiter nicht in Sicht sei. »Wir würden es bedauern«, so Schreiner, »wenn es hier zu gewerkschaftlichen Aktionen kommen müßte«. In einem solchen Fall werde die AÖT »klar an der Seite der Beschäftigten stehen«. Es sei bedauerlich, daß die auf Seiten des Staates und der Gemeinde Luxemburg Verantwortlichen »die Augen zu« machten und »ihre Funktionäre walten« ließen.

Man sei froh, daß die CFL-Strecke zwischen Ettelbrück und Diekirch nicht mehr zur Disposition stehe, vermisse beim Projekt »Nordstad« aber noch immer ein einheitliches Mobilitätskonzept. Von einer »Einschränkung des Kundendienstes« sprach Schreiner hinsichtlich der von Regierung und CFL angekündigten Schließung der Fahrkartenschalter in Bettemburg, Petingen und Rodingen im Landessüden, in Mersch, Ettelbrück, Clerf und Ulflingen im Norden sowie in Wasserbillig im Osten spätestens bis zum 1. März 2020, wenn Zugfahren in der zweiten Klasse und innerhalb des Landes kostenlos wird. Die AÖT bezweifle, daß »agents d’accueil« auf Bahnsteigen und »chefs de surveillance« in Bahnhöfen die Bahnschalterschließungen kompensieren können. Ein Bahnschalter im Bahnhof sei eben leichter zu finden als »ein CFL-Mitarbeiter mit einem Tabletcomputer auf dem Bahnsteig«.

Das sieht auch Komiteemitglied Alphonse Classen so, der selbst beim Bahnunternehmen arbeitet. »Automaten und Smartphones ersetzen keine Menschen«, erklärte er, auch wenn der Dienst am Bahnkunden natürlich etwas koste, seien menschliche CFL-Mitarbeiter unersetzbar. Auch sei es Touristen beispielsweise aus den Niederlanden, die im Norden Luxemburgs eine Radtour gemacht haben, nicht zuzumuten, zum Bahnhof Luxemburg oder Belval-Université zu fahren, nur um eine Fahrkarte nach Amsterdam zu kaufen.

Auf kleine, aber alltägliche Probleme der Benutzer des öffentlichen Transports – von fehlenden Überdachungen an Umsteigestationen, über Erste-Klasse-Bereiche nur in der oberen Etage von Zügen, die bei eingeschränkter Mobilität des Bahnreisenden nicht zu erreichen sind, bis hin zu fehlenden Stationstafeln – ging René Birgen ein. Für die Zugstrecken in Richtung Landessüden forderte der AÖT-Sekretär die Ausweitung des Viertelstundentakts wochentags von 7.30 bis 21 Uhr.

oe

Die AÖT begrüßt die laufenden Arbeiten an der Nordseite des Bahnhofs Luxemburg (Foto: ZLV)